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Alt-Atomkraftwerk: Deutsche Einwände zu AKW Fessenheim finden Gehör

News Alt-Atomkraftwerk: Deutsche Einwände zu AKW Fessenheim finden Gehör

Quelle: Philipp von Ditfurth/dpa
dpa

Das Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass soll abgerissen werden. Bürger und Behörden kamen zu Wort. Die deutsche Seite hat sich einem Stuttgarter Ministerium zufolge erfolgreich beteiligt.

Beim Abriss des elsässischen Atomkraftwerks Fessenheim müssen einer französischen Untersuchungskommission zufolge Forderungen aus dem benachbarten Deutschland berücksichtigt werden. So sei es etwa nötig, die Wasserqualität auch auf der deutschen Rheinseite zu kontrollieren, heißt im Bericht des Gremiums. Auf über 140 Seiten werden dort die Ergebnisse der Öffentlichkeitsbeteiligung zum Abbau der Atomanlage zusammengefasst.

Das französische Atomkraftwerk Fessenheim südöstlich von Colmar unweit der Grenze zu Deutschland wurde 2020 nach 42 Betriebsjahren stillgelegt. An der Alt-Anlage hatte es wegen befürchteter Sicherheitsrisiken jahrelang harsche Kritik aus Deutschland gegeben.

Mehr Kontrollstellen für Radioaktivität

Um zu überwachen, dass es in der Umwelt keine Radioaktivität gibt, schlägt die Kommission zusätzliche Kontrolleinrichtungen vor. Das Stuttgarter Umweltministerium begrüßte die Empfehlung, die Radioaktivität verschärft zu überwachen.

«Die von Baden-Württemberg vorgebrachten Punkte sind insgesamt gut aufgenommen worden», teilte die Behörde von Ressortchefin Thekla Walker (Grüne) auf Anfrage mit. «Wir sehen die Beteiligung von deutscher Seite daher als Erfolg an.» Wegen der Lage von Fessenheim unmittelbar an der Grenze seien Auswirkungen des AKW-Abbaus auf das Land nicht auszuschließen.

In dem Bericht des französischen Gremiums vom Juli heißt es weiter, beim Rückbau der Anlage müsse generell die Empfindsamkeit der deutschen Seite bei den Themen Atomkraft und Radioaktivität einkalkuliert werden. Die Kommission empfiehlt – wenig überraschend – den Abbau der Atomanlage. Bei der Öffentlichkeitsbeteiligung gab es Stellungnahmen von Bürgerinnen und Bürgern von beiden Seiten des Rheins wie auch Eingaben von Behörden.
Frankreich setzt auf Atomkraft

Anders als Deutschland setzt Frankreich für seine Energieversorgung und das Erreichen von Klimaschutzzielen weiter auf den Ausbau der Atomkraft. Präsident Emmanuel Macron will den Atomsektor im Land entscheidend stärken.

Der Abbau des Atomkraftwerks Fessenheim soll nach früheren Angaben voraussichtlich 2026 beginnen. Dafür ist noch ein Stilllegungsdekret der französischen Regierung nötig. Federführend ist laut elsässischer Regionalzeitung «Les Dernières Nouvelles d’Alsace» das Pariser Umweltministerium. Die Arbeiten dürften sich über 15 Jahre erstrecken.

20.000 Tonnen radioaktive Abfälle

Bei der Demontage des Atomkraftwerks müssen nach früheren Angaben gut 20.000 Tonnen radioaktive Abfälle entsorgt werden. Der größere Teil dieser Abfälle ist demnach sehr schwach belastet. Er soll in Ostfrankreich gelagert werden.

Der französische Energiegigant EDF plant am Standort Fessenheim eine Verwertungsanlage für schwach radioaktiv belasteten Schrott. Dieses sogenannte Technocentre soll auf einem bisher ungenutzten Areal gebaut werden und 2031 in Betrieb gehen.

Widerstand in Deutschland gegen Industrieprojekt

Das Projekt wird auf beiden Seiten des Rheins von Umweltschützern kritisiert, denn sie befürchten Radioaktivität in wiederverwerteten Metallen. Für die grün-schwarze Landesregierung in Stuttgart gibt es mehrere Gründe, die gegen eine Ansiedlung einer solchen Anlage in Fessenheim sprechen, wie Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) im Frühjahr mitgeteilt hatte. Das geplante Technocentre war nicht Thema der abgeschlossenen Öffentlichkeitsbeteiligung.

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