News
Klicks, Krypto, Knast: Wie Hacker Millionen erpressen

News Klicks, Krypto, Knast: Wie Hacker Millionen erpressen

Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
dpa

Cyberangriffe mit Erpressersoftware wie beim Württembergischen Staatstheater treffen Unternehmen und Behörden schwer. Wer macht so was – und wie viel Lösegeld wird gezahlt?

Monatelang saß der Mann auf der Anklagebank des nüchternen Stuttgarter Gerichtssaals. Schweigend verfolgte er, wie die Kammer über Cybererpressung und Lösegeld in Millionenhöhe beriet – und ohne Regung nahm er nun auch das Urteil zur Kenntnis. Wegen Computersabotage und Erpressung mit einer manipulierten Software hat das Landgericht den Mann zu einer Gefängnisstrafe von sieben Jahren verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Monate mehr gefordert, die Verteidigung auf Freispruch plädiert.

Die Kammer sieht in dem 46-Jährigen ein wichtiges Mitglied der berüchtigten Hackergruppe «GandCrab». Diese legte Firmen und Einrichtungen in mehreren Bundesländern lahm – aus sicherer Ferne und oft erfolgreich.

Was ist Ransomware und wie funktioniert ein solcher Angriff?

Bei Ransomware-Angriffen verschlüsseln Cyberkriminelle laut dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik die Daten auf Servern und Computern ihrer Opfer mit hochkomplexer Schadsoftware. Eine Entschlüsselung wird nur gegen Zahlung eines Lösegelds (englisch: ransom) in Aussicht gestellt – meist in schwer nachverfolgbarem Bitcoin. Häufig drohen die Täter zusätzlich mit der Veröffentlichung sensibler gestohlener Daten auf sogenannten Leak-Sites im Darknet, um Druck zu erhöhen.

Was wird dem Mann in Stuttgart genau vorgeworfen?

Der Angeklagte musste sich wegen gewerbsmäßiger Cybererpressung verantworten. Als mutmaßliches Gruppenmitglied soll er die Netzwerke von 22 deutschen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen lahmgelegt haben – darunter Krankenhäuser, Kliniken und die Württembergischen Staatstheater in Stuttgart, die nach Überzeugung der Kammer auch Lösegeld überwiesen haben. Er wurde im Oktober 2024 in der Slowakei verhaftet und ausgeliefert.

Ein Schwerpunkt der vorgeworfenen Taten liegt nach Angaben des Cybercrime-Zentrums Baden-Württemberg in Süddeutschland. Erpressungsversuche soll es aber auch in Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und im Saarland gegeben haben.

Wer sind die bekannten Verdächtigen?

Ermittler lokalisieren die Täterkerne oft in Osteuropa und Asien, dort ist die Strafverfolgung schwerer. Im Stuttgarter Fall jagen Behörden zwei weitere Hauptverdächtige mit russischer Staatsangehörigkeit per internationalem Haftbefehl: den mutmaßlichen Kopf der Operation und den Schadsoftware-Entwickler. Solche Gruppen operieren transnational und nutzen VPNs sowie Proxys zur Anonymisierung.

Wer steckt hinter «GandCrab»?

«GandCrab» zählt zu den erfolgreichsten Ransomware-Familien seit 2018: Sie hat weltweit Millionen Daten verschlüsselt und Lösegeld in Kryptowährungen gefordert – die Entwickler prahlten öffentlich mit über zwei Milliarden US-Dollar Einnahmen. Berüchtigt war das Abo-Modell (Ransomware-as-a-Service): Die Gruppe vermietete die Software wie ein Streamingdienst an Kleinkriminelle in Hacker-Foren. Nachfolger wie «REvil» übernahmen das Geschäft und verursachten weitere Milliardenschäden, nachdem sich die Gruppe aufgelöst hatte.

Welchen Schaden haben die Angriffe verursacht?

Allein bei den 22 in Stuttgart angeklagten Fällen beläuft sich der wirtschaftliche Schaden auf rund 2,3 Millionen Euro – durch Ausfälle, Sanierungen und Produktionsstopps. Deutschlandweit schreiben Ermittler «GandCrab» und «REvil» über 80 Fälle mit einem Gesamtschaden von knapp 33 Millionen Euro zu. Globale Schätzungen des Bundeskriminalamts belaufen sich auf Milliarden.

