News
EnBW-Chef sieht Korrekturbedarf auf dem Weg zu Energiewende

News EnBW-Chef sieht Korrekturbedarf auf dem Weg zu Energiewende

Quelle: Bernd Weißbrod/dpa
dpa

Am Ziel rüttelt Stamatelopoulos nicht – aber die neue Bundesregierung nimmt er schon vor Amtsantritt in die Pflicht. Wichtig sei, dass Energie bezahlbar bleibt. Für Verbraucher sieht er einen Trend.

Um Energie bezahlbar zu halten, sind aus Sicht von EnBW-Chef Georg Stamatelopoulos vor allem politische Korrekturen notwendig. «Letztere betreffen nicht das Ziel der Energietransformation, sondern die einzelnen Schritte dahin», sagte er in Stuttgart. Auch die EnBW mache Vorschläge, wie die Produktionskosten gesenkt werden könnten. Ein Beispiel ist der Bau von Freileitungen anstatt Erdkabeln.

Für Kundinnen und Kunden stellte der Vorstandsvorsitzende des Karlsruher Konzerns stabile bis leicht sinkende Strompreise in Aussicht, wenn sich die Entwicklung an den Großhandelsmärkten fortsetze. Jüngst hatte EnBW den Strompreis um rund 1,6 Prozent gesenkt. «Wir glauben, dass dieser Trend so weitergehen wird», sagte er. Netzentgelte müsse man allerdings weitergeben.

Neue Bundesregierung in der Pflicht

Das Energiesystem müsse intelligent und bedarfsgerecht umgebaut werden, sagte Stamatelopoulos. Anpassungen auf dem Weg dorthin seien möglich. «Diese müssen zeitnah kommen, um ihre Wirkung zu entfalten. Es richten sich daher alle Augen nach Berlin», sagte er mit Blick auf die neue Bundesregierung.

Unter anderem geht es um den Bau neuer, wasserstofffähiger Gaskraftwerke. Die gesamte Branche warte darauf, dass das Kraftwerkssicherungsgesetz konkretisiert werde, sagte Stamatelopoulos. «Nur wenn wir die Bedingungen der Finanzierung kennen, können wir Investitionsentscheidungen treffen.»

 

Aktuell seien bundesweit drei Gigawatt im Bau, die Hälfte davon errichte EnBW. Der drittgrößte Energieversorger in Deutschland will bis 2030 mindestens 40 Milliarden Euro investieren. Das meiste Geld soll in den Netzausbau fließen.

Milliarden-Kapitalerhöhung in Sicht

Finanzvorstand Thomas Kusterer betonte, für den erfolgreichen Umbau der Energieinfrastruktur in Deutschland sei der zügige Ausbau der Netzinfrastruktur ausschlaggebend. Um den enormen Investitionsbedarf finanzieren zu können, brauche EnBW weiterhin einen sehr guten Kapitalmarktzugang. «Dafür sind stabile, langfristig verlässliche regulatorische wie auch gesetzliche Rahmenbedingungen eine zwingende Grundvoraussetzung.»

Bei der Hauptversammlung im Mai soll es zudem um eine Kapitalerhöhung im Umfang von etwa drei Milliarden Euro gehen. Die Hauptanteilseigner haben die grundsätzlichen Voraussetzungen dafür schon geschaffen. Das Land Baden-Württemberg und der Zusammenschluss OEW von neun oberschwäbischen Landkreisen halten je fast 47 Prozent. Mehr Eigenkapital sei nötig, um an den Finanzmärkten an genügend fremdes Geld zu kommen, erklärte Kusterer.

 

Gewinnrückgang um fast ein Viertel

2024 hat EnBW wie erwartet einen deutlichen Gewinneinbruch verbucht: 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Da sich die damals außergewöhnlichen Preisniveaus für Strom und Gas an den Großhandelsmärkten normalisiert haben, sank der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) den Angaben nach von 6,4 Milliarden auf 4,9 Milliarden Euro.

Stamatelopoulos sprach dennoch von einem guten Jahr. EnBW sei auf stabilem Kurs. Auch Eon und RWE hatten in den vergangenen Wochen Gewinnrückgänge vermeldet. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet die EnBW der Prognose zufolge ein Ergebnis zwischen 4,8 Milliarden und 5,3 Milliarden Euro.

EnBW versorgt mehr als 5,5 Millionen Kundinnen und Kunden und beschäftigte Ende 2024 rund 30.400 Menschen (plus sechs Prozent). Der bereinigte Konzernüberschuss sank um fast 46 Prozent auf etwa 1,5 Milliarden Euro.

CO2-Ausstoß sinkt

Erneuerbare Energien machen nach EnBW-Angaben mittlerweile rund 59 Prozent der installierten Erzeugungskapazität aus. Damit sei das selbst gesteckte Ziel von über 50 Prozent bis 2025 schon ein Jahr früher erreicht worden. Der CO2-Ausstoß bei der Stromerzeugung sei binnen eines Jahres um 15 Prozent gesunken. Der Stromsektor soll bis 2040 klimaneutral werden.

Mit rund 6,2 Milliarden Euro investierte EnBW den Angaben nach fast 30 Prozent mehr als 2023. Das Geld sei unter anderem in einen großen Offshore-Windpark in der Nordsee und den Ausbau der Stromnetze geflossen.

 

 

Weitere Nachrichten

Azubis kämpfen laut Umfrage mit Druck und Geldsorgen

Leistungsdruck, Geldsorgen und private Belastungen: Eine DGB-Umfrage zeigt, womit viele Auszubildende in Baden-Württemberg kämpfen.

Karlsruhe mit dabei! Diese drei Städte fahren bei E-Bussen voraus

In vielen Städten dominieren Dieselbusse, doch manche Kommunen gehen einen anderen Weg. Die Spitzenreiter bei einer Auswertung kommen allesamt aus Baden-Württemberg - und haben klare Ziele für 2030.

Ausbildungsfinanzierung: Mehr als 60.000 Bafög-Empfänger – Zahl auf Tiefstand

2025 erhielten so wenige Menschen Bafög wie seit 25 Jahren nicht mehr. Gleichzeitig soll die monatliche Förderung für Studierende und Schüler ansteigen.

Cold Case: 41 Jahre ungelöst - 70-Jähriger wegen Mordes nun vor Gericht

1985 wird die nackte Leiche einer Frau gefunden. Jetzt muss ein 70-Jähriger wegen Mordes vor Gericht. Was er zu den Vorwürfen sagt.

Wurde er angefahren? Identifikation von totem Wolf am Schluchsee abgeschlossen

Nach dem Fund eines verletzten Wolfsrüden am Schluchsee steht fest: Es handelt sich um das dort ansässige Tier. Was mit ihm passiert ist - und was das für die Wolfspopulation im Südwesten bedeutet.

Pilotprojekt: Fast tausend Übergriffe – Bahn setzt auf Bodycams mit Ton

Beschimpft, bespuckt, geschlagen: Beschäftigte im Zug erleben immer wieder Übergriffe. Können Tonaufzeichnungen helfen, Konflikte zu entschärfen und Straftaten besser aufzuklären?






















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.