Altpapierpreise sind im Keller
Probleme mit Altpapier in Karlsruhe – neue Regelungen nötig?

Altpapierpreise sind im Keller Probleme mit Altpapier in Karlsruhe – neue Regelungen nötig?

Quelle: Pixabay

In einigen Karlsruher Stadtteilen sammeln Vereine das Altpapier ein, um so ihre Vereinskasse aufzubessern. Doch das System scheint auf der Kippe zu stehen, wenn man Anfragen im Karlsruher Gemeinderat Glauben schenkt.

Preise für Altpapier sind gesunken

Die Entsorgung in Karlsruhe beruht auf dem bewährten Konzept der Mülltrennung: Wieder verwertbares Material kommt in die rote Tonne, Restmüll in die schwarze Tonne. Darüber hinaus gibt es noch zwei weitere Tonnen: die Grüne für Bio-Müll und seit 2015 die blaue Tonne für Papier. Doch bereits vor Einführung der blauen Papiertonne hatten viele Karlsruher die Möglichkeit einer separaten Entsorgung von Altpapier.

In vielen Karlsruher Stadtteilen haben Vereine in Zusammenarbeit mit Entsorgungsfirmen das Papier eingesammelt. Die Firmen haben so Personal eingespart, der Wiederverkaufspreis für das Papier kommt dann in Teilen in die Vereinskassen – eigentlich. Denn genau hier liegt momentan das Problem: Laut statistischem Bundesamt lag der Preis im vergangenen Jahr 30 Prozent unter dem Wert von 2015. Das ist besonders prekär, weil der Preis im Jahresdurchschnitt 2017 noch rund 40 Prozent über dem Wert von 2015 lag! Damit war der Preis für das gemischte Altpapier im vergangenen Jahr so niedrig wie zuletzt 2006. Zum Vergleich: 2017 wurden noch fast 140 Euro pro Tonne an Erlös im Jahresschnitt ausgezahlt, 2018 waren es nur noch 85 Euro, im vergangenen Jahr rund 75 Euro. Grund für den Preisabfall ist unter anderem der Import-Stop von Papiermüll von China.

 

Weniger gesammeltes Altpapier in Karlsruhe

Was dazukommt: Die Papiermenge ist im gleichen Zeitraum ebenfalls gesunken: 2017 wurden von privaten Entsorgungsfirmen in Kooperation mit Vereinen noch rund 6.400 Tonnen Papier gesammelt, 2018 waren es dann noch 6.150, im vergangenen Jahr wurden rund 5.900 Tonnen Papiermüll gesammelt.

Der Preisverfall und die geringeren Mengen in den letzten beiden Jahren haben nun auch für Karlsruher Vereine Folgen: Die Firmen zahlen weniger oder zum Teil auch kein Geld mehr für das gemischte Altpapier aus! Kurzum haben die Ehrenamtlichen also Arbeit, ohne davon zu profitieren. In einer Anfrage im Karlsruher Gemeinderat möchte die SPD nun wissen, welche Auswirkungen dieser Trend hat – und ob die Stadt nicht einspringen kann.

 

Bestehende Regelung ist aus dem Jahr 1987

Die Stadtverwaltung antwortet im Rahmen der Sitzung des Gemeinderats am Dienstag, 18. Februar 2020. Und aus der Stellungnahme geht hervor, dass es bereits einen Beschluss zur Unterstützung der Vereine gibt! Dieser ist allerdings aus dem Jahr 1987. Selbst die Stadt stellt daher fest, dass hier eine Anpassung nötig wäre – wenn sie denn von den Gemeinderäten gewünscht ist.

Die Unterstützung der Altpapiersammlungen ist wohl auch deshalb in Vergessenheit geraten, weil sie in den vergangenen Jahren nicht notwendig war. Der letzte Zuschuss wurde im April 2010 ausgezahlt. Die Vergütung von 50 DM, also 25,00 Euro, pro Tonne greift erst dann, wenn der Papierindex noch weiter als der aktuelle Stand fallen würde. Und was noch hinzukommt: Mittlerweile sammeln die Vereine mit professioneller Unterstützung, also mit Fachfirmen, die ein Pressfahrzeug sowie einen Fahrer zur Verfügung stellen. Mit der Vergütung der Stadt wäre ein solcher Aufwand nicht zu finanzieren. 1987 wurde wohl allerdings davon ausgegangen, dass die Vereine noch ohne fremde Hilfe sammeln. Heute beansprucht die Fachfirma einen Teil des Verkaufserlöses als Entschädigung für sich.

 

Regelung von 1987 müsste überdacht werden

Doch neben dem geringen Satz, der wohl kaum zur Deckung der Kosten ausreicht, gibt es bei der Regelung aus 1987 noch ein weiteres Problem: Das Geld für die Zuschüsse stammt nach dem damaligen Beschluss aus dem Gebührenhaushalt. Richtig aufgehoben wäre der Zuschuss aus steuerrechtlicher Sicht mittlerweile aber eher im Steuerhaushalt. Darüber hinaus müssten arbeitsrechtliche und haftungsrechtliche Fragen geklärt werden. In einer der nächsten Sitzungen solle das Thema daher erneut auf die Tagesordnung kommen.

Nicht nur die SPD, sondern auch die Karlsruher AfD nutzt die Sitzung des Gemeinderats, um sich per Anfrage über die Auswirkungen des Preiverfalls beim Altpapier auf die Vereine zu erkundigen. Aus der Stellungnahme der Stadt geht hier aber auch hervor, dass auch bei einem Ausfall der Vereine bei der Sammlung die Stadt die zusätzliche Papiermenge entsorgt werden kann. Daraus würden zwar auch Mehrkosten entstehen, aber auch ein höherer Erlös bei der Stadt als bisher.

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