News aus Baden-Württemberg
Pflegebedürftige wohnen meist in eigenen vier Wänden

News aus Baden-Württemberg Pflegebedürftige wohnen meist in eigenen vier Wänden

Quelle: Sebastian Gollnow
dpa

In Zeiten räumlich auseinanderdriftender Familien werden noch immer sehr viele alte Menschen von ihren Verwandten versorgt. Nur jeder fünfte Senior mit Pflegebedarf nimmt Angebote der stationären Pflege wahr.

Rund 80 Prozent aller 472.000 Pflegebedürftigen im Südwesten wohnen in den eigenen vier Wänden oder in wenigen Fällen im Haushalt von Angehörigen. Von diesen werden laut der Familienforschungsstelle des Statistischen Landesamtes mehr als die Hälfte (55 Prozent) ausschließlich von der Familie gepflegt, der Rest wird ambulant betreut. Trotz oft beruflich gebotener Flexibilität, eines höheren Anteils von arbeitenden Frauen und Stress mit heranwachsenden Kindern ist der Anteil von häuslicher Pflege in den vergangenen Jahren sogar noch leicht gestiegen. Die anderen Pflegebedürftigen – 94.000 an der Zahl – nehmen stationäre Angebote der 1900 Heime im Südwesten wahr.

Für den Verzicht auf stationäre Pflege gibt es nach Aussage der Familienforscher viele Gründe: fehlendes Geld für die Versorgung im Heim, der Wunsch des Gepflegten, so lange wie möglich in vertrauter Umgebung zu sein, sowie die Verbundenheit mit den Eltern, den Partnern oder Freundinnen.

Zwei Drittel der pflegenden Angehörigen im erwerbsfähigen Alter arbeiten noch. Und wiederum zwei von drei dieser pflegenden Personen sind Frauen. Pflege sei eher ein Frauenthema, resümieren die Wissenschaftler. Die gesellschaftliche Rollenerwartung laute: «Eine gute Tochter pflegt.» Interessant sei die Organisation der Pflege: Erwerbstätige pflegende Männer organisierten die Pflege um ihre Arbeit herum, die Frauen machten das umgekehrt. Sie arbeiten nach Beobachtung der Statistiker häufiger in Teilzeit, um zu pflegen – Männer eher nicht.

 

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