Ehrenbürger der Fächerstadt
Karlsruhe trauert um „Nahverkehrspapst“ Dr. Dieter Ludwig

Ehrenbürger der Fächerstadt Karlsruhe trauert um „Nahverkehrspapst“ Dr. Dieter Ludwig

Quelle: Roland Fränkle - Presseamt Stadt Karlsruhe

„Wir müssen die Bahn zu den Menschen bringen“ – aus dieser Vision wurde das weltweit renommierte „Karlsruher Modell“ und damit das Lebenswerk von Dr. Dieter Ludwig. Nun ist der ehemalige Geschäftsführer der Karlsruher Verkehrsunternehmen verstorben.

Dr. Dieter Ludwig stirbt mit 81 Jahren

Am Donnerstag, den 16. Juli 2020 ist der ehemalige Geschäftsführer der Karlsruher Verkehrsunternehmen Dr. Dieter Ludwig im Alter von 81 Jahren in Ettlingen verstorben, darüber informiert der Karlsruher Verkehrsverbund GmbH (KVV) in einer Pressemitteilung.

„Die Nachricht macht uns alle sehr traurig. Dieter Ludwig hat Herausragendes für unsere Unternehmen, die Bürger der Region und für die ganze Verkehrswelt geleistet. Mit seinem visionären Denken, seiner Leidenschaft und seinem Einsatz hat er den ÖPNV in unserer Region in ein neues Zeitalter geführt. Es wird uns immer eine Ehre und Verpflichtung sein, diese Erfolgsgeschichte fortzuschreiben und dieses Nahverkehrsmodell erfolgreich in die Zukunft zu führen“, sagt Dr. Alexander Pischon, Vorsitzender der Geschäftsführung der Karlsruher Nahverkehrsgesellschaften.

 

„Mit großem Respekt verneigen wir uns“

„Unser leistungsstarkes Nahverkehrssystem, das als Karlsruher Modell weltweit großes Renommee besitzt und zahlreiche Nachahmer gefunden hat, ist untrennbar mit dem Namen Dieter Ludwig verbunden. Seiner Vision, Beharrlichkeit und Pionierleistung ist es zu verdanken, dass die Menschen in der Region heute mit der Stadtbahn umsteigefrei die Karlsruher Innenstadt oder ihre Reiseziele im Umland erreichen können. Mit großem Respekt verneigen wir uns vor seiner Lebensleistung“, würdigte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup die Verdienste von Ludwig, der bereits im Jahr 2006 zum Ehrenbürger der Fächerstadt ernannt worden war.

 

Weltweit bekannt durch „Karlsruher Modell“

Ludwig wurde am 15. Juli 1939 in Dortmund geboren. Er stand über drei Jahrzehnte als Geschäftsführer der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG), Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) und der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (KASIG) an der Spitze des Karlsruher Nahverkehrs.

In den Jahren 1995 bis 2003 war er außerdem Präsident des Verbands deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Weltweit bekannt wurde Ludwig als Initiator des Karlsruher Modells. Denn seine Idee, mit einem Zweisystemfahrzeug die Menschen aus der Region umsteigefrei in die Karlsruher Innenstadt zu bringen und dabei die technischen Grenzen zwischen Eisenbahn-und Straßenbahnverkehr zu überwinden, ermöglichte den Erfolg für dieses einzigartige Nahverkehrskonzept.

 

1992: Erste Zweisystem-Stadtbahn in Karlsruhe

Am 25. September 1992 nahm die weltweit erste Zweisystem-Stadtbahn zwischen Karlsruhe und Bretten ihren Betrieb auf. In den weiteren Jahren erlebte das Schienennetz in Karlsruhe und der Region eine unvergleichliche Ausweitung: Während Ludwigs Amtszeit wurden 46 neue Strecken in Betrieb genommen und viele Städte und Gemeinden am Oberrheindurch die Stadtbahn an Karlsruhe angebunden.

Die Gesamtstreckenlänge von rund 80 Kilometern im Jahr 1976 wurde innerhalb von drei Jahrzehnten versechsfacht! Auch die Zahl der Fahrgäste explodierte und stieg von 100 Millionen auf rund 170 Millionen Fahrgäste pro Jahr an und brachte Ludwig den Beinamen „Nahverkehrspapst“ ein.

Vielen Städten und Metropolregionen weltweit diente das Karlsruher Modell als Vorbild für ihr Nahverkehrssystem. Heute verkehren Zweisystem-Stadtbahnen unter anderem in Saarbrücken, Kassel, Straßburg, Alicante oder Sheffield.

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