Klimawandel in der Fächerstadt
Gemeinderat beschließt Klimaanpassungs-Konzept für den Stadtwald

Klimawandel in der Fächerstadt Gemeinderat beschließt Klimaanpassungs-Konzept für den Stadtwald

Quelle: Kevin Schumacher

Der Gemeinderat beschließt das von der Stadtverwaltung vorgelegte Konzept zur Klimaanpassung für den Stadtwald Karlsruhe. Es dient künftig ergänzend zum Beschluss Forsteinrichtung als Grundlage für die Jahresplanungen für den Stadtwald.

Neues Konzept zur Klimaanpassung für den Stadtwald

Bereits in der Gemeinderatssitzung am 24. September 2019 hat die Stadtverwaltung Karlsruhe zugesagt, dass sie ein Konzept zur Klimaanpassung für den Stadtwald Karlsruhe erarbeite. Dem vorausgegangen waren zwei Anträge der Gemeinderatsfraktionen Die Grünen („Masterplan für den Waldumbau und den Erhalt der Straßenbäume“) sowie der SPD („Maßnahmen zum Erhalt der Bäume im Waldgebiet Karlsruhe“). Zur Juni-Sitzung des Karlsruher Gemeinderates am Dienstag, den 30. Juni 2020, lag dieses Konzept nun vor.

Das neu erarbeitete Konzept greift Grundsätze und Zielsetzungen der naturgemäßen Waldwirtschaft im Stadtwald auf, wie sie bereits von der letzten Forsteinrichtung vom Gemeinderat am 13. Dezember 2016 festgelegt wurden. Hinzu kam allerdings noch eine forstfachliche Bewertung des Invasivitätspotenzials von nichtheimischen Baumarten, informiert die Stadtverwaltung.

 

Klimaanpassung des Stadtwaldes im ständigen Wandel

Wie die Karlsruher Stadtverwaltung weiter erläutert, wird die Klimaanpassung des Stadtwaldes ein dauerhafter, komplexer und einem ständigen Wandel unterliegender Prozess sein. Aus diesem Grund muss das Konzept stets überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Eine Evaluierung und Anpassung werden nun im Rahmen der künftigen, alle zehn Jahre stattfindenden Forsteinrichtungen, erfolgen. Die nächste Forsteinrichtung steht zum 01. Januar 2028 auf dem Plan.

Bei der Erarbeitung des neuen Konzeptes fanden Informations- und Austauschtreffen mit Umweltverbänden, der Naturschutzverwaltung sowie weiteren Experten statt. Die Hauptdiskussionspunkte dabei waren die Beteiligung nicht-standortheimischer Baumarten sowie Nadelbaumarten, die Berücksichtigung der ökologischen Vorrangfunktion und der Maschineneinsatz sowie Befahrung im Wald.

 

Der vorliegende Konzeptentwurf ist ein Kompromiss

Als einen Kompromiss zwischen verschiedenen Zielen und Interessen beschreibt die Stadtverwaltung den vorliegenden Konzeptentwurf. Damit sei allerdings auch § 13 des Landeswaldgesetzes erfüllt, denn demnach ist „der Wald so zu bewirtschaften, dass die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes unter Berücksichtigung der langfristigen Erzeugungszeiträume stetig und auf Dauer erbracht werden“. Der Wegfall einer der drei Säulen im Dreiklang der Nachhaltigkeit widerspricht der gesetzlichen Vorgabe.

Die Säulen der Schutz- und Erholungsfunktionen bleiben im Konzept allerdings die tragenden Säulen der Nachhaltigkeit. Sowohl bei der Waldverjüngung als Folge klimabedingter Waldschäden als auch bei der Pflege und Entwicklung vorhandener Waldbestände werden bestehende waldbauliche Verfahren erhalten oder modifiziert. Sie orientieren sich dabei an den waldbaulichen Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft (ANW), erklärt die Stadtverwaltung weiter.

Experimente mit dem Anbau von neuen, nicht-standortheimischen Baumarten, die als klimastabil gelten, sind aufgrund der ökologischen Schwerpunktsetzung demnach nicht vorgesehen. Einzig die Pflanzung von Einzelbäumen zu Testzwecken sei laut Stadt möglich. Aus diesem Grund sei das neue Konzept eher als konservativ zu beschrieben.

 

Konzept hat bislang keine finanziellen Auswirkungen

Ob diese Maßnahmen allerdings genügen, um den Stadtwald klimastabil anzupassen, kann nur die Zukunft zeigen. Ebenfalls informiert die Stadtverwaltung, dass das Konzept zunächst keine direkten finanziellen Auswirkungen hat. Denn die Umsetzung erfolgt in den jeweiligen Jahresplanungen für den Stadtwald. Erst zu diesem Zeitpunkt können dann mögliche finanziellen Auswirkungen aufgezeigt werden.

Das Konzept kommt, laut Stadtverwaltung, zusammenfassen zu dem Ergebnis, dass in der Tendenz die Ertragsfähigkeit sinkt und Mehraufwendungen gegenüber einer planmäßigen Waldbehandlung ohne den Einfluss von Klimaveränderungen entstehen werden – und weiterhin mindestens die bisherige Personalausstattung im Forst erfordern. Auch muss berücksichtigt werden, dass – sollten die Baum- und Waldschäden weiter zunehmen – vermutlich auch weitere Personal- und Finanzmittel benötigt werden.

 

Baumpflanzaktionen – Öffentlichkeit soll beteiligt werden

Bei der Konzept-Umsetzung setzt die Karlsruher Stadtverwaltung übrigens weiterhin auf die beliebten Beteiligungsmöglichkeiten für die Öffentlichkeit. Diese fanden in der Vergangenheit insbesondere im Bereich von Pflanz- und Waldpflegeaktionen statt. Leider mussten einige, für das Frühjahr 2020 terminierte, Aktionen aufgrund der Corona-Krise abgesagt werden.

Abschließend informiert die Verwaltung der Stadt, dass dem, im Hinblick auf den Klimawandel, die vermutlich weiter zunehmende Bedeutung aller Ökosystemleistungen des Waldes gegenüberstehe. Das Konzept schlägt daher zudem eine Bewertung dieser Ökosystemleistungen des Stadtwaldes vor.

 

Ergänzungsantrag der GRÜNEN einstimmig angenommen

In einem Ergänzungsantrag stellte die GRÜNEN-Gemeinderatsfraktion drei weitere Forderungen zur Prüfung durch die Stadtverwaltung. Demnach soll überprüft werden:

1. ob und wie die Anzahl der Neupflanzungen mit nichtheimischen Baumarten künftig verringert werden kann?
2. inwieweit es zum Erhalt des Kronendachs erforderlich ist, den Holzeinschlag künftig zu reduzieren und weitgehend auf abgestorbene oder schwer geschädigte Bäume zu konzentrieren?
3. ob die bereits begonnene natürliche Waldverjüngung gegenüber der Baumpflanzung künftig ausgeweitet werden kann?

Dieser Ergänzungsantrag wurde in der Gemeinderatssitzung am Dienstag, den 30. Juni 2020 einstimmig angenommen. Die Stadtverwaltung sagt demnach die Prüfung der Fragen zu und berichtet im Ausschuss für öffentliche Einrichtung und im Ausschuss für Umwelt und Gesundheit über die Ergebnisse.

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