News aus Baden-Württemberg
Vögel in Gefahr: Landkreis verordnet Katzen Hausarrest

News aus Baden-Württemberg Vögel in Gefahr: Landkreis verordnet Katzen Hausarrest

Quelle: Stefan Sauer
dpa

Radikale Maßnahme für den Vogelschutz: Viele Bewohner der Stadt Walldorf im Rhein-Neckar-Kreis müssen ihre Hauskatzen ab sofort den ganzen Sommer über einsperren.

Freigang vorerst verboten: Viele Hauskatzen dürfen in Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) bis Ende August das Haus nicht mehr verlassen. Um die vom Aussterben bedrohte Haubenlerche zu schützen, hat das Landratsamt eine wohl bundesweit einmalige Allgemeinverfügung erlassen. Demnach dürfen Hauskatzen im südlichen Teil der Stadt bis Ende August 2022 sowie in den nächsten drei Jahren jeweils von April bis August nicht mehr vor die Tür.

Kritik am Vorgehen wies das Landratsamt am Mittwoch zurück. Für den Fortbestand der Haubenlerche komme es «auf das Überleben jedes einzelnen Jungvogels» an, so der Landkreis. Zuvor hatten schon andere Medien über die Anordnung berichtet.

Kritik daran kam unter anderem von der Landestierschutzbeauftragten, Julia Stubenbord: «Es ist sehr kritisch, Katzen länger einzusperren. Das bedeutet erheblichen Stress und Leid, wenn man den Freigang völlig beschneidet.» Der Tierschutzverein Wiesloch/Walldorf kündigte an, sich juristisch gegen die Allgemeinverfügung wehren zu wollen, wie die «Rhein-Neckar-Zeitung» berichtete. «Bewahren Sie bitte Ruhe», richtete sich der Vereinsvorsitzende Volker Stutz dem Blatt zufolge an die Katzenhalter. «Ich versichere Ihnen, dass wir unser Bestes geben, um diese unverhältnismäßige Maßnahme zu stoppen.»

Alternative zu Hausarrest: Katze an die Leine nehmen

Katzenbesitzern, die sich nicht an den Hausarrest für ihr Tier halten, droht ein Zwangsgeld von 500 Euro. Und bis zu 50 000 Euro können fällig werden, wenn die Katze einen der seltenen Vögel verletzt oder tötet. Wer seiner Katze den Freigang doch ermöglichen will, kann eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Entweder muss er mit GPS-Daten nachweisen, dass das Tier nicht im entsprechenden Gebiet unterwegs ist, oder er führt es an einem Geschirr aus – also Gassi mit der Katze. Die Leine dürfe aber nicht länger als zwei Meter sein. Kritiker halten diese Lösungen für schwer umsetzbar. Und die vorgeschlagene vorübergehende Unterbringung in einer Tierpension könne ganz schön ins Geld gehen, gab Stubenbord zu bedenken.

Die Allgemeinverfügung sei absolut realitätsfern, erklärte der Landestierschutzverband. Der Deutsche Tierschutzbund nannte die Regelung unverhältnismäßig. Der Rückgang von Arten wie der Haubenlerche und vieler anderer Vogelarten sei in erster Linie auf den Verlust von Lebensräumen und Nahrung zurückzuführen – unter anderem durch die Intensivierung der Landwirtschaft, die Bebauung von Brachflächen sowie das Insektensterben. «Der negative Einfluss von Katzen auf die Bestände von Singvögeln ist ohnehin umstritten und für die Haubenlerche in Walldorf nach unserer Kenntnis bisher nicht bewiesen.»

Der Naturschutzbund verteidigte die Entscheidung des Landratsamts. Grundsätzlich müsse sich in der Landwirtschaft etwas ändern, damit Agrarvögel wie die Haubenlerche, aber auch der Kiebitz und die Feldlerche, eine Zukunft haben. «Denn Feld- und Wiesenbrüter zählen zu den am stärksten gefährdeten Vogelarten im Land.» Dass die Haubenlerche bei uns großflächig ausgestorben sei, liege nicht an der Hauskatze – sie ist ein zusätzlicher negativer Faktor.

Petitionsausschuss: Hauskatzen brauchen Freilauf

Eine praktische rechtliche Umsetzung einer Begrenzung des Freilaufs von Hauskatzen wird aus Sicht des Stuttgarter Agrarministeriums kaum praktikabel sein. Es verwies auf eine ähnliche Fragestellung und Entscheidung des Petitionsausschusses des Bundestages vom Februar. Demnach sei es aus Tierschutzgründen unzumutbar, Hauskatzen jeglichen Freilauf zu verbieten. Auch sei es mit dem Wesen von Katzen unvereinbar, sie beim Freilauf an der Leine zu halten. Zudem sei es ein unverhältnismäßiger Eingriff in die Rechte von Tierhaltern, wenn diese ihre Gärten vollständig umzäunen müssten, um ein Entkommen der Katzen zu verhindern, oder wenn die Anschaffung von Hauskatzen schlechthin verboten wäre.

 

Weitere Nachrichten

Mutmaßlicher Drogendealer bunkert eine Million Euro Bargeld im Kreis Karlsruhe

Bei einer Wohnungsdurchsuchung in Oberhausen-Rheinhausen stößt die Polizei auf eine Million Euro Bargeld und Drogen. Was die Ermittler sonst noch fanden.

Erste Hürde genommen – Europa-Park will siebtes Hotel bauen

Bis zu 350 Zimmer mehr: Es gibt grünes Licht für die Planung rund um Deutschlands größten Freizeitpark. Warum Besucher aber noch Geduld brauchen.

Laut Studie: Männer hören Frauen im Landtag weniger aufmerksam zu

Dass Abgeordnete häufig mal aufs Handy schauen, kennen Beobachter des Landtags. Offenbar mache es aber einen gewissen Unterschied, ob vorne eine Frau oder ein Mann redet, wie eine Studie nun nahelegt.

Karlsruher Schloss wird saniert: Wie das Badische Landesmuseum umzieht

Das Badische Landesmuseum muss ins Depot, weil das Karlsruher Schloss saniert wird. Das ist mit einigen Herausforderungen verbunden. Ein Blick hinter die seit Ende September verschlossene Kulisse.

BBBank in Karlsruhe meldet Rekordergebnis nach Fusion mit PSD Bank

Die BBBank gewinnt 36.000 neue Kunden und steigert ihren Gewinn deutlich. Für das laufende Jahr ist bereits die nächste Fusion geplant.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 













Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.