News aus Baden-Württemberg
Diskussion um Wasserverbrauch: Bauern warten vergeblich auf Regen

News aus Baden-Württemberg Diskussion um Wasserverbrauch: Bauern warten vergeblich auf Regen

Quelle: pexels-süleyman-şahan
dpa

Seit Wochen hat es nicht geregnet. Das ist bestens für den Baggersee und bitter für den Bauern. Denn ohne das ersehnte Wasser verkümmert das Getreide auf den Feldern in der wichtigen Wachstumsphase. Bleibt es so, dürfte auch das Thema Wasserverbrauch wieder stärker diskutiert werden.

Nicht nur im Wald, auch auf den Feldern ist es in diesen Wochen staubtrocken, es klaffen teils tiefe Risse im Boden. Landwirte mehrerer Regionen in Baden-Württemberg warnen vor einer «Notreife». Erste Einbußen werden nach Angaben des Landesbauernverbands (LBV) auf schlechteren Böden bereits erwartet, weil das Korn beim Trockenstress nicht voll ausgebildet wird.

Dabei hatte das Jahr gut angefangen: Ein feuchtes Frühjahr hatte den Boden gestärkt, Landwirte erwarteten ein gutes Jahr. Das mag für die Wintergerste und den Winterraps auch so sein, weil sie bereits ausgebildet sind, der Winterweizen hingegen ist laut Bauernverband mitten in seiner Ausbildung, der sogenannten Kornfüllungsphase. «Jetzt ist Wasser entscheidend, aber es ist keines da», sagt Dominik Modrzejewski, LBV-Fachreferent für Pflanzliche Produktion, der dpa.

Probleme sieht er auch beim Mais. «Da sind die Wurzeln noch nicht so stark ausgebildet, weil er wegen des langen Regens erst im April gesät werden konnte.» Es sei zwar zu früh, von einer unterdurchschnittlichen Ernte zu sprechen. «Aber das Stimmungsbild hat sich deutlich geändert.»

Das sieht Landwirt Werner Kunz aus Ubstadt-Weiher (Kreis Karlsruhe) ähnlich. «Bis Ende Mai haben wir mit einer guten Ernte gerechnet, aber nun hat es vor vier Wochen das letzte Mal geregnet», sagt er der dpa. «Seit dem letzten Wochenende ist regelrecht Alarmstufe.» Das Getreide habe er gedanklich «bereits abgehakt», auch für den Mais sehe es «ganz übel» aus. «Der steht jetzt normalerweise 120 Zentimeter hoch auf dem Feld, im Moment kommt er aber nur auf 30 Zentimeter», sagt Kunz. Das Besondere am laufenden Jahr sei, «dass die Trockenheit früh eingesetzt hat. Das war im vergangenen Jahr bei uns erst Ende Juli, Anfang Augst der Fall.»

Nicht nur die Hitze wird für die Pflanzen ein Problem, auch der trockene Wind macht ihnen zu schaffen. Zieht er über die Getreidefelder, nimmt er auch die letzte Feuchtigkeit mit. Vor allem der Raum Karlsruhe stöhnt unter der Last, auch im Neckar-Odenwald sind die Erwartungen der Landwirte laut Verband eher düster. «Die Tendenz geht ganz stark dahin, dass Extremwetterereignisse wie lange Trockenphasen zunehmen und die Ernten schlechter werden», sagt LBV-Referent Modrzejewski.

Deshalb sei es für Landwirte auch wichtig, sich nicht nur auf den Anbau zu verlassen, sondern breiter aufzustellen. «Photovoltaik auf dem Feld, Urlaub auf dem Bauernhof oder Biogas. Es ist wichtig, dass die Landwirte mehrere Eier im Korb haben, falls mal eines herausfällt», sagt der Verbandsexperte.

Hält die Trockenheit an, wird auch die Debatte um den Wasserverbrauch an Fahrt aufnehmen. Umweltschützer warnen angesichts längerer Trockenperioden bereits vor einer Zunahme. «Immer mehr Personen und Gruppierungen, vor allem landwirtschaftliche Betriebe, möchten Oberflächen- oder Grundwasser nutzen», sagt Jochen Goedecke, Referent Landwirtschaft und Naturschutz beim Landesverband des Naturschutzbundes (Nabu) in Stuttgart.

Er regt an, darüber nachzudenken, die Wasserentnahme kostenpflichtig zu machen. «Hier kann es Sinn machen, monetäre Steuerungsinstrumente einzuführen.» Wer das gesellschaftliche Gut Wasser nutzen wolle, sollte auch dafür zu bezahlen bereit sein. Solche Überlegungen gibt es nach Auskunft eines Sprechers des Umweltministeriums in der grün-schwarzen Landesregierung aber nicht.

Der Sprecher von Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) sagte, grundsätzlich sei es so, dass Wasserentnahmen, für die Wasserentnahmeentgelt anfalle, von den sogenannten Entnehmern durch einen Zähler gemessen werden müssten. Auch wenn Entnehmer durch eine Ausnahme vom Wasserentgelt befreit seien, wie etwa für das Beregnen oder Berieseln von Feldern oder von forstwirtschaftlich genutzten Flächen, bräuchten sie eine Erlaubnis unter Angabe der geplanten Entnahme. «Es darf also nicht jeder so viel entnehmen, wie er möchte.»

Andere Bundesländer wollen Landwirte für ihren Wasserverbrauch dagegen zur Kasse bitten. So sollen die Bauern in Zeiten des Klimawandels zu einem sparsameren Wasserverbrauch bewegt werden. Zuletzt hatte etwa die Ampel-Regierung in Rheinland-Pfalz angekündigt, künftig Geld für die Entnahme von Grund- und Oberflächenwasser in der Land- und Forstwirtschaft zu kassieren. Das geplante Gesetz soll Anfang 2024 in Kraft treten. Für einen Kubikmeter Grundwasser sollen sechs Cent, für einen Kubikmeter Oberflächenwasser 2,4 Cent fällig werden.

In anderen Bundesländern gibt es teilweise bereits entsprechende Regelungen oder sie werden diskutiert, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergeben hat.

 

Weitere Nachrichten

Explosionsgefahr nach Brand in Ettlingen – Gebiet evakuiert

Mehrere Gasflaschen heizen sich nach einem Brand im Kreis Karlsruhe gefährlich auf – die Feuerwehr kühlt die Flaschen, aber Anlieger in einem 200-Meter-Radius müssen ihre Häuser verlassen.

Warum Baden im Rhein auch bei Niedrigwasser gefährlich ist

Fachleute warnen eindringlich davor. Was das Baden im Rhein lebensgefährlich macht.

Krankenkassen informieren: Mehr Behandlungsfehler in Baden-Württemberg gemeldet

Mehr Menschen in Baden-Württemberg beanstanden Behandlungsfehler – doch eine Expertin befürchtet: Die Dunkelziffer könnte noch deutlich höher sein.

Agrarministerin Gentges warnt: Ernteausfälle betreffen alle Verbraucher

Weniger Mehl, teureres Brot? Warum die Trockenheit in Baden-Württemberg nicht nur Bauern trifft – und was Agrarministerin Gentges jetzt schon Sorgen macht.

Neue Fußfessel-Regeln: Was sie leisten kann - und was nicht

Mit der elektronischen Fußfessel will Baden-Württemberg Opfer von Gewalt besser schützen. Was das neue Gesetz vorsieht – und wo die Grenzen der Technik liegen.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 













Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.