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Laut Auswertung: Welchen Einfluss hohe Mieten auf die Armut im Land haben

News Laut Auswertung: Welchen Einfluss hohe Mieten auf die Armut im Land haben

Quelle: Bernd Weißbrod/dpa
dpa

Steigende Wohnkosten treiben in Baden-Württemberg viele Menschen unter das Existenzminimum. Hunderttausende davon tauchen in offiziellen Statistiken nicht auf.

Berücksichtigt man die Wohnkosten, gelten in Baden-Württemberg laut einer Auswertung des Paritätischen Gesamtverbandes deutlich mehr Menschen als arm. Statt rund 1,5 Millionen seien dann etwa 2,2 Millionen Menschen betroffen, teilte der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg in Stuttgart mit. Die Armutsquote steige von 13,2 auf 19,9 Prozent.

Als arm gelten demzufolge Menschen aus Haushalten, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte beträgt. Nach Abzug der Wohnkosten liege die bundesweite Schwelle bei 1.088 Euro. Bei der konventionellen Armutsberechnung würden diese Kosten nicht abgezogen.

«Das bedeutet: 742.000 Menschen in Baden-Württemberg gelten offiziell als nicht arm, rutschen aber durch ihre hohe Miete faktisch unter das Existenzminimum», betonte Kim Sophie Bohnen, Spitzenkandidatin der Linken zur Landtagswahl, in einer Mitteilung. Das entspreche beinahe der gesamten Einwohnerzahl von Stuttgart und Heidelberg zusammen. «Diese Menschen tauchen in keiner Statistik der Landesregierung auf, obwohl sie am Ende des Monats kaum noch Geld für Essen, Kleidung oder Teilhabe haben.»

 

Zentraler Risikofaktor für Armut

Im Ländervergleich ist die Wohnarmutsquote in Baden-Württemberg laut der Auswertung die zweitniedrigste nach Bayern (18,1 Prozent). Bundesweit liege sie bei 22,3 Prozent (18,4 Millionen Menschen). Besonders hoch falle die Quote mit 31 Prozent bei Erwachsenen bis 25 Jahren und bei Menschen ab 65 Jahren mit 29 Prozent aus. 31 Prozent aller Paare mit drei oder mehr Kindern seien von Wohnarmut betroffen und bei Alleinerziehenden vier von zehn Haushalte.

«Die massive Steigerung der Wohnarmut trifft längst nicht mehr nur Menschen mit einem niedrigen Einkommen», erklärte Ulf Hartmann, Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg. Zunehmend sei auch die Mittelschicht betroffen. «Wohnen ist auch in Baden-Württemberg zum zentralen Risikofaktor für Armut geworden.» Dass fast jede fünfte Person nach Abzug der Wohnkosten arm sei, sei sozialpolitisch nicht mehr hinnehmbar.

Auch aus Sicht der Vorstandsvorsitzenden der Diakonie Baden, Sabine Jung, ist das Thema in der Mitte der Gesellschaft angekommen und trifft nicht mehr nur die Ärmsten. Wohnen werde auch in Baden-Württemberg zunehmend zum Armutsrisiko, sagte sie am Montagabend in Karlsruhe. Wenn die Sorgen hier zunehmen, kann das aus Jungs Sicht sogar die Demokratie gefährden.

 

Appell an Politik

Die Ursachen sieht der Paritätische nicht im individuellen Lebensstil, sondern im strukturellen Versagen des Wohnungsmarktes. Die Mietpreise stiegen deutlich schneller als die Einkommen, der Bestand an Sozialwohnungen stagniere und bezahlbarer Wohnraum fehle flächendeckend im Land, kritisierte der Verband unter anderem. Wer heute umziehen müsse, zahle fast zwangsläufig deutlich mehr und könne dadurch in die Wohnarmut rutschen.

Die Landesregierung müsse massiv in sozialen Wohnungsbau investieren, forderte der Paritätische. Fachstellen zur Wohnungssicherung sollten ausgebaut werden, um vor Wohnungslosigkeit und Wohnarmut zu schützen. Die Mietpreisbremse müsse verlängert, ihre Einhaltung besser kontrolliert werden.

 

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