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Popakademie Mannheim: KI nicht auf kreativer Höhe des Menschen

News aus Baden-Württemberg Popakademie Mannheim: KI nicht auf kreativer Höhe des Menschen

Quelle: Uwe Anspach/dpa/Archivbild
dpa

Mannheims Image als Industriestadt hat sich in den letzten Jahren geändert. Das Engagement der Metropole sowohl für etablierte als auch alternative Kultur hat die Unesco 2014 mit dem Titel City of Music honoriert. Leuchtturm der regen Musikszene ist die Popakademie.

Beim Musikproduzieren gibt Künstliche Intelligenz (KI) nach Einschätzung eines Experten noch nicht den Ton an. «Auf der kreativen Höhe des Menschen ist die KI noch nicht», sagte der offiziell verabschiedete aber bis zum Sommer noch tätige Künstlerische Direktor der Mannheimer Popakademie, Udo Dahmen, der Deutschen Presse-Agentur vor dem Future Music Camp Ende Mai. Am Donnerstag und Freitag wird die Popakademie wieder zum internationalen Treffpunkt der digitalen Musikwirtschaft.

Die Zukunft der Digitalisierung im Musikbereich sieht der 71-Jährige ambivalent. Sie könne zwar die Produktion von Mainstream-Musik erleichtern, sagte er. Aber das führe auch zu einer gewissen Austauschbarkeit der Musik. Mit dem wiedererwachten Interesse an Schallplatten gebe es auch eine Gegenbewegung zur Digitalisierung, sagte Dahmen, der auch Vizechef des Deutschen Musikrates ist.

2023 feiert die Popakademie 20-jähriges Bestehen. Künstler wie Joris («Herz über Kopf») und Alice Merton («No Roots») gehören zu den 1000 Absolventen. Für Joris hat sie eine große Bedeutung: «Hier habe ich meine Liveband kennengelernt und gefunden, wonach ich immer gesucht habe: Musikverrückte Menschen, die Tag und Nacht Musik machen müssen.» Auch Merton fand ihre Band und ihren Manager an der staatlichen Hochschule und gründete später ein eigenes Label.

Andere Absolventen komponieren Film- und Werbemusik, spielen in Bands, unterrichten Musik. Auch Mannheims Nachtbürgermeister Hendrik Meier, bundesweit erster seiner Art, kommt aus der Talentschmiede.

Angefangen hat es relativ klein. «Wir hätten uns damals nicht träumen lassen, dass die Hochschule mit zwei Studiengängen und 50 Studierenden sich zu einer international renommierten Institution entwickeln würde», sagte Dahmen. Das bundesweit einzigartige Konzept, Musik und Musikwirtschaft zu verbinden, habe sich als Erfolgsrezept erwiesen, fügte der Mitgründer der Akademie hinzu.

Angeboten werden heute die drei Bachelorstudiengänge Popmusikdesign, Weltmusik, Musikbusiness und die Masterstudiengänge Popular Music und Music & Creative Industries. Die derzeit 400 Studierenden verteilen sich auf 50 Bands und 30 Studioteams. Das fördere Austausch sowie Vernetzen und helfe beim Start der eigenen Laufbahn.

Wichtig sei, so Joris, dass Karrieren nicht vom Geldbeutel der Eltern abhingen oder zu hoher Verschuldung nach dem Studium führten, wie es bei Privathochschulen der Fall sei. Die Popakademie verlangt keine Studiengebühren. «Insofern war die Gesangsausbildung an der Akademie ein großes Glück», sagte der 33-jährige Sänger, Pianist und Schlagzeuger, der einen Bachelor-Abschluss hat. Für den dreifachen «Echo»-Preisträger hat die Popakademie die Funktion, Menschen zusammenzubringen. «Musik ist eine Sprache, die jeder spricht.»

700 Bewerber auf 100 Plätze pro Jahr zeigen nach Dahmens Überzeugung die Anziehungskraft des Studiums an der Hafenstraße. Die Quadratestadt sei mit dem regen Musikleben in der US-Army nach dem Krieg, der Auszeichnung als Unesco City of Music und der vielfältigen Clubszene das richtige Pflaster zur Förderung der Popmusik. Die Akademie pflege Kooperationen mit 25 Hochschulen weltweit.

Mannheim-Fan Joris schätzt die Förderung von Kunst und Kultur durch die Stadt. Als Beispiel nannte er Stadtmobile, mit denen Bands zu Auftritten fahren können. Er will am 13. Juni auf der Bundesgartenschau in Mannheim auftreten. Mit dabei ist ein klassisches Orchester der Mannheimer Musikhochschule. Joris ist überzeugt: «Musik ist am besten, wenn sie vermengt wird.»

Der 71-jährige Dahmen will auch nach dem Ausscheiden aus der Akademie weiter in Sachen Popmusik unterwegs sein. Die Landesregierung berät er bei ihrem Projekt «Popländ», das nach einer Bestandsaufnahme mit allen Beteiligten neue Perspektiven für die Förderung von Musikern entwerfen soll. Der Präsident des europäischen Schlagzeugerverbandes, der unter anderem mit Sting, Nina Hagen und Gianna Nannini spielte, schließt auch nicht aus, eine eigene Band zu gründen.

 

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