Deutlich mehr Arbeitslose
Corona-Krise in der Region: 9.000 Firmen melden Kurzarbeit an

Deutlich mehr Arbeitslose Corona-Krise in der Region: 9.000 Firmen melden Kurzarbeit an

Quelle: Pixabay

Aufgrund der Statistiken war im März noch nicht klar, wie sich die Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Im April liefert die Arbeitsagentur Karlsruhe-Rastatt jetzt Zahlen. 9.000 Unternehmen in der Region haben demnach Kurzarbeit angezeigt.

Über 3.900 mehr Arbeitslose in der Region

Mit einiger Verzögerung zeigen sich jetzt die Folgen der Corona-Krise auf dem Arbeitsmarkt. Am Donnerstag, 30. April 2020, teilte die Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt aktuelle Zahlen mit. Demnach ist die Zahl der Arbeitslosen deutlich gestiegen. Dem gegenüber sind die Unternehmen vorsichtiger und stellen weniger Mitarbeiter ein.

Im Monatsvergleich von März auf April gibt es in der Region 3.953 mehr Arbeitslose, das entspricht einer Zunahme von 20 Prozent. „Das ist schon eine Hausnummer“, sagt auch Ingo Zenkner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt, in einer Online-Pressekonferenz. Insgesamt beträgt die Zahl der Arbeitslosen im Bezirk der Arbeitsagentur im April damit 23.846. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,7 Prozent auf jetzt 4,1 Prozent. Das ist ein Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Arbeitsmarkt war laut Zenkner in den letzten Jahren sehr robust. „Robust ist er aber nicht gegen so eine Schockwelle wie Corona“, gibt er zu. Besonders sei, dass es in den letzten zehn Jahren im April nie eine Zunahme der Arbeitslosigkeit gegeben habe.

Zuwächse an Arbeitslosen gibt es laut der Arbeitsagentur in allen Bereichen, vor allem aber in Hotels oder Gaststätten. Bei anderen Bereichen wären viele Arbeitnehmer in Kurzarbeit. „In dieser Krise sind auch Bereiche von der negativen Entwicklung erfasst, die früher nicht betroffen waren. Man denke zum Beispiel an Kneipen, die waren immer belebt“, so Zenkner. Jetzt treffe es auch sonst konjunkturunabhängige Bereiche.

 

Unternehmen stellen weniger ein

Während sich im vergangenen Monat 7.347 Menschen neu arbeitslos melden mussten, konnten 3.404 Frauen und Männer ihre Arbeitslosigkeit beenden. Es gebe eine gewisse Dynamik, diese sei aber aus dem Gleichgewicht geraten, so Zenkner. Das liege vor allem daran, dass die Unternehmen deutlich weniger neues Personal einstellen als üblich in dieser Jahreszeit.

„Der Abfließeffekt auf den Arbeitsmarkt kam total zum Erliegen“, sagt der Agenturchef. Man habe 2.000 Stellen weniger im Bestand als im letzten Jahr. Die Unternehmen in der Region meldeten dem Arbeitgeberservice im April 566 vakante Arbeitsstellen – 71,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. Aktuell gibt es 7.136 offene Arbeitsstellen.

 

9.000 Firmen haben Kurzarbeit angezeigt

„Ich bin geprägt von Wochen der Kurzarbeitergeld-Gewährung“, sagt Zenkner. Man habe eine Welle von Anzeigen von Kurzarbeit erlebt. Seit dem Beginn der Krise vor gut einem Monat haben 9.066 Unternehmen im Bezirk der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt auf diese Möglichkeit zurückgegriffen. Wie viele Menschen tatsächlich und in welchem Umfang in Kurzarbeit sind, wird sich jedoch erst zeigen, sobald die Betriebe die Abrechnungsanträge vorgelegt haben und diese bearbeitet sind.

Die Situation würde deutlich schlimmer aussehen, wenn man nicht die Kurzarbeit als das „Instrument der Stunde“ habe – wie bereits 2008/2009. Durch die Kurzarbeit konnte viel Arbeitslosigkeit verhindert werden, ist sich der Vorsitzende sicher. Um auf die vielen Anzeigen reagieren zu können, wurden die Arbeitsabläufe in der Agentur für Arbeit komplett umstrukturiert.

Die Arbeitsagentur ist telefonisch für die Arbeitnehmer und Unternehmen verfügbar. Derzeit werden Schutzvorkehrungen getroffen, um auch einen Betrieb vor Ort in Zukunft sicherstellen zu können.

 

Hoffnung auf eine Besserung der Situation

„Vom Gefühl her ist das nur der Anfang von etwas, was sich gerade entwickelt“, sagt Zenkner. Grund sei, dass es viele längere Kündigungsfristen gebe, die dann erst in den nächsten Monaten spürbar werden würden. Dennoch bleibt der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt optimistisch. „Sobald es zur Normalität zurückgeht und die Vereisung nachlässt, ist ein Großteil der Arbeitslosen wieder integriert. Ich habe starke Hoffnung, dass es eine Welle in die Arbeitslosigkeit ist, und dass diese Welle auch schnell wieder rausspült“, so Zenkner. Wann das der Fall ist, könne aber niemand vorhersagen.

Gedanken macht sich Zenkner auch über die vielen jungen Menschen, die im Herbst einen Ausbildungsplatz suchen. Man müsse schauen, dass diese „nicht unter die Räder kommen“. Die Mitarbeiter der Arbeitsagentur rufen aus diesem Grund derzeit alle Unternehmen an und fragen, ob die ausgeschriebenen Ausbildungsstellen aktuell sind. Dabei stelle man glücklicherweise fest, dass die Betriebe an der Ausbildung festhielten und die Stellen nicht zurückziehen würden.

Auch interessant


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Daumen hoch, wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, oder zeigen Sie uns, dass wir uns verbessern können.

0%
0%

Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.