News aus der Fächerstadt
Geiselnehmer in Karlsruhe soll sieben Millionen gefordert haben

News aus der Fächerstadt Geiselnehmer in Karlsruhe soll sieben Millionen gefordert haben

Quelle: Philipp von Ditfurth/dpa
dpa

Die Karlsruher können nach der Geiselnahme aufatmen. Der mutmaßliche Täter ist in Untersuchungshaft, verletzt wurde bei dem Großeinsatz niemand. Doch einige Fragen zu dem Fall sind noch offen.

Die Mitarbeiter der Apotheke fegen Glassplitter auf und räumen Medikamente wieder ein. Kunden können am Samstag sogar schon wieder Arzneimittel abholen – allerdings nur durch eine Nebentür. Der Haupteingang ist noch mit Brettern verschlossen. Hier, in einer Apotheke in der Karlsruher Innenstadt, hatte sich am Freitagabend eine stundenlange Geiselnahme abgespielt.

Ein 20-Jähriger hatte mehrere Menschen in seiner Gewalt und bedrohte sie mit einer geladenen Schreckschusspistole. Schließlich erfolgte der Zugriff durch Spezialkräfte. Alle Geiseln und der Täter blieben körperlich unverletzt.

Ein Ermittlungsrichter erließ am Samstag Haftbefehl gegen den 20 Jahre alten Verdächtigen wegen des Vorwurfs der Geiselnahme. Der polizeibekannte Deutsche kam in Untersuchungshaft. Aus ermittlungstaktischen Gründen machte die Polizei bislang keine Angaben zu den Forderungen des Geiselnehmers, etwa zu Lösegeld. Die Ermittlungen liefen. Ob sich der Mann vor dem Haftrichter zu seinen Beweggründen geäußert hat, gaben die Ermittler nicht bekannt.

Laut Medienberichten soll der 20-Jährige sieben Millionen Euro gefordert haben. Das sagte der Besitzer der Apotheke, Patrick Kwik, den BNN und dem Sender RTL. Ein Polizeisprecher wollte sich nicht zu den Berichten äußern. Kwik war demnach selbst eine der Geiseln. Er sagte der Zeitung, der Beschuldigte habe bei dem Überfall eine Pistole gezückt, einmal in die Luft geschossen und alle Leute im Laden aufgefordert, sich auf den Boden zu legen. Dass der 20-Jährige eine Schreckschusspistole hatte, konnte zu diesem Zeitpunkt laut Kwik niemand ahnen.

Der Apotheker war nach eigenen Angaben nicht im Sichtfeld des Täters und konnte deshalb unbemerkt nach draußen gelangen. Während der Geiselnahme habe er teilweise ein schlechtes Gewissen gehabt, weil er seinen Mitarbeitern nach seiner Flucht nicht mehr helfen konnte. So habe er aber die Polizei mit wichtigen Informationen zur Situation im Gebäude versorgen können, sagte er den BNN. Er frage sich, warum sich der Verdächtige ausgerechnet seine Apotheke ausgesucht habe. «Als ob wir so viel Geld da hätten», sagte Kwik dem Sender und bezeichnete den mutmaßlichen Täter im RTL-Interview als «Spinner».

Wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten, soll der Beschuldigte drei Menschen mit der Schreckschusswaffe bedroht und sie aus dem Verkaufsraum in einen Nebenraum der Apotheke geschickt haben. Dort hielt er sie fest. Weitere acht Menschen konnten sich im hinteren Bereich der Apotheke verstecken. Unter den Geiseln waren nach Angaben eines Polizeisprechers Kunden und Mitarbeiter der Apotheke.

Die Tat hatte am Freitag gegen 16.30 Uhr begonnen. Ein Polizeisprecher sagte, aus der Apotheke seien mehrere Notrufe eingegangen und nur zwei Minuten später seien erste Polizisten am Tatort gewesen. Die Beamten sperrten das Gebiet daraufhin weiträumig ab und versuchten, Kontakt zu dem Geiselnehmer aufzunehmen.

Die Karlsruher Messe sagte wegen der Lage zwei Abendveranstaltungen ab. Ein Event mit Hundetrainer Martin Rütter sowie ein Meisterkonzert waren betroffen. Nach fast fünf Stunden, gegen 21.10 Uhr, stürmten Spezialkräfte die Apotheke und beendeten die Geiselnahme.

Der mutmaßliche Täter wurde überwältigt und festgenommen. Dabei stellten die Beamten die Schreckschusspistole sicher. Der Beschuldigte war kein Unbekannter für die Polizei: Er sei in der Vergangenheit unter anderem wegen Gewalt- und Eigentumsdelikten aufgefallen, sagte ein Polizeisprecher.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann keinen Komplizen hatte. Der anfängliche Verdacht, er könne eine Mittäterin gehabt haben, habe sich nicht bestätigt: «Der 20-Jährige hat allein agiert», sagte ein Sprecher. Für die weiteren Ermittlungen hat die Kriminalpolizei Karlsruhe eine zehnköpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet.

Nach Angaben des Innenministeriums waren bei der Geiselnahme 350 Kräfte im Einsatz – neben Polizisten des Präsidiums Karlsruhe eine Verhandlungsgruppe des Polizeipräsidiums Mannheim, eine Beratergruppe des Landeskriminalamtes und Spezialkräfte.

«Den Menschen, die sich stundenlang in der Gewalt des Geiselnehmers befanden, wünsche ich, dass sie keine psychischen Folgen davontragen werden und das Geschehene schnell verarbeiten können», sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU) nach Angaben einer Sprecherin. Er dankte den Einsatzkräften für ihren umsichtigen Einsatz, der Schlimmeres verhindert habe.

Auch der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) wandte sich schon kurz nach dem Einsatz an die Helfer und sagte: «Die Einsatzkräfte haben das Leben der Geiseln geschützt. Es macht mich tief betroffen, dass es in unserer Mitte solch eine Tat gab.» Allen befreiten Geiseln wünsche er, dass sie die schrecklichen Erlebnisse bald hinter sich lassen könnten.

Die Geiseln hätten nach der Rettung umgehend Hilfsangebote bekommen, auch ein Notfallseelsorger sei da gewesen. Ein Polizeisprecher sagte: «Man mag sich nur am Rande vorstellen können, wie es den Menschen geht, die sich über mehrere Stunden in dieser Ausnahmesituation befanden.»

 

Fotogalerie | Großer Polizeieinsatz: Geiselnahme in Karlsruher Apotheke

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