Weniger CO2 und Ausbau von Alternativen
Klimaschutz Karlsruhe – bis 2050 will Stadt klimaneutral sein

Weniger CO2 und Ausbau von Alternativen Klimaschutz Karlsruhe – bis 2050 will Stadt klimaneutral sein

Um das Klima zu schonen müssen dringend Schritte unternommen werden – auch in Karlsruhe! Umwelt-Bürgermeisterin Bettina Lisbach erläuterte nun, welche Schritte in den kommenden Monaten und Jahren unternommen werden sollen, um die Ziele zu erreichen.

Klimanotstand in Karlsruhe

Seit geraumer Zeit herrscht ein Klimanotstand in Karlsruhe – offiziell ausgerufen vom Gemeinderat der Fächerstadt. Die Folgen sind zunächst weniger gravierend, als es der Ausdruck vielleicht vermuten lässt. Vielmehr ist er eine Bekenntnis, sich auch in naher Zukunft stärker mit der Thematik auseinanderzusetzen. Einige der Maßnahmen wurden schon 2013 in einem Konzept zu Papier gebracht. Nun läuft das Klimaschutzkonzept allerdings aus, weshalb die Stadtverwaltung aktuell mit einer Fortschreibung beschäftigt ist – deren Bedeutung nach dem Ausrufen des Klimanotstandes nun noch größer wurde.

Am Dienstag, den 30. Juli 2019, informierte Karlsruhes zuständige Umweltbürgermeisterin Bettina Lisbach die Presse über den aktuellen Sachstand, „in Zeiten der Diskussion, die gut und wichtig sind“, wie Lisbach betont. Die bisherigen Bemühungen um den Klimaschutz müssten verstärkt werden: „Wir müssen mehr und schneller etwas tun als bisher“ – die junge Generation fordere zurecht ein Handeln ein. Welche Schritte konkret ergriffen werden sollen, das soll in den nächsten Monaten nun erarbeitet werden. Doch schon jetzt steht die Marschrichtung fest.

 

Bürgermeisterin Bettina Lisbach erläutert der Presserunde die Klimaschutzziele | Quelle: Florian Kaute

 

Karlsruhe soll 2050 klimaneutral sein

Die übergeordnete Zielvorgabe ist es, den Ausstoß von CO2 bis 2050 so zu verringern, dass die Stadt als klimaneutral gilt. Erste Erfolge auf diesem Weg sind bereits zu erkennen: In den letzten zehn Jahren hat die Stadt ihre CO2-Emission um 24 Prozent senken können. Um das Ziel 2050 erreichen zu können, müssen die Emissionen nun aber um weitere 60 Prozent gesenkt werden – und das, obwohl die Dynamik in den vergangenen Jahren geringer wurde.

 

So soll Klimaschutz betrieben werden

Untersuchungen haben ergeben, wo es in Karlsruhe das größte Potential für CO2-Einsparungen gesehen wird. Im Groben lassen dabei vier Felder ausmachen:

  • Einsparpotential von Strom bei Gewerbe, Handel, Dienstleistung und in privaten Haushalten
  • Stromerzeugung, vermehrt beispielsweise durch Tiefengeothermie und Photovoltaik-Anlagen
  • Einsparpotential von Wärme von bis zu 25 Prozent bis 2030 – unter anderem durch Isolierungen
  • Wärmeerzeugung unter anderem durch Solarthermen und Wärmepumpen

 

| Quelle: Pixabay

 

Damit es zu Verbesserungen in diesen Bereichen kommt, sind verschiedene Maßnahmen vorgesehen. So soll der Ausbau der Fernwärme in Karlsruhe vorangetrieben werden, aber auch die Möglichkeiten der Aufrüstung für Wärmepumpen und Photovoltaik-Anlagen mehr in die Öffentlichkeit gerückt werden. Bei Neubauten und neuen Quartieren wird schon von Beginn an auf eine Klimaneutralität geachtet. Unternehmen aus der Wirtschaft sollen in einer Klimaallianz organisiert werden, damit man über die Organisation auch als Vorbild nach außen auftreten kann.

Als ein schwieriges Feld hat Bettina Lisbach das Thema Verkehr bezeichnet – hier gebe es grundsätzlich viel Diskussionsbedarf. Konkrete Pläne oder Ziele gebe es noch nicht, man orientiere sich aber am Zielekatalog des Landes Baden-Württemberg. Darin heißt es, dass der Umfang des Nahverkehrs verdoppelt werden solle, jedes dritte Auto klimaneutral unterwegs und ein Drittel des Verkehrs aus den Städten weg sein soll und jeder zweite Weg grundsätzlich aus eigener Kraft und ohne Motorisierung erfolgen soll. Diese Verkehrswende muss bis 2030 erreicht werden.

 

Energie & Wärmeversorgung als Chance

Wie groß das Potential für die Energie aus Sonnenkraft ist betont auch Dirk Vogeley von der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur. Deutschlandweit sei Karlsruhe in diesem Feld auf Rang 19 zu finden. Der Grund: Von den 1.770 Gigawattstunde Strom, die im Jahr 2017 in der Stadt benötigt wurden, kamen 30 Gigawattstunde aus Photovoltaik-Anlagen – das entspricht einem Anteil von 1,7 Prozent. Theoretisch sei allerdings ein Wert von 54 Prozent möglich, betont Vogeley. Zu diesem Ergebnis sei man nach der Auswertung von Luftbildern und der Analyse von Hausdächern in Karlsruhe gekommen. Der genannte Werte wäre dann zu erreichen, wenn auf sämtlichen Gebäuden, auf denen eine Anlage auch einen Nutzen erbringen könnte, eine solche Photovoltaik-Anlage auch installiert wird.

Um einen Energieträgerwechsel zu erreichen, soll der Ausbau von Alternativen vorangetrieben werden. Eine Möglichkeit ist unter anderem die Fernwärme, also die Nutzung von industrieller Abwärme. Doch diese Variante ist eher in dichter besiedelten und nicht weit entlegenen Gebieten von Vorteil. Alternativ wäre die Nutzung von Geothermie, also dem Wärme der Erde, eine Möglichkeit.

 

| Quelle: Pixabay

 

Nächste Schritte für den Klimaschutz

In den kommenden Wochen werden den vorgenommenen Zielen klare Wege zugeordnet und in einem Klimaschutzkonzept festgehalten. Fest steht allerdings schon jetzt, dass nicht nur die Stadt Karlsruhe bis 2050 klimaneutral sein soll – die Stadtverwaltung selbst hat sich das Ziel auf erledigt, bis 2040 klimaneutral zu sein. Diesen Entschluss fällte der Gemeinderat bereits 2016.

Das fortgeschrieben Klimaschutzkonzept soll im ersten Quartal 2020 vom Gemeinderat abgesegnet werden. Bis dahin kündigt Bettina Lisbach noch verschiedene Arbeitskreise an und auch Bürgerforen sowie die Möglichkeit der Online-Beteiligung an der Ausarbeitung des Klimaschutzkonzeptes. Aber, so betont Lisbach, auch wenn sich das neue Konzept noch in der Ausarbeitung befinde, laufen weiterhin die Maßnahmen, um von kommunaler Seite möglichst schnell und möglichst viel zum Klimaschutz beizutragen.

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