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Trotzdem zu langsam: Doch mehr Windräder in Baden-Württemberg gebaut als gedacht

News Trotzdem zu langsam: Doch mehr Windräder in Baden-Württemberg gebaut als gedacht

Quelle: Christian Charisius
dpa

In den vergangenen Jahren lief der Ausbau der Windkraft höchstens schleppend. 2024 wurden nun doch mehr Anlagen gebaut als zunächst gedacht. Experten geht es dennoch zu langsam.

Im vergangenen Jahr sind im Südwesten mehr Windkraftanlagen gebaut worden als bisher gedacht. Wie aus einer Auswertung der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE) und des Bundesverbands Windenergie hervorgeht, wurden im vergangenen Jahr 22 neue Windkraftanlagen im Südwesten gebaut. Vier seien stillgelegt worden. Die Zahlen stammen den Angaben zufolge aus dem Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur.

Bis Anfang Dezember hatte es noch deutlich schlechter ausgesehen. Nach Angaben des Umweltministeriums gingen bis dahin nur acht neue Windräder im Südwesten in Betrieb. «Allein im Dezember 2024 wurden zehn Windenergieanlagen errichtet oder im Marktstammdatenregister registriert», sagte Jürgen Scheurer, Geschäftsführer der PEE. «Das erklärt den sprunghaften Anstieg des Bestandes im letzten Monat des Jahres 2024.»

Der Grund für den Verzug bei den Zahlen: Die Eigentümer können die Anlagen auch noch im Monat nach deren Errichtung registrieren. Im Jahr 2023 waren nach Angaben des Umweltministeriums 16 neue Windräder gebaut worden.

Verbände: Ausbau ist noch immer zu langsam

Trotz der etwas besseren Zahlen geht der Ausbau aus Sicht der beiden Verbände nicht schnell genug. Bis 2040 brauche es im Südwesten 3.000 Windräder mit einer Leistung von 12.000 Megawatt, um Baden-Württemberg mit der nötigen regenerativen Energie zu versorgen, hieß es. «Pro Jahr ist daher in den kommenden 16 Jahren eine zusätzliche Leistung von über 600 Megawatt nötig. Das entspricht mehr als 100 hochmodernen Windrädern», teilten die Verbände mit. Zum Vergleich: 2024 seien 102 Megawatt zugebaut worden.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann gab sich zuletzt optimistisch, dass der Windkraftausbau im Südwesten bald Fahrt aufnimmt. «Ich bin durchaus guter Dinge, dass es vorangeht», hatte der Grünen-Politiker im Dezember gesagt. Nach Angaben des Umweltministeriums sind bereits 179 Anlagen genehmigt, bei ebenfalls 179 Anlagen sei eine Genehmigung beantragt worden.

«Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht», sagte Kretschmann. Das Land baue keine eigenen Windkraftanlagen und könne nur dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen verbessert würden. Man habe etwa die Genehmigungszeiten für Windkraftanlagen von sieben Jahren auf sieben Monate reduziert.

Mehr Genehmigungen, aber weniger Vergütungszusagen

Auch die Plattform Erneuerbare Energien spricht von einem ersten Lichtblick bei den Genehmigungen. 2024 seien 52 Anlagen genehmigt worden, fünf mehr als im Vorjahr. 2021 habe die Zahl der Genehmigungen noch bei zehn gelegen.

Wichtig für den Betrieb einer Windkraftanlage sei aber auch eine Vergütungszusage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Wer diese haben wolle, müsse an einer Ausschreibung teilnehmen. 2024 erhielten 38 Windkraftanlagen einen Zuschlag für die Vergütung – 30 weniger als im Vorjahr. «Im Bundesländervergleich fällt der Südwesten daher zurück: Das andere Schlusslicht beim Windenergieausbau, Bayern, kam auf insgesamt 70 EEG-Zusagen im Jahr 2024», hieß es.

Die Landesregierung hatte zuletzt immer wieder die Ziele zum Windkraftausbau zurückschrauben müssen. Im Koalitionsvertrag von Grün-Schwarz ist die Rede von 1.000 neuen Windrädern im Land. Diese Zahl hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann schon länger einkassiert. Ende 2022 hatte der Grünen-Politiker das Ziel ausgegeben, im Jahr 2024 100 neue Windräder zu bauen. Dieses Ziel hatte er Anfang 2024 wieder infrage gestellt.

 

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