Zoologischer Stadtgarten
Zoo Karlsruhe: Sensor-Ei sammelt wichtige Daten

Zoologischer Stadtgarten Zoo Karlsruhe: Sensor-Ei sammelt wichtige Daten

Quelle: Maike Franzen/Zoo Karlsruhe

Für die Forschung zur Brutbiologie bedrohter Vogelarten könnte es von großem Wert sein: Nach neun Jahren Entwicklung gibt es nun ein Sensor-Ei „made in Karlsruhe“ im Einsatz bei Vogelgelegen, teilt die Stadt Karlsruhe in einer Pressemeldung mit.

Kooperation zwischen Hochschule und Zoo

Ein „Sensor-Ei“ ist nun in Karlsruhe im Einsatz bei Vogelgelegen. Im Zoo Karlsruhe ist zudem ein Schaukasten aufgebaut worden, der den Zoogästen die Funktion des mit Technik vollgepackten Eis demonstriert. Das Projekt ist eine Kooperation des Zoos und der Fakultät für Maschinenbau und Mechatronik an der Hochschule Karlsruhe.

Maßgeblich die Entwicklung vorangetrieben haben Zoodirektor Prof. Dr. Matthias Reinschmidt und Prof. Dr.-Ing Klemens Gintner. Gintner ist Professor für Elektronik und Sensorik und lernte vor neun Jahren Reinschmidt, der damals noch im Loro Parque auf Teneriffa tätig war, zufällig auf einer Bahnfahrt an den Bodensee kennen.

Dabei entstand direkt die Idee, ein Sensor-Ei zu entwickeln, das wichtige Daten zu Temperatur, Feuchtigkeit, Drehung und Lage liefern kann. „Das sind Daten, die wichtig für eine erfolgreiche Zucht bedrohter Arten in Menschenobhut sind, die uns bislang jedoch gefehlt haben“, stellt Reinschmidt die Bedeutung des Projekts heraus.

 

Präsentation nach neun Jahren Entwicklung

Nach neun Jahren Entwicklung ist das Sensor-Ei mit seinen Funktionen jetzt auch für die Öffentlichkeit im Exotenhaus des Zoos zu sehen. Dieses Demo-Ei, das in einem besonderen Schaukasten mit Informationstablets aufgebaut wurde, soll den Zoogästen zeigen, wie die Erforschung des Brutverhaltens mit technischen Mitteln möglich ist. Es entstand im Rahmen einer Bachelorarbeit von Elias Wendler.

Die Zoofreunde Karlsruhe haben das Projekt finanziell unterstützt. Für Gisela Fischer, Vorsitzende des Fördervereins, ist das Sensor-Ei ein tolles Beispiel dafür, wie Institutionen in Karlsruhe zusammenarbeiten: „Gemeinsam wurde hier Forschung vorangebracht, die dann über den Zoo direkt einen wichtigen Einsatz findet und bedeutende Daten liefern kann.“

 

Nachzucht bedrohter Vogelarten

Reinschmidt freut sich, mit dem Demo-Ei diese wichtige Forschungsarbeit den Zoogästen näher bringen zu können. „Die Nachzucht bedrohter Vogelarten ist eine Herzensangelegenheit für mich. Wir hoffen, die Erhaltungszuchten damit verbessern zu können und gleichzeitig der Öffentlichkeit zu präsentieren, wie wir das machen.“

Bisher gab es für die Bruttemperaturen vieler Vögel nur näherungsweise hochgerechnete Literaturwerte. „Ein von mir berechneter Wert wird seit Jahren als Referenzwert angenommen. Wissenschaftlich erforschte Werte ermöglichen es uns, die Bedingungen der Naturbrut genau nachzuahmen“, erläutert der Zoodirektor.

 

Prof. Dr.-Ing Klemens Gintner, Gisela Fischer, Elias Wendler und Prof. Dr. Matthias Reinschmidt präsentieren das Demo-Ei im Exotenhaus. | Quelle: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

 

Messung verschiedener Parameter möglich

Mit dem Sensor-Ei können verschiedene Parameter gemessen werden. Es hat drei Temperatursensoren, einen Feuchtigkeitsmesser sowie Sensoren zur Messung der Lage und kann in die Nachbildungen verschiedenster Vogeleier eingebaut werden. In der Natur wenden viele Vogel-Arten ihre Eier beim Brüten regelmäßig.

Auch die Temperatur hat einen großen Einfluss auf die Entwicklung im Ei. Um das Brutverhalten der Vögel besser zu verstehen, kann das Sensor-Ei in bestehende Gelege untergeschoben werden. Die brütenden Tiere behandeln es wie ein eigenes Ei. Die Sensoren übermitteln dann die Werte.

Die Technik wurde in bisher insgesamt neun Studienarbeiten weiter verbessert. „Mir ist es wichtig, meine Studenten zu motivieren und das Studium zum Erlebnis werden zu lassen. Durch solche direkten Anwendungen und die Verknüpfung mit dem tierischen Thema ist diese Arbeit ein Paradebeispiel dafür“, betont Gintner.

Die kleinen, mit Technik gefüllten Eier sind bereits im Einsatz bei Brachvögeln und Kubaflamingos. Brachvögel werden im Rahmen eines Artenschutzprojekts auch im Zoo aufgezogen und ausgewildert. Brütenden Tieren in der Natur wurde das Sensor untergelegt. Aktuell werden dazu die Daten der Brutsaison bereits ausgewertet. Im Nest der Kubaflamingos im Zoo befindet sich ebenfalls ein solches Ei. So soll die Brutbiologie unterschiedlicher Arten weiter erforscht werden.

 

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