News Unruhe in grenznahen Freibädern: So handeln die Bäder
In Freibädern nahe der französischen Grenze kommt es immer wieder zu Vorfällen – häufig sind Badegäste aus dem Elsass beteiligt. Wie gehen die Bäder mit der Situation um?
Ein heißer Sommertag, ein volles Freibad und ein Bademeister, der Anweisungen gibt – denen manche aber nicht so richtig folgen wollen. In Freibädern in Baden-Württemberg nahe der französischen Grenze kommt es immer wieder zu Vorfällen, an denen häufig junge Männer aus dem benachbarten Elsass beteiligt sind. Auch die Polizei musste in diesem Jahr bereits mehrfach ausrücken.
Freibad Auenheim in Kehl von Polizei geräumt
Ende Juni räumte die Polizei das Freibad Auenheim in Kehl (Ortenaukreis). Was genau passierte – darin widersprechen sich die Berichte der Polizei und der Stadt Kehl. Die Polizei sprach von 50 bis 60 jungen Männern aus Frankreich, die mehrfach versucht hätten, ohne Eintritt zu zahlen, ins Bad zu kommen und schließlich über den Außenzaun geklettert seien. Die Gruppe habe sich den Anweisungen des Sicherheitspersonals widersetzt und Regeln missachtet.
Einen anderen Ablauf der Dinge legt die Stadt dar. Einer Sprecherin zufolge waren am frühen Nachmittag fünf bis sechs junge Männer aus Frankreich über ein Tor geklettert, weil ihnen wegen ungeeigneter Badekleidung der Zugang verweigert worden war. Diese Gruppe sei jedoch umgehend vom Sicherheitsdienst gestoppt und des Bades verwiesen worden.
Wegen eines anderen Vorfalls später am Nachmittag sei die Polizei hinzugezogen worden: Zehn bis 15 junge Franzosen, die sich bereits im Bad befunden hätten, seien über eine Absperrung am Beckenrand gesprungen. Nachdem sie den Anweisungen des Badepersonals nicht gefolgt seien, sei die Polizei verständigt worden – die das Bad kurz darauf räumte.
Zwölf Polizeieinsätze in Müllheim
Rund 100 Kilometer südlich, in Müllheim im Markgräflerland (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald), musste die Polizei bereits mehrfach ins Freibad anrücken. Dort kam es in der laufenden Saison zu bislang zwölf Einsätzen, wie Polizeisprecher Michael Schorr vom Polizeipräsidium Freiburg sagte. Überwiegend wegen Ordnungsstörungen, Verstößen gegen die Haus- und Badeordnung – aber auch wegen Körperverletzung, Belästigung und Diebstahl. Bei einem Großteil der Einsätze seien Franzosen beteiligt gewesen.
Die Zahl der Einsätze sei nicht besonders hoch und auf dem Niveau des Vorjahrs, ordnete Schorr ein. «Für uns jetzt noch eine überschaubare Lage.» Die Stadt Müllheim sieht das ähnlich. Die Sicherheitslage sei grundsätzlich gut, heißt es von einer Stadtsprecherin. Insbesondere an heißen Tagen habe die Belastung für das Aufsichts- und Sicherheitspersonal jedoch deutlich zugenommen. Das subjektive Sicherheitsempfinden eines Teils der Badegäste sei gesunken, so die Sprecherin.
Vereinzelte Vorfälle in Breisach und Offenburg
Auch ins Waldschwimmbad Breisach (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) musste die Polizei in dieser Saison der Stadt zufolge vereinzelt ausrücken. Nach Erfahrungen des Badepersonals betreffe ein Großteil der Regelverstöße Besucher aus Frankreich, hieß es von einer Stadtsprecherin.
In Offenburg (Ortenaukreis) spricht die Stadt beim Freizeitbad Stegermatt von einem konstant niedrigen Niveau an Vorfällen – man beobachte jedoch, dass es an einzelnen heißen Tagen «vermehrt zu Problemen mit einzelnen Gruppen junger Gäste aus dem grenznahen Raum kommt, die einen vermehrten Betreuungs- und Kontrollaufwand verursachen», so ein Sprecher.
Warum kommen so viele Badegäste aus Frankreich?
Ein Blick auf die andere Rheinseite liefert eine Erklärung: Klassische Freibäder mit Liegewiese und Sprungturm gibt es im Elsass kaum. Straßburg etwa betreibt zwar einige Schwimmbäder, aber überwiegend Kombibäder mit Hallenbecken. Daher kommen viele zum Baden nach Deutschland. Die Stadtverwaltungen Kehl und Müllheim betonten, dass man sich über die Badegäste aus dem Elsass freue und sich die große Mehrheit an die Regeln halte.
«Die Zahl der polizeilichen Einsätze in den Freibädern ist maßgeblich von der Wetterlage und den Temperaturen abhängig», so Schorr. «Bei gutem Wetter steigt die Zahl der Besucherinnen und Besucher, was zu einem erhöhten Konflikt- und Aggressionspotenzial und damit verbunden zu mehr polizeilichen Einsätzen führen kann.»
Ein möglicher Faktor könnte auch die Anonymität sein. Wer nicht im eigenen Ort oder Stadtviertel unterwegs ist, fühle sich offenbar weniger bekannt und anonym. Manch einer fühle sich daher möglicherweise weniger an soziale Normen gebunden.
Wie handeln die Bäder?
Nach dem jüngsten Vorfall zog die Stadt Kehl umgehend Konsequenzen: Die Kapazität wurde von 1.600 auf 1.400 Besucher reduziert. Wer eine Tageskarte kaufen will, muss nun Personalien angeben und beim Besuch einen Lichtbildausweis mitführen. Wer gegen die Regeln verstößt, riskiert ein Badeverbot bis Saisonende.
Auch im Müllheimer Freibad gelten seit knapp zwei Wochen deshalb neue Regeln: Wer eine Tageskarte kauft, muss seine Tasche kontrollieren lassen und den Ausweis vorzeigen. Mehr Sicherheitspersonal sei dafür im Einsatz. Eine erste Zwischenbilanz falle positiv aus: Die Lage habe sich etwas beruhigt, so die Stadt.