News aus Baden-Württemberg
Klinikverband: Intensivpflegekräfte emotional sehr belastet

News aus Baden-Württemberg Klinikverband: Intensivpflegekräfte emotional sehr belastet

Quelle: Jens Büttner

Die Intensivstationen der Kliniken laufen voll von ungeimpften Corona- Patienten. Sie verdrängen andere Schwerkranke auf die Warteliste. Das nimmt die Pflegekräfte stark mit.

Die Intensivpflegekräfte im Südwesten leiden unter der wachsenden Zahl ungeimpfter Corona-Patienten. Ihnen mache zu schaffen, dass die Behandlung schwerkranker Menschen zugunsten jener verschoben werde, die sich hätten impfen lassen können, sagte der Hauptgeschäftsführer der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG), Matthias Einwag, am Freitag in Stuttgart. «Der Berufsethos kommt da unter Dauerstress.» Die erneute Prämie für Intensivpflegekräfte sei ein Zeichen der Wertschätzung, könne die emotionale Belastung aber nicht wettmachen.

Die Gewerkschaft Verdi verzeichnet ähnliche Probleme auf den Stationen, die zum Teil verdrängt würden. «Viele haben dazu bewusst keine Meinung und sagen sich: Der Job muss getan werden», erläuterte Verdi-Gesundheitsreferentin Yvonne Baumann.

BKG-Mann Einwag sagte, angesichts voller Intensivstationen hätten die Krankenhäuser nicht nur über die Reihenfolge der Behandlung zu entscheiden. «Sie stehen auch bald vor der schwierigen Abwägung zwischen Behandlung von Patienten einerseits und Mitarbeiterschutz andererseits.» Die Belastung der Pflegekräfte hat laut Verdi zu einem doppelt so hohen Krankenstand geführt wie in allen anderen Berufen.

Die geplanten Boni von bis zu 1500 Euro pro Kopf für Vollzeitkräfte lässt sich das Land bis zu zwölf Millionen Euro kosten. Sie sollen verhindern, dass Fachkräfte in andere Berufe abwandern, etwa in die ambulante Pflege, ihre Arbeitszeit reduzieren oder sich in andere Stationen versetzen lassen. Laut Verdi ist für manche Fachkräfte die Leiharbeit finanziell attraktiver als die Festanstellung. «Aber das Geld ist gar nicht das Wichtigste», sagte Baumann. «Manche Aussteiger begnügen sich mit 800 Euro weniger im Monat, wenn sie nur zuverlässige und planbare Arbeitszeiten ohne Nacht- und Wochenenddienste haben.»

Die vorgesehenen Prämien seien zwar eine Anerkennung für harte Arbeit, sagte Baumann. Da sie aber ausschließlich den Beschäftigten der Intensivpflege zugute kämen, drohe ein vermehrter Wechsel von den ebenfalls gebeutelten Normalstationen in die Intensivpflege. «Da leidet dann die gesamte Gesundheitsversorgung.» Nach grober Schätzung arbeiten im Südwesten 160.000 Menschen in der Pflege und Altenpflege.

Verdi dringt auf eine neue Personalbedarfsmessung. Gewerkschaft, Krankenhausgesellschaft und Deutscher Pflegerat hätten ein Konzept erarbeitet, mit dem bundesweit 80.000 zusätzliche Pflegestellen entstehen könnten. Die Krankenkassen blockierten den Vorschlag aber.

 

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