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„Grundsolides Schaffen“ Grün-Schwarz stellt Koalitionsvertrag im Südwesten vor

News „Grundsolides Schaffen“ Grün-Schwarz stellt Koalitionsvertrag im Südwesten vor

Quelle: Bernd Weißbrod/
dpa

Wochenlang haben Grüne und CDU darüber verhandelt, nun sind die Ergebnisse bekannt: Was Grün-Schwarz in den nächsten fünf Jahren im Südwesten vor hat – und warum es am Ende immer ums Geld geht.

Nach wochenlangen und teils zähen Verhandlungen haben Grüne und CDU in Baden-Württemberg ihren Koalitionsvertrag für die nächsten fünf Jahre vorstellt. Ins Zentrum ihrer Arbeit wollen die beiden Koalitionäre dabei die Stärkung der Wirtschaft stellen.

Grünen-Verhandlungsführer Cem Özdemir sagte, man wolle nicht einfach nur regieren, sondern in stürmischen Zeiten auch gestalten. «Die wirtschaftliche Zukunft Baden-Württembergs ist das zentrale Zukunftsthema der kommenden Jahre», sagte der Grünen-Politiker bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags in Stuttgart.

Zur Wirklichkeitsbetrachtung gehöre, dass man nicht jeden Arbeitsplatz werde erhalten können. Aber die Regierung könne beitragen, dass zukunftsfähige Arbeitsplätze entstehen. Man wolle aus der Krise herauswachsen, indem man auf eine klare High-Tech-Strategie setze, etwa mit Künstlicher Intelligenz, Robotik und Green Tech. Grüne und CDU machten Ernst beim Bürokratieabbau, sagte Özdemir.

Hagel: Wirtschaft und Arbeitsplätze haben Vorrang

CDU-Chef Manuel Hagel sagte, die neue Koalition werde immer zuerst daran denken, woher der Wohlstand komme, bevor er verteilt werde. Wirtschaft und Arbeitsplätze würden deswegen klaren Vorrang bekommen.

Hagel sprach von einer «Reformkoalition», die bodenständig, pragmatisch und ehrlich auftreten wolle. «Einfach grundsolides Schaffen.» Diesen Stil zeige auch der Koalitionsvertrag. Darin gehe es nicht um Hochglanz, Show und noch größere Superlative.

Das Vertragswerk ist mehr als 160 Seiten dick und enthält Vorhaben für alle Bereiche der Landespolitik. Besonders prominent haben Grüne und CDU das Thema Wirtschaft platziert, das bereits im Wahlkampf eine große Rolle spielte. Der Vertrag sieht unter anderem vor, dass Unternehmensgründungen innerhalb von zwei Tagen möglich sein sollen. Schüsseltechnologien sollen gezielt gefördert und die Bürokratie mithilfe eines Effizienzgesetzes zurückgestutzt werden.

Kostenloses und verpflichtendes letztes Kita-Jahr

Außerdem will Grün-Schwarz auch künftig am Ziel festhalten, dass Baden-Württemberg bis 2040 klimaneutral werden soll – fünf Jahre früher als im Bund. Allerdings soll das Ziel künftig flexibler erreicht werden. Bei der Bildung will die neue Regierung ein kostenloses und verpflichtendes letztes Kindergartenjahr einführen, um alle Kinder ausreichend für den Schulstart vorzubereiten. Außerdem sieht der Vertrag mehr Polizei auf den Straßen und mehr Videoüberwachung vor.

Was am Ende wirklich umgesetzt wird, hängt aber ganz stark vom Geld ab. Der gesamte Koalitionsvertrag steht unter einem sogenannten Haushaltsvorbehalt. Das bedeutet, dass alle Maßnahmen, die Geld kosten, erst dann umgesetzt werden, wenn Geld vorhanden ist. Für das kommende Jahr wird laut Finanzministerium ein Haushaltsloch von rund 5 Milliarden Euro prognostiziert, das zunächst geschlossen werden muss, bevor neue Ausgaben drin sind. Für die Jahre 2028 und 2029 sind die Löcher 4,6 und 4,1 Milliarden Euro groß.

Parteitage müssen noch zustimmen

Bevor der Vertrag am Montag unterzeichnet werden soll, muss er noch am Wochenende von Parteitagen bei Grünen und CDU bestätigt werden. Eine Zustimmung gilt aber als Formsache. Özdemir soll dann am 13. Mai im baden-württembergischen Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt werden.

Die beiden Parteien regieren in Baden-Württemberg bereits seit 2016 gemeinsam. Bei der Landtagswahl am 8. März waren die Grünen mit 30,2 Prozent knapp stärkste Kraft geworden, dicht gefolgt von der CDU mit 29,7 Prozent. Im neuen Landtag verfügen jedoch beide Parteien über jeweils 56 Mandate – eine ungewöhnliche Pattsituation.

Das hatte die Verhandlungen erschwert, ebenso wie Vorwürfe der CDU, die Grünen hätten im Wahlkampf eine «Schmutzkampagne» betrieben. Eine Fortsetzung der grün-schwarzen Koalition galt aber als einzige realistische Option für eine Regierungsbildung. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließen alle im Landtag vertretenen Parteien aus.

 

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