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Wandel am Berg – Warum die Bergwacht gefordert ist wie nie

News Wandel am Berg – Warum die Bergwacht gefordert ist wie nie

Quelle: Silas Stein/dpa/Symbolbild
dpa

Die Bergwacht Schwarzwald erlebt einen grundlegenden Wandel: mehr Naturbesucher, neue Risiken, steigende Anforderungen – und alles im Ehrenamt. Wie sich die Arbeit der Retter verändert hat.

Sind Adrian Probsts Kollegen an einem Wintermorgen auf dem Feldberg unterwegs, summt oft eine Drohne über dem verschneiten Hang. Sie kreist dort, wo vielleicht kurz zuvor ein Skifahrer gestürzt ist oder wo sich ein Tourengeher verirrt hat. Unten blinken Blaulichter, im Funk knistern Stimmen – Routine und Ausnahme zugleich für die Bergwacht Schwarzwald und ihren Landesvorsitzenden Probst.

Hunderte Male im Jahr rücken die Retter aus, um Verletzte zu versorgen, Vermisste zu suchen oder in unwegsamem Gelände zu helfen. Früher bestimmten vor allem Ski- und Wanderunfälle den Alltag der Ehrenamtlichen, heute ist das Spektrum deutlich breiter. Anfang der 1990er Jahre fielen im Schwarzwald rund 250 Einsätze an, inzwischen sind es fast sechsmal so viele. «Wir sind mittlerweile bei etwa 1.400 bis 1.500 Einsätzen im Jahr», sagt Probst, der auch Bürgermeister von St. Blasien ist. Sommer und Winter sind dabei fast gleich stark ausgelastet.

Menschen sind häufiger draußen

Neben klassischen Unfällen beschäftigen die Teams immer häufiger Mountainbike-Stürze, Gleitschirm-Notlandungen, Tierrettungen oder Sucheinsätze in schwierigem Gelände. Auch medizinische Notfälle nehmen zu. «Es sind immer mehr Menschen draußen unterwegs – und das Publikum wird älter», erklärt Probst. «Man ist heute nicht mehr nur mit 30, 40 Jahren auf der Piste oder beim Gleitschirmfliegen, sondern auch noch jenseits der 70 und 80.» Herzinfarkte oder Schlaganfälle ereignen sich deshalb zunehmend auf Langlaufrunden oder beim E-Biken.

Die Anforderungen an Ausbildung und Qualifikation wachsen mit. Mehrere Hundert Stunden Grundausbildung sind Pflicht, reichen aber oft nicht aus. Viele Ehrenamtliche spezialisieren sich zusätzlich – auf Hubschrauberwinden, Drohnenführung, technische Rettung oder Datenanalyse. Die Belastung steigt, weil Einsätze längst nicht mehr nur am Wochenende stattfinden, sondern auch abends oder unter der Woche. «Und unsere Einsätze dauern oft nicht nur eine halbe Stunde, sondern gern auch mal einen halben Tag», sagt Probst. Arbeitgeber müssten Mitarbeitende dann spontan freistellen.

Ahrtal-Katastrophe war ein Weckruf

Durch Stürme, Hochwasser oder Erdrutsche rückt auch der Katastrophenschutz stärker in den Fokus. Jahrzehntelang kaum ein Thema, spielt er seit extremen Wetterlagen wieder eine wichtige Rolle. «Die Katastrophe im Ahrtal war ein Weckruf», sagt Probst. Die Bergwacht soll künftig dort helfen, wo Straßen unpassierbar sind oder Orte vorübergehend abgeschnitten. Mit Drohnen oder geländegängigen Fahrzeugen liefern Teams Lagebilder für die Einsatzleitungen.

Auch die Kostenfrage ist komplex. Notfalleinsätze übernimmt die Krankenkasse. Bei erschöpften oder verirrten Wanderern greifen häufig Zusatzversicherungen. «Dass jemand eine Rechnung bekommt, passiert sehr selten», betont Probst. Dann ist die Bergwacht auf Spenden und Fördergeld angewiesen.

Wenn die Bergwacht selbstverständlich wird

Kritisch sieht Probst hingegen Fälle, in denen die Hilfe der Bergwacht geradezu eingeplant wird. «Das ist für einige Menschen einfach eine Selbstverständlichkeit. Und das ist es halt nicht.» Es gebe Fälle, in denen erschöpfte Wanderer auf einem schmalen Weg nicht weiterkommen, sondern einfach mal zum nächsten Auto oder zum Wanderparkplatz zurückgebracht werden möchten. Andere haben sich beim Wandern verlaufen und müssen gesucht und gerettet werden – in den meisten Fällen ohne jedes medizinische Problem.

Rettung auf Rechnung?

Bisher habe die Bergwacht solche Einsätze eher kulant gehandhabt, obwohl die Preise im Entgeltkatalog der Organisation festgehalten seien. «Man kann aber nur so lange ein Auge zudrücken, wie man es sich als Bergwacht leisten kann», sagt Probst. «Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir solche Kosten künftig denjenigen in Rechnung stellen, die nicht Fördermitglied bei der Bergwacht sind.»

Mit Blick auf die Wintersaison appelliert die Bergwacht an die Eigenverantwortung: passende Ausrüstung, warme Kleidung, Getränke und ein geladenes Handy. «Dann kann man fast alles machen – und im Notfall die 112 wählen», sagt Probst. Wichtig sei eine realistische Selbsteinschätzung. «Man sollte sich fragen: Bin ich heute in der körperlichen Verfassung, die Tour zu meistern?» Immer wieder komme es zu Unfällen, weil Menschen ihre Kondition überschätzen oder Wetter und Tageszeit falsch einschätzen.

 

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