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Geld für Rüstung: Forschung und Firmen hoffen auf Aufträge

News Geld für Rüstung: Forschung und Firmen hoffen auf Aufträge

Quelle: ncredited/AP/dpa
dpa

Eine fragile politische Lage, eine unsichere Partnerschaft mit den USA und geplante milliardenschwere Militärinvestitionen: Baden-Württembergs Forschung will davon profitieren. Die Wirtschaft auch.

Höhere Verteidigungsausgaben und die Debatte über die Aufrüstung könnten der baden-württembergischen Forschung und Wirtschaft aus Sicht der Landesregierung einen echten Wachstumsschub verleihen. «Wir müssen die neue Situation auch als Chance sehen, um unseren erfolgreichen Forschungs- und Wissenschaftsstandort weiterzuentwickeln und voranzubringen», sagte Hochschulministerin Petra Olschowski (Grüne) in Stuttgart.

Als starker und vielseitig aufgestellter Forschungs- und Wissenschaftsstandort habe das Land beste Voraussetzungen dafür, «die Zukunft in Europa mitzugestalten».

Mit der neuen US-Regierung unter Präsident Donald Trump wächst der Druck auf die Europäer, ihre Verteidigungspolitik neu auszurichten und mehr Geld in Rüstung zu investieren. Abgesehen von der Bedeutung für die Forschung könnten höhere Verteidigungsausgaben nach einer Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) auch das Wirtschaftswachstum deutlich beleben, wenn die Regierungen zusätzliche Mittel für modernste Rüstungsgüter aus europäischer Produktion ausgeben könnten.

Auch Kretschmann sieht Chance für Baden-Württemberg

In der sicherheitspolitischen Zeitenwende sieht auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) eine Chance für Baden-Württemberg. Das Bundesland, ohnehin stark in Hochtechnologie und Maschinenbau, sollte aus seiner Sicht eine tragende Rolle in der europäischen Rüstungsindustrie übernehmen.

«Das wird ein neuer industrieller Schwerpunkt für Baden-Württemberg werden, da bin ich mir sicher», sagte Kretschmann vor einer Woche in einem Interview mit dem «Südkurier». Europa müsse seine Verteidigung selbst in die Hand nehmen und eine potente Rüstungsindustrie aufbauen – «und da wollen wir in Baden-Württemberg mitmischen», sagte Kretschmann.

Zehntausende zusätzliche Arbeitsplätze möglich

Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sieht abseits einer milliardenschweren Umsatzperspektive vor allem Chancen für Arbeitsplätze. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums seien 387.000 Menschen in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie beschäftigt, davon 14.500 in Baden-Württemberg.

Nach Schätzungen des Bundesverbands der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) könne ein zusätzlicher Faktor 2 an Beschäftigten hinzugerechnet werden. «Dies würde für Baden-Württemberg einen Schätzwert von 42.000 direkt und indirekt Beschäftigten ergeben», sagte die Ministerin. Die Branche sei über das gesamte Land verteilt mit Akteuren aus den Branchen Fahrzeugbau, Luft- und Raumfahrt, Mikroelektronik oder auch der klassischen Rüstungsgüter breit aufgestellt.

Welche Unternehmen profitieren vom Rüstungsboom?

Viele Hochtechnologieunternehmen aus dem Südwesten spielen bereits heute eine Rolle in der Rüstungsbranche oder könnten leicht in den Sektor einsteigen. Dazu zählen neben Diehl Defence am Bodensee, einem Anbieter von Luftverteidigungssystemen, auch der Düsseldorfer Konzern Rheinmetall mit Standorten im Südwesten, Hensoldt – führend im Bereich Sensorik und Radarsysteme für militärische Anwendungen mit Niederlassungen in Ulm – und Liebherr-Aerospace. Der Produzent von Fahrwerken und Hydrauliksystemen besitzt Standorte in Lindenberg und Friedrichshafen.

Wissenschaftsministerin Olschowski sieht Chancen vor allem bei der Luft- und Raumfahrt, der Künstlichen Intelligenz und der Cybersecurity. Die Universitäten, Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen brächten ihr Wissen und Knowhow gewinnbringend in die Industrie ein, sagte sie. Dabei stehe es ihnen frei, ob sie sich auch einer Forschung widmen, die nicht nur einen rein zivilen Aspekt hat.

Es sei in der aktuell angespannten geopolitischen Lage bereits zu erkennen, dass sich Einrichtungen für die nicht mehr rein zivile Forschung öffnen. «Einige konnten bereits direkte und indirekte Aufträge für Forschung und Entwicklung oder Kleinserienfertigung aus dem Verteidigungsbereich akquirieren», sagte die Ministerin. «Hierzu gehören auch Anfragen aus dem europäischen und internationalen Netzwerk.»

 

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