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„Stuttgarter Tatort“ ist packendes Popcorn-TV: Gedreht wurde in Karlsruhe

Nachrichten „Stuttgarter Tatort“ ist packendes Popcorn-TV: Gedreht wurde in Karlsruhe

Quelle: Benoit Linder/SWR/dpa
dpa

Sollte der Blick auf den Sitznachbarn beim nächsten Kino-Abend skeptischer ausfallen, könnte es am neuen Stuttgart-«Tatort» liegen. Denn der Fall um eine Geiselnahme im Kino hinterlässt Spuren.

Wenige Szenen nur, kurze Schnitte, dann fällt der Schuss. Kann das wirklich sein? Hat es den Stuttgarter «Tatort»-Kommissar Bootz nach Dutzenden von Ermittlungen erwischt? Und dann ausgerechnet im Kinosessel und nicht bei einer wilden Schießerei im Hinterhof?

Der neue «Tatort: Verblendung» (Sonntagabend, 20.15 Uhr, Das Erste) hält sich nicht groß auf mit Geplänkel.

Der SWR-Krimi steigt direkt ein in die Spannung. Denn statt in einem gemütlichen Kinoabend landet Sebastian Bootz in einem Alptraum: eine Geiselnahme, zwei ideologisch verblendete und bis an die Zähne bewaffnete Täter, ein Toter, später weitere, Sprengstoff und ein Rennen gegen die Zeit.

Das sind die Zutaten für das klaustrophobisch anmutende ARD-Drama. Und sicher nichts für schwache Nerven – das als Vorwarnung.

 

Geiselnehmer im Kino

Die Filmpremiere haben die beiden schwer bewaffneten Geiselnehmer klug gewählt: Die Gästeliste ist politisch besetzt, der Staatssekretär des Innenministers ist dabei, auch der Polizeipräsident wird nun bedroht.

Die Geiselnehmer fordern die Freilassung von Häftlingen aus der JVA Stammheim, die angeblich in Lebensgefahr schweben. Sie soll nicht dasselbe Schicksal ereilen wie ihren Haft- und Gesinnungsgenossen, der im Gefängnis vergiftet worden sein soll.

Ein «Mord im Staatsauftrag»? Die Geiselnehmer sehen sich im «nationalen Widerstand» gegen eine Regierung, die von «Globalisten» und der «Lügenpresse» gesteuert werde. Könnten sie recht haben mit ihrem krude klingenden Verschwörungsmythos? Oder war alles ganz anders? Sind die Geiselnehmer selbst die Opfer?

 

Besonders drastischer und überdurchschnittlich guter «Tatort»

Regisseur Rudi Gaul und Drehbuchautorin Katharina Adler – beide bereits eingespielt aus den Stuttgarter Folgen «Videobeweis» und «Vergebung» – inszenieren einen packenden Echtzeitthriller mit Sogwirkung, bei dem man im Kino sicher angespannt in die Popcorn-Tüte greifen würde.

Ein Politthriller aber auch, der durch die Thematik von Hinrichtungen und vom Spiel um Leben und Tod arg drastisch daherkommt.

Schnell liegen die Nerven von Geiselnehmern und Opfern blank, offen feilscht die umgehend gespaltene Schicksalsgemeinschaft der Geiseln um das nächste mögliche Opfer.

Stündlich soll es weitere Hinrichtungen geben, während der Krisenstab in einem leerstehenden Einkaufszentrum unter Druck steht und sich das Spezialeinsatzkommando vorbereitet. Verhandeln? Hinhalten? Darf sich der Rechtsstaat wirklich erpressbar machen?

 

Kommissar Lannert hat einen Verdacht

Misstrauen regiert die Gespräche – im Kino, wo sich Geiseln gegen die Politik auflehnen, wo Gerüchte zu Tatsachen verdreht werden, wo verraten und wo gestanden wird. Und bei den Polizisten im Einkaufszentrum, von denen einige in Bootz (Felix Klare) einen Komplizen der Geiselnehmer vermuten.

Lannert (Richy Müller) spürt, dass mehr hinter der Geiselaktion stecken könnte als die Story um Häftlinge in Todesangst. Er recherchiert fieberhaft in den Akten und im Gefängnis, während Bootz alles tut, damit sich die anderen Geiseln im Kino nicht auf die Seite der Verschwörer schlagen.

Das ist Popcorn-TV mit politisch-gesellschaftlicher Relevanz, mit hohem Erzähltempo und mit unerwarteten Wendungen. Und eine «Tatort»-Folge, die in allen Belangen deutlich über den klassischen ARD-Sonntagabend hinausgeht.

Der neue Stuttgart-Tatort ist übrigens in der Karlsruher Kaiserpassage in den Räumen von Jazzclub und Kinemathek gedreht worden.

 

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