News aus Baden-Württemberg
Karlsruhe: EnBW-Chef erwartet Signal der Politik pro Energiewende

News aus Baden-Württemberg Karlsruhe: EnBW-Chef erwartet Signal der Politik pro Energiewende

Quelle: Uwe Anspach
dpa

EnBW-Chef Frank Mastiaux erwartet von der deutschen Politik deutliche Signale zur Umsetzung der Energiewende.

Dass die neue Bundesregierung die Agenda beschleunigen will, sei «ein sehr klares Commitment und in gewisser Weise auch eine Selbstverpflichtung der Politik», sagte Mastiaux der Deutschen Presse-Agentur in Karlsruhe. Das sei ein technisch machbarer, jedoch anspruchsvoller Prozess. «Aber wenn man sich in der Politik so deutlich positioniert hat, sollte man ein klares Signal an alle geben und sagen: Es wird erwartet, dass alle aktiv und konsequent mitziehen.»

Dazu gehöre es auch zu definieren, wie weit man wann mit welchem Verfahrensschritt sein muss. «Ich glaube, diesen Rahmen muss man in Deutschland ebenfalls nochmal festmachen. Es gibt ein Gesamtkonzept, wir bauen für das Land gerade die Energieversorgung um», sagte Mastiaux. «Und wir leben in einer Demokratie und wollen, dass die Bürger mitmachen. Aber das muss in einem bestimmten Zeitraum passieren. Ich wüsste keinen anderen Weg.» Sonst verfehle man das Ziel. «Wenn die Politik selbst sagt, diese Ziele sind verbindlich, dann braucht es auch Mechanismen, dass sie eingehalten werden.»

Angesichts etwa schlechter Windverhältnisse im vergangenen Jahr sagte der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns, Erneuerbare könnten nicht den Versorgungsstandard liefern, den man mit konventionellen Anlagen garantieren könne. «Eine rein erneuerbare Energieversorgung trägt das System auf Sicht nicht. Zumindest technisch gesehen ist es nicht so verlässlich, dass es ohne Unterstützung auskommt: nämlich ein sehr gut ausgebautes Stromnetz und leistungsfähige Reserven, die bei fehlendem Wind und fehlender Sonne einspringen.» In den nächsten Jahren würden Back-up-Kapazitäten in Form von Gaskraftwerken gebrauchten, die man später etwa auf Wasserstoff umrüsten könne.

Dass es hier und da Widerstand in der Bevölkerung gegen konkrete Maßnahmen der Energiewende wie den Bau von Windrädern oder Klärschlammverwertungsanlagen gibt, bezeichnete Mastiaux als natürlichen Reflex. «Inwieweit man dies einfangen kann, weiß ich nicht, man muss es aber versuchen.» Dazu gehöre vor allem stete und gute Kommunikation, was die Notwendigkeiten der Energiewende sind. «Es ist bei der Energiewende eben nicht damit getan, irgendwo in der entfernten Ostsee oder Nordsee Windanlagen zu bauen, sondern Windkraft werden wir onshore an vielen Stellen brauchen.»

Mastiaux steht seit Oktober 2012 an der Spitze der EnBW. Nach Ablauf seiner zweiten Amtsperiode im September 2022 hört er dort auf.

 

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