News aus Baden-Württemberg
Im Herbst drohen weitere Ärzteproteste in Baden-Württemberg

News aus Baden-Württemberg Im Herbst drohen weitere Ärzteproteste in Baden-Württemberg

Quelle: Arne Dedert/dpa
dpa

Zu viel Bürokratie, zu wenig Geld, kein Personal – die Ärzte schlagen Alarm. Die Mediziner wollen weiter auf die Straße gehen.

Ärzte und Ärztinnen in Baden-Württemberg planen in den nächsten Monaten weitere Protestaktionen. «Die Praxen stehen vor einem Kollaps», sagte Norbert Smetak, der Vorsitzender des Medi-Verbunds in Stuttgart. Viele seien auch bereit, ihre Praxen für mehrere Tage zu schließen. Der Verbund vertritt nach eigenen Angaben rund 5000 niedergelassene Mediziner und Medizinerinnen.

Smetak sagte, es brodele an der Basis. «Das medizinische Fachpersonal läuft weg, weil es an den Kliniken besser bezahlt wird.» Die Praxen könnten die gestiegenen Kosten nicht über höhere Preise ausgleichen, sondern müssten sie aus der eigenen Tasche bezahlen. «Einnahmen und Ausgaben klaffen immer weiter auseinander.» Vor allem kleine Praxen stünden zunehmend unter wirtschaftlichem Druck.

Aktuell laufen zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Honorarverhandlungen. Die KBV forderte im Vorfeld eine Erhöhung der relevanten Vergütung von knapp 10,2 Prozent. «Wir brauchen mindestens einen Inflationsausgleich. Aber so wie es aussieht, wird es nur eine minimale Erhöhung der Vergütung geben», sagte der Medi-Chef weiter.

Smetak kritisierte unter anderem überbordende Bürokratie und ineffiziente Digitalisierung, die in den Praxen für viel Arbeit sorge. «Es kann nicht sein, dass uns immer wieder Sanktionen und Bußgelder angedroht werden, obwohl digitale Anwendungen nicht zuverlässig funktionieren und bisher keinen Mehrwert für die Versorgung mit sich bringen.»

Der Medi-Chef sieht nicht nur die Versorgung mit Hausärztinnen und -ärzten gefährdet, sondern auch bei der Fachärzteschaft. «Immer weniger junge Ärztinnen und Ärzte lassen sich nieder», warnte er. Der KV-Vorsitzende von Baden-Württemberg, Karsten Braun, sagte, für junge Medizinerinnen und Mediziner werde die ambulante Versorgung zunehmend unattraktiv. «Allein in Baden-Württemberg hat sich Zahl der freien Arztsitze innerhalb von wenigen Jahren mehr als verdoppelt: 2015 gab es 465 freie Arztsitze, aktuell sind es 1090.» In den Zeiten des Ärztemangels sei man eigentlich froh um jeden, der versorgt; Fallzahlbegrenzungen und Budgets wirkten sich aber leistungsfeindlich aus.

Im Südwesten gibt es insgesamt 16.000 zugelassene Ärzte und Psychotherapeuten, davon 5250 Hausärzte, 6605 Fachärzte und Psychotherapeuten.

 

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