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Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe: Jugendlicher soll Mädchen über Sadistennetz bedroht haben

News Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe: Jugendlicher soll Mädchen über Sadistennetz bedroht haben

Quelle: Philip Dulian/dpa
dpa

Im beschaulichen Kurort Bad Herrenalb sorgten vor einem Jahr Graffiti- Schmierereien für Aufsehen und Unruhe. Denn die Spuren führen in eine sadistische Onlinegruppierung – und in ein Kinderzimmer.

Als Teil eines Online-Sadistennetzwerks soll ein Jugendlicher aus Württemberg ein junges Mädchen über einen Chat erpresst und bedroht haben. Der Junge stehe zudem in Verdacht, in Bad Herrenalb (Kreis Calw) Schmierereien mit dem Schriftzug «No Lives Matter» (Leben zählen nicht) hinterlassen zu haben, der an die gleichnamige gewaltverherrlichende Gruppe erinnert, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe mit.

Zuletzt hatten das Landeskriminalamt und Innenminister Thomas Strobl (CDU) vor den Kanälen und Chat-Gruppen der weit gefassten sogenannten Terrorgram-Szene gewarnt. Ihr verbindendes Element sei weniger eine Ideologie als die Faszination für extreme Gewalt, für Terror und gesellschaftlichen Zusammenbruch.

Bedroht und erpresst

Nach Angaben des bei der Generalstaatsanwaltschaft eingerichteten Cybercrime-Zentrums Baden-Württemberg soll der Jugendliche im vergangenen Jahr von einem damals 13-jährigen Mädchen aus dem Ausland kinderpornographische Inhalte zugeschickt bekommen haben. Er habe das Mädchen zudem bedroht und aufgefordert, ihm weitere solche Aufnahmen zu übersenden. Dem Jugendlichen wird außerdem eine Straftat nach dem Waffengesetz vorgeworfen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. Ein Haftbefehl sei nicht erlassen worden.

Netzwerk ruft zu Selbstverletzungen auf

Das lose Online-Netzwerk «No Lives Matter» wirbt nach Angaben der Ermittler für Straftaten und fordert zu Selbstverletzungen ebenso auf wie zum Missbrauch von Tieren. Das Ziel der Community sei eine Abschaffung aller gesellschaftlichen Standards, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. Die Gruppe «No Lives Matter» gehört nach früheren Angaben von Ermittlern zum weltweit operierenden «Com-Netzwerk». Gruppen in dem Netzwerk werden mit Erpressung, Kinderpornografie und extremer Gewalt in Verbindung gebracht.

In Rotterdam läuft derzeit ein Verfahren gegen einen Niederländer, der eingeräumt hat, «No Lives Matter» gegründet zu haben. Die niederländischen Ankläger sprechen von einer terroristischen Vereinigung mit dem Ziel, Jugendliche zu schweren Gewalttaten und sogar Mord anzustacheln.

Ein ähnlicher Fall wird derzeit in Deutschland vor Gericht verhandelt. In Hamburg ist ein junger Mann angeklagt, der im Internet unter dem Namen «White Tiger» massiven psychischen Druck auf Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 11 und 15 Jahren ausgeübt haben soll. Eines seiner Opfer soll er so in den Suizid getrieben haben.

Immer mehr jugendliche Einzelgänger

Laut LKA sind Hunderte deutscher Neonazis und oft überaus gewaltsame andere in den Kanälen und Chat-Gruppen der sogenannten Terrorgram-Szene online miteinander vernetzt. Es handele sich um ein jugendlich geprägtes, gewaltbereites neofaschistisch und rechtsextremistisch beeinflusstes Netzwerk, hatte LKA-Präsident Andreas Stenger zuletzt gewarnt.

Nach einer neuen Studie seiner Behörde wächst diese gewaltverherrlichende Online-Struktur oft jugendlicher Einzelgänger seit Jahren dynamisch und das Dunkelfeld ist groß.

 

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