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Kinderfreizeit mit Soldaten? Gewerkschaft kritisiert Sommerferienprogramm mit Bundeswehr

News Kinderfreizeit mit Soldaten? Gewerkschaft kritisiert Sommerferienprogramm mit Bundeswehr

Quelle: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa
dpa

Sind Bundeswehr-Soldaten die richtigen Spielpartner für Sechsjährige in den Sommerferien? Die GEW hält nichts von der Idee. Ein Bürgermeister aus Schwaben ist ganz anderer Ansicht.

Ein Kinderferienprogramm mit Bundeswehr-Soldaten in der schwäbischen Marktgemeinde Kellmünz ist auf scharfe Kritik von Gewerkschaftsseite gestoßen. Bürgermeister Michael Obst (CSU) sprach von «ideologisch gefärbter» Kritik an dem Angebot der Kommune. «Bei dem Ferienprogramm in Kellmünz findet weder politische Bildung noch eine Form von Militärwerbung statt.»

Die Gemeinde im Landkreis Neu-Ulm bietet das Programm für sechs bis zwölf Jahre alte Kinder in den großen Sommerferien an. Der bayerische Landesverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte von einer «Kinderfreizeit im Flecktarn» gesprochen. «Ich halte ein Ferienprogramm mit der Bundeswehr nicht für altersgemäß und man könnte dahinter den Gedanken der Heranführung an die Bundeswehr im jungen Alter vermuten», meinte Sozialpädagoge Oliver Danner, GEW-Landesvorstandsmitglied. Der Themenkomplex Bundeswehr sei in dem Alter der Kinder schwer pädagogisch vermittelbar.

Werbeplakat im Camouflage-Look

Ein zu dem Angebot von der Gemeinde im Internet veröffentlichtes Plakat ist im Design von militärischen Tarnuniformen gehalten. Dazu ist ein Foto zu sehen, auf dem Kinder um ein Bundeswehrfahrzeug herumstehen. Das zweitägige Ferienprogramm im August kostet zwölf Euro und wird gemeinsam mit einer sogenannten Gefechtsstandstaffel des Multinationalen Kommandos Operative Führung in Ulm angeboten. Dabei handelt es sich um eine auf internationale Zusammenarbeit mit EU und Nato ausgerichtete Einheit der Bundeswehr.

Rathauschef Obst sagte, es handele sich «um ein spielerisches und betreutes Freizeitangebot, bei dem junge Soldatinnen und Soldaten unter Einbindung der örtlichen Vereine gemeinsam mit Kindern basteln, spielen, Sport treiben und einfach Zeit miteinander verbringen». Es gehe nicht um die Institution Bundeswehr, sondern um persönlichen Kontakt.

Bürgermeister ist selbst Lehrer und Soldat

Der Politiker betonte, dass er früher selbst 16 Jahre als Lehrer gearbeitet habe und sich eine qualifizierte pädagogische Beurteilung zutraue. Die GEW-Verantwortlichen sollten keine Projekte öffentlich kritisieren, ohne Kenntnisse über konkrete Inhalte oder Abläufe zu haben.

Obst selbst ist bei der Bundeswehr Offizier der Reserve. Die Kritiker des Angebots würden letztlich Bürgerinnen und Bürger in Uniform ausgrenzen, sagte er. Die Bundeswehr sei ein Organ der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und ein demokratisch legitimierter Teil unserer Gesellschaft. «Oder sollen wir in Zukunft Polizeibeamte nicht mehr in Uniform zur Verkehrserziehung in der 4. Klasse zulassen?»

 

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