Wird Lösegeld gezahlt?

Offizielle Statistiken fehlen am Cybercrime-Zentrum Baden-Württemberg bei der Karlsruher Generalstaatsanwaltschaft, doch eine bundesweite BKA-Erhebung zeigt: Rund 90 Prozent der Geschädigten zahlten nichts. Eine Bitkom-Studie vom Vorjahr nennt 70 Prozent. Im Stuttgarter Fall sollen 6 der 22 Betriebe gezahlt haben, um schnell wieder online zu gehen.

Um welche Summen geht es?

Bei über einem Drittel der Zahlungen lagen die Beträge laut BKA zwischen 100.000 und 500.000 Euro. In 16 Prozent der Fälle forderten Hacker noch höhere Summen – teils über eine Million Euro pro Opfer.

Wie groß ist die Bedrohung durch Ransomware in Deutschland?

Täglich melden Behörden zwei bis drei schwere Ransomware-Angriffe; Deutschland rangiert international laut BKA auf Platz vier der betroffenen Länder. Die Dunkelziffer sei enorm, da viele Fälle unentdeckt bleiben.

Warum melden Unternehmen Angriffe nicht?

Die betroffenen Unternehmen hätten zum Teil Sorge, einen solchen Angriff öffentlich zu machen und somit auch vor der Konkurrenz offenzulegen, heißt es im Cybercrime-Zentrum. Außerdem wollten sie schnell weiterarbeiten und fürchteten, dass Ermittlungen der Polizei dies eher verzögerten.

Sollten Opfer zahlen?

Das sei zwar eine unternehmerische Entscheidung, meint der Verband Unternehmer Baden-Württemberg. Zahlungen können aber strafbar sein (Unterstützung krimineller Vereinigungen) und sie laden zu Folgeattacken ein – Unternehmen werden so als «leichte Beute» markiert. Sie sollten sich stattdessen durch regelmäßige Software-Updates, Mitarbeiterschulungen gegen Phishing, Backups offline und Notfallpläne schützen. Beratung bieten die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime (LKA), die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg oder das BSI.

 

Weitere Nachrichten

Bürger beschweren sich: Gestank in beliebter Bodensee-Stadt gibt Rätsel auf

Seit einiger Zeit klagen Menschen in Friedrichshafen über unangenehme Gerüche in der Nacht. Messungen brachten bisher keine Lösung. Jetzt setzt die Stadt auf die Nasen der Bürger.

Karlsruher Back-Influencerin Sally Özcan verrät Baby-Geschlecht

Die 37-Jährige teilt in einem Video das Geschlecht ihres dritten Kindes und zeigt sich überrascht von ihrem eigenen Bauchgefühl.

Ausstellung in Ludwigsburg: Hier kommen Kürbisfans auf ihre Kosten

Tausende Kürbisse, riesige Figuren - und eine Premiere: In Ludwigsburg startet die Kürbisausstellung. Was Besucher dieses Jahr erwartet.

Partielle Mondfinsternis: Klarer Himmel und Wecker nötig

Ohne Spezialbrille, dafür mit Wecker: Die partielle Mondfinsternis Ende August ist etwas für Frühaufsteher und Fans von Himmelspektakeln. Was man sieht, hängt aber noch von anderen Faktoren ab.

Üble Streiche: Karlsruher Staatsanwaltschaft ermittelt zu Prank-Videos

Aufnahmen von üblen Streichen sorgen im Raum Karlsruhe für Ärger: Mehrere Fälle beschäftigen die Staatsanwaltschaft – darunter ein fingierter Ladendiebstahl im Drogeriemarkt.

Endlich Regen - wer profitiert und wofür ist es zu spät?

Was können ein paar Tage Regen nach langer Trockenheit bewirken? Kommt ganz drauf an, sagen Experten. Mancherorts herrscht Hoffnung und Aufatmen. Für vieles ist es schlicht zu spät.













Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.