News aus Baden-Württemberg
Trockenheit wurmt den Wurm: Tieren im Boden wird es zu warm

News aus Baden-Württemberg Trockenheit wurmt den Wurm: Tieren im Boden wird es zu warm

Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild
dpa

Was ist in der Erde los, wenn es zu wenig regnet? Wenig bis nix, sagen Experten. Regenwürmer verziehen sich in tiefere Erdschichten und auch Kleinstlebewesen schrauben ihre Aktivitäten herunter. Nicht gut für Boden und Ökosystem.

Experten warnen vor den Auswirkungen steigender Temperaturen und fehlender Niederschläge auf Regenwürmer und Kleinstlebewesen in Acker- oder Waldboden. Wegen zu wenig Regens seit Mai im Südwesten könnte auf Regenwürmer ein schwieriges Jahr zukommen. «Je nachdem wie es mit dem Wetter weitergeht, könnte es eng werden», sagte der Agrarbiologe Otto Ehrmann. «Zwei trockene Jahre in Folge wären sehr schlecht.» Die Regenwurm-Population war schon in den Dürrejahren 2015 und 2018 eingebrochen.

Zwar seien Regenwürmer an normale Trockenperioden recht gut angepasst. Sie zögen sich in tiefere Erdschichten zurück oder lebten ohnehin in tieferen Gängen. Manche überbrückten Trockenzeiten in einer Art Starre in Höhlungen im Boden. Allerdings hindere sie die Trockenheit an Nahrungsaufnahme und Fortpflanzung. Nach einem sehr trockenem Sommer schlüpften deutlich weniger junge Regenwürmer als in normalen Jahren.

Ehrmann arbeitet derzeit daran, den Bestand der Tiere zu erfassen und unter anderem den Einfluss des Klimawandels auf die Population zu untersuchen. Zudem soll dieses Jahr eine von ihm betreute Langzeitstudie zur Veränderung der Regenwurmpopulationen in den Südwest-Wäldern Baden-Württembergs als Folge des Klimawandels erscheinen.

Regenwürmer seien für die Qualität der Böden eminent wichtig, sagte Nabu-Landwirtschaftsreferent Jochen Goedecke. Mit ihren Gängen durchlüfteten sie die Böden und machten sie gleichzeitig durchlässiger für Wasser. Aber auch auf Kleinstlebewesen in der Erde wie Pilze, Bakterien und Fadenwürmer hätten höhere Temperaturen und wenig Regen Auswirkungen.

«Jede Struktur, jeder Prozess hat seine optimale Temperatur», sagte er. «Wenn die weiter ansteigt, können auch diese Organismen nicht mehr so aktiv sein.» Abläufe wie etwa der Abbau von Totholz und andere für die Umgebung und die Böden wichtige Verrottungsprozesse würden unterbrochen oder zumindest nicht mehr so gut funktionieren.

Auch aus Sicht von Sarah Bluhm, Expertin für Boden und Umwelt bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg, werden sich Klimawandel und aufeinanderfolgende heiße Sommer auf das Leben im Boden und damit auf die Bodenqualität auswirken. Wie genau, sei aber noch unklar. Die Kleinstlebewesen seien sehr divers, schwer zu bestimmen und «die Abläufe im Boden so komplex, dass es schwer zu sagen ist, wie sich das System entwickelt». Das Bodentiermonitoring stecke insgesamt noch in den Kinderschuhen. Allgemein aber könne man sagen, dass im Boden lebende Pilze oder Bakterien inaktiv werden, wenn es zu trocken und kein verfügbares Wasser in der Nähe sei.

Studien etwa in der Schweiz hätten gezeigt, dass im Rahmen eines Versuchs, bei dem Böden in einem Teil eines Waldes bewässert wurden und im anderen Teil nicht, es im trockenen Teil weniger Humus gegeben habe, sagte sie. Die den Boden zersetzenden Organismen litten unter dem Klimawandel. Wenn im Klima-Extremfall Bäume wegen der Trockenheit en masse absterben, wie das in kleinem Maßstab jetzt schon zu beobachten sei, «dann werden wir eine massive Veränderung der Gemeinschaft im Boden und damit der Qualität des Bodens erleben», sagte die Biologin.

Positiv sei, dass Laub oder Totholz zersetzende Kleintiere sehr resilient und in der Lage seien, schlechte Bedingungen lange zu kompensieren. Insgesamt könne ihre Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. «Bodenlebewesen sind an der Speicherung von Kohlenstoff beteiligt, an der Rückführung von Nährstoffen und haben auch Einfluss auf die Wasserqualität.»

Auch Ehrmann und Goedecke zeigten sich zuversichtlich, dass es den kleinen Lebewesen im Boden bald wieder besser gehen könnte. «Grundsätzlich können Regenwurm-Populationen sich gut erholen», betonte Ehrmann. Auch 2003 sei schon ein extrem trockenes Jahr gewesen, sagte Goedecke – «aber auf lange Sicht hat das nicht so wahnsinnig viel ausgemacht. Er betonte, dass der Mensch neben allgemeinen Maßnahmen gegen den Klimawandel auch den Böden helfen könne: Etwa durch Fruchtwechsel oder damit, Böden ganzjährig mit Pflanzen zu bedecken und somit vor Hitze zu schützen.

 

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