News aus Baden-Württemberg
Gesundheitsministerrunde: Entfernung zum Krankenhaus nicht entscheidend

News aus Baden-Württemberg Gesundheitsministerrunde: Entfernung zum Krankenhaus nicht entscheidend

Quelle: Marcus Brandt/dpa/Symbolbild
dpa

Marode, teuer, unwirtschaftlich? Mit einer Krankenhausreform wollen Bund und Länder den Kollaps der Klinikversorgung verhindern. Der Weg zum nächsten Hospital ist da gar nicht so wichtig, findet der neue Chef der Gesundheitsministerrunde.

Die Entfernung zum nächsten Krankenhaus ist nach Worten des neuen Vorsitzenden der Gesundheitsministerkonferenz, Manne Lucha, nicht entscheidend für eine gute Behandlung. «Es ist nicht die Entfernung, die entscheidend ist für die Krankenhausbehandlung, sondern die Qualität und die personellen Ressourcen, die diese Qualität umzusetzen», sagte der baden-württembergische Gesundheitsminister (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart.

Die Zahl der Krankenhäuser im Südwesten sinkt seit vielen Jahren. Waren es im Jahr 1990 noch 317, waren es 2021 noch gerade 246 Häuser. So werden etwa im Kreis Lörrach vier Standorte zu einem großen Zentralklinikum zusammengefasst. Mit Blick auf die Krankenhausreform und die Lage in Baden-Württemberg sagte Lucha: «Wir sind schon das Land mit der geringsten Bettendichte. Das wird sich weiter konzentrieren.» Baden-Württemberg hatte im Jahr 2020 eine Dichte von 488 Betten je 100.000 Einwohner (Bundesdurchschnitt 2020: 587).

Lucha sagte, es gehe um das richtige Angebot am richtigen Ort. «Die romantische Vorstellung, ein kleines schnuckeliges Krankenhaus sichert quantitativ und qualitativ flächendeckend eine Grundversorgung, ist eine romantische Mär», sagte er. «Sie brauchen für eine qualifizierte Krankenhausversorgung Disziplinenbreite, Größe, Personal, und auch ein Auskommen, das gute medizinische und pflegerische Leistung vergütet.»

Die Krankenhauslandschaft in Deutschland soll nach dem Willen von Bund und Ländern grundlegend umgestaltet werden. Beide Seiten wollen in den kommenden Monaten an einer großen Klinikreform arbeiten, bis zur Sommerpause soll ein erster Gesetzentwurf vorgelegt werden. Eine Expertenkommission hatte vorgeschlagen, dass Kliniken künftig weniger Geld pauschal nach Anzahl der behandelten Fälle bekommen sollen. Anstelle dessen soll das Vorhalten von Betten, Personal und bestimmten Leistungen stärker honoriert werden. Das soll ökonomischen Druck von den Häusern nehmen. Zudem ist eine stärkere Spezialisierung der Kliniken geplant.

Lucha hat in diesem Jahr den Vorsitz bei der Gesundheitsministerkonferenz inne. Dort treffen die jeweiligen Ministerinnen und Minister der Bundesländer zum Austausch zusammen. Am Montag soll die erste digitale Sitzung der Konferenz stattfinden. Auf der Tagesordnung der Ministerinnen und Minister stehen laut Luchas Ministerium unter anderem die Krankenhausreform, die EU-Medizinprodukteverordnung und die Bedarfsplanung im Bereich der Kinder- und Jugendärzte.

Als einen seiner Schwerpunkte als GMK-Chef nannte Lucha die Arbeit an der dauerhaften Sicherung der Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung. Diese sei für dieses Jahr nur bruchstückhaft gesichert ist, kritisierte er. «Größter Risikofaktor ist da der Ampel-Koalitionspartner FDP in Berlin. Die sind für eine echte Stärkung der GKV nach wie vor ein Hemmschuh. Ich erwarte von Bundeskanzler Scholz da ein Machtwort.»

 

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