News aus Baden-Württemberg
Wenig Interesse an Rückbau von Schottergärten

News aus Baden-Württemberg Wenig Interesse an Rückbau von Schottergärten

Quelle: Felix Kästle
dpa

Wer will seinen Schottergarten zurückbauen? Eigentlich niemand, so der Eindruck des Landesnaturschutzverbandes oder auch der Gartenbaubetriebe. Auch das Interesse an Förderprogrammen für den Rückbau geht gegen null.

Gartenbesitzer trennen sich offenbar ungern von Schottergärten – obwohl manche Südwest-Kommunen den Rückbau der Steinwüsten sogar finanziell unterstützen, ist das Interesse mau. So verzeichnete beispielsweise die Stadt Walldorf bisher keine einzige Anfrage, wie ein Stadtsprecher mitteilte. Bis zu 1300 Euro zahlt die Stadt demjenigen, der die insektenfeindlichen Schotterflächen aus seinem Garten entfernt und stattdessen dauerhaft begrünt. «Bisher wurde noch kein Antrag gestellt», sagte der Sprecher.

Auch Pforzheim will Gartenbesitzer mit bis zu 500 Euro unterstützen, wenn sie Schottersteine gegen Grünflächen, Blumen oder Stauden tauschen wollen. Bisher sei allerdings erst ein Antrag eingegangen, teilte ein Sprecher der Stadt mit. Karlsruhe hatte Ende 2021 für sechs Wochen ein zusätzliches Förderbudget für den Rückbau der Steinwüsten aufgelegt – auch hier gab es wenig Resonanz: Aus fünf Beratungen seien letztlich drei bewilligte Förderungen geworden, sagte ein Sprecher.

Wie viele solcher Gärten es im Südwesten gibt, ist unklar. Der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau hat keine Zahlen dazu, ebenso wenig wie der Landesnaturschutzverband (LNV) Baden-Württemberg. Auch Walldorf, Pforzheim und Karlsruhe haben dazu keine Informationen jeweils für ihre Stadt. Neuanlagen solcher insektenfeindlicher Habitate sind seit der Novellierung des Naturschutzgesetzes im Juli 2020 im Südwesten ohnehin verboten.

Insgesamt sei die Haltung von Gartenbesitzern und auch Kommunen «erschreckend gleichgültig», erläutert eine Sprecherin des Landesnaturschutzverbandes. Wenn Privatleute Schottergärten trotz des Verbots anlegten und das den zuständigen Baurechtsbehörden gemeldet werde, komme von dort oft keine Reaktion «oder stattdessen die Antwort, keine Kapazität zu haben, dem nachzugehen».

Immerhin ist die Nachfrage bei Gartenbetrieben nach neuen Schottergärten praktisch tot, sagt ein Sprecher des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. «Kein redlicher Betrieb würde einen solchen Auftrag noch annehmen», erläutert er.

Gartenbau-Betriebe berichten ebenfalls von wenig Nachfrage am Rückbau. «Die Schotterliebhaber sind in der Regel sehr überzeugt von ihrem „Garten“», berichtet Thomas Westenfelder von der Firma Westenfelder Garten- und Landschaftsbau in Eggenstein-Leopoldshafen (Kreis Karlsruhe).

Auch die Firma Mohr Garten- und Landschaftsbau in Gondelsheim (Kreis Karlsruhe) trifft bei ihren Kunden auf null Interesse, was Aufträge für den Rückbau betrifft. «So gut wie niemand kommt auf uns zu», sagt Inhaber Markus Mohr. Er hat jetzt 2000 Stauden gekauft und bietet sie ab Mai auf seiner Website an für einen Euro pro Stück – «für jeden, der einen Quadratmeter seines Schottergartens zurückbaut und dort eine dieser Stauden setzt».

 

Weitere Nachrichten

Steigende Gebühren: Mehr als 1.000 Euro für die Kita? Eltern fordern Reform

Mehr als 1.000 Euro pro Monat für einen Kita-Platz? In vielen Kommunen steigen die Kita-Gebühren weiter. Was Eltern jetzt zahlen müssen und warum die Belastung unterschiedlich ausfällt.

Reaktion auf Niedrigwasser: Lockerung des Lkw-Fahrverbots wird weiteren Monat verlängert

Eigentlich dürfen Lkw im Land an Sonntagen und Feiertagen nicht unterwegs sein. Wegen der niedrigen Flusspegel gibt es aber seit August eine Ausnahme - und die gilt erst einmal weiter.

Senior stirbt nach Wohnungsbrand in Bruchsal

Nach dem Brand in seiner Wohnung in Bruchsal (Kreis Karlsruhe) ist ein Senior seinen Verletzungen erlegen. Der 76-Jährige starb in einem Krankenhaus, wie die Polizei mitteilte.

Jubiläum in Karlsruhe: Das Bundesverfassungsgericht wird 75

In politisch stürmischen Zeiten feiert das Bundesverfassungsgericht sein 75-jähriges Bestehen. Bleibt das Gericht der freiheitlich-demokratische Fels in der Brandung?

Karlsruhe besonders betroffen: Invasive Ameise Tapinoma in 90 Kommunen nachgewiesen

Im Südwesten treiben invasive Ameisen Kommunen sowie Anwohner zur Verzweiflung. Immer mehr Kommunen sind betroffen. Warum eine Ausrottung kaum möglich ist und die Bekämpfung teuer.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 













Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.