News aus Baden-Württemberg
Lehrermangel, Leseprobleme: Baustellen zum neuen Schuljahr

News aus Baden-Württemberg Lehrermangel, Leseprobleme: Baustellen zum neuen Schuljahr

Quelle: Uli Deck/dpa/Archiv
dpa

Auch wenn zu Beginn des neuen Schuljahres im Südwesten weniger Lehrer fehlen als noch vor einem Jahr: Kultusministerin Theresa Schopper hat dennoch viele Baustellen offen. Diese will sie mit verschiedenen neuen Maßnahmen angehen.

Wenn am kommenden Montag mehr als 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg in die Klassenzimmer zurückkehren, sind auch altbekannte Probleme wie Lehrermangel, sinkende Schülerleistungen und eine steigende Zahl an Flüchtlingskindern zurück. Es gibt aber einige Neuerungen, die bei der Lösung eben jener Probleme helfen sollen. Ein Überblick über die wichtigsten Themen zum Start des neuen Schuljahrs:

Lehrermangel: Wenige Tage vor Beginn des neuen Schuljahres fehlen in Baden-Württemberg weniger Lehrer als noch zu Beginn des vergangenen Schuljahres. Derzeit seien landesweit noch 565 Lehrerstellen unbesetzt, sagte Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne). Zu Beginn des vergangenen Schuljahres hatten rund 890 Lehrerinnen und Lehrer gefehlt. Besonders viele Lehrkräfte fehlen noch an den Grundschulen. Dort sind 120 Stellen unbesetzt, an den Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen fehlen noch 135 Lehrkräfte. Deutlich besser ist die Situation an den Gymnasien. Dort sind vor Schulbeginn noch fünf Stellen vakant.

Beim Lehrermangel gibt es laut Schopper deutliche regionale Unterschiede. Besonders groß sei der Bedarf im Großraum Stuttgart, in der Rhein-Neckar-Region sowie im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb. Deutlich mehr Bewerbungen als freie Stellen gebe es entlang des Rheins und am Bodensee. Diese Entwicklung sei durch die Durchbezahlung befristeter Lehrkräfte noch verschärft worden. Damit werde es für Lehrkräfte attraktiver, sich gegen eine feste Stelle zu entscheiden, wenn diese sich nicht am Wunschort befinde, sagte Schopper. In diesem Jahr war erstmals die Mehrzahl der befristet angestellten Lehrkräfte auch während der Sommerferien weiterbezahlt worden. Darauf hatte sich die grün-schwarze Koalition im Frühjahr geeinigt.

Leseprobleme: Nicht neu ist, dass viele Grundschülerinnen und Grundschüler Probleme mit dem Unterrichtsstoff haben. Im vergangenen Jahr hatte eine Studie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) gezeigt, dass Viertklässler im Südwesten zunehmend Probleme beim Lesen und Zuhören haben. Fast jedes fünfte Kind schafft die Mindeststandards in Deutsch und auch in Mathematik nicht. Als Reaktion darauf gibt es ab dem kommenden Schuljahr eine verbindliche Leseförderung an den Grundschulen. Schülerinnen und Schüler sollen künftig zwei Mal in der Woche im Unterricht laut vorlesen.

Zudem will Schopper mit weiteren Leistungsmessungen frühzeitig den Lernfortschritt und die Probleme der Schüler erfassen. Dafür können Grundschulen ab dem neuen Schuljahr in der zweiten Klasse die Lesekompetenz erheben. «Lernstand 2» ist zunächst freiwillig, soll zum nächsten Schuljahr dann Pflicht werden. Außerdem wird eine weitere Vergleichsarbeit in der vierten Klasse eingeführt. Mit dem «Kompass 4», der ebenfalls zunächst freiwillig ist, sollen Lehrkräfte und Eltern zusätzlich zur Grundschulempfehlung Hinweise zum Leistungsstand des Kindes bekommen.

Mehr Daten: Nicht nur die Leistung der Schülerinnen und Schüler soll künftig enger überwacht werden, auch weitere Parameter will das Land genauer im Blick behalten. So müssen Schulen ab dem neuen Schuljahr etwa ein digitales Schuldatenblatt ausfüllen, über das die Schulaufsicht für jede Schule Daten wie Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund, Unterrichtsausfall oder Kompetenzen der Schüler im Vergleich zum Landesschnitt einsehen kann. «Was technisch klingt, ist die Grundlage, um jede und jeden individuell und gemäß Fähigkeit und Ambition fördern zu können, sagte Schopper.

Mehr Grundschüler: Nicht gerade erleichtert wird die Qualitätsoffensive der Kultusministerin von deutlich steigenden Schülerzahlen an den Grundschulen. Dort werden laut Kultusministerium im neuen Schuljahr 15.000 Kinder mehr unterrichtet als noch im vergangenen Schuljahr. Als Grund für den starken Anstieg nannte das Ministerium die große Zahl an Flüchtlingen, vor allem nicht nur aus der Ukraine. Der größte Anstieg sei in Klasse 1 zu verzeichnen.

Für diese Kinder brauche es hunderte zusätzliche Klassen – und eben auch Lehrkräfte. «An den Grundschulen ist das Personaltableau einfach sehr, sehr dünn», sagte Schopper. Immerhin: Auch an den Grundschulen fehlen zu Beginn des Schuljahres weniger Lehrkräfte als noch ein Jahr zuvor. Das liege am Ausbau der Studienplätze, der sich nun bemerkbar mache, sagte Schopper. Erstmals habe man mehr als 1000 Lehrkräfte an Grundschulen einstellen können.

 

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