Veränderung am Arbeitsmarkt ist spürbar
Arbeitsmarkt in Karlsruhe steht vor „turbulenten Jahren“

Veränderung am Arbeitsmarkt ist spürbar Arbeitsmarkt in Karlsruhe steht vor „turbulenten Jahren“

Quelle: Thomas Riedel

Das Jahr 2019 endete für die Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt sehr positiv – die Zahl der Arbeitslosen ist so niedrig wie lange nicht mehr. Doch in den kommenden Jahren kommen viele Herausforderungen auf das Arbeitsamt zu. meinKA mit den Hintergründen.

Gute Ausgangslage, weniger gute Aussichten

Mit einer Arbeitslosenquote von im Schnitt 3,2 Prozent im Gesamtbezirk der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt konnte Ingo Zenkner, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt, ein positives Fazit für das abgelaufene Kalenderjahr ziehen. „Wir hatten einen extrem guten Arbeitsmarkt in den letzten zehn Jahren“, so Zenkner bei einer Pressekonferenz zum Jahresauftakt am Donnerstag, 30. Januar 2020. Doch auch wenn diese Zahl zunächst positiv klingt – immerhin ist es einer der Bestwerte seit der Wiedervereinigung –, darauf ausruhen kann und will sich Zenkner nicht.

„Jetzt wird es etwas komplizierter“, ist sich der Fachmann im Bezug auf den Arbeitsmarkt sicher. Und diesen Eindruck konnte er auch gleich anhand der aktuellen Januar-Zahlen belegen. „Wir spüren eine konjunkturelle Abkühlung“, erklärt er. Die Einstellungsbereitschaft geht etwas zurück. So ist das Wachstum der Personen, die auf Jobsuche sind, höher als die Zahl der Jobs, die auf den Arbeitsmarkt kommen. Dies sei ein frühes Zeichen für ein vorsichtigeres Handeln in manchen Branchen. Nichtsdestotrotz sind es „deutlich mehr Arbeitslose als im Vormonat und auch im Vorjahr, aber das alles basierend auf einem robusten Arbeitsmarkt in einer gesunden Region“, so Zenkner weiter.

 

Arbeitsmarkt steht vor Veränderungen

Im Januar 2020 liegt die Arbeitslosenquote bei 3,6 Prozent. Zum Vergleich: Deutschlandweit liegt die Quote im gleichen Zeitraum bei 5,2 Prozent. Die Tatsache, dass mehr Menschen zu Beginn des Jahres arbeitslos sind, ist an sich nicht ungewöhnlich. So treten Kündigungen zum Jahreswechsel in Kraft, zudem sind durch das Ende des Weihnachtsgeschäfts weniger Arbeiter nötig. Auch witterungsbedingt ist die Zahl der benötigten Arbeitskräfte geringer als sonst im Jahr. Konkret sind aktuell im Bezirk Karlsruhe-Rastatt 20.891 Menschen ohne Arbeit, 830 mehr als im Vormonat. Im Gesamtangebot gibt es derzeit 7.269 unbesetzte Arbeitsstellen.

Ingo Zenkner möchte in Anbetracht der abkühlenden Konjunktur nicht von einer Krise sprechen, „aber es lohnt sich, eine genauere Analyse vorzunehmen“, so der Chef der Karlsruher Arbeitsagentur weiter. Denn in dem nun beginnenden Jahrzehnt rechnet er mit noch weiteren Themen, die den Arbeitsmarkt beeinflussen werden.

 

Arbeitnehmer muss mit Arbeitsmarkt Schritt halten

Dazu zählt die Transformation zur Digitalisierung und die Frage, welche Rolle die Arbeitskräfte in den Unternehmen einnehmen, die sich mehr und mehr auf die Unterstützung von Computern verlassen. Zudem bleibe abzuwarten, wie sich der Trend E-Mobilität und die dortige Nachfrage an Arbeitskräften entwickelt – gleiches gelte für den großen Komplex der Nachhaltigkeit und der damit verbundenen Industrie. Ein großes Thema sei aber auch der demografische Wandel: „In den kommenden zehn Jahren gehen alle geburtenstarken Jahrgänge in Rente“. Alle vier dieser Trends können zu einem Arbeitskräftemangel führen, dem Zenker schon heute vorbeugen will.

Sein Schlüssel für die Lösung des Problems ist die Qualifizierung. Menschen sollen durch gezielte Schulungen auf die Arbeitsmärkte vorbereitet werden, in denen Kräfte fehlen. Rund 3.000 Menschen haben im vergangenen Jahr eine berufliche Qualifizierung im Gesamtbezirk besucht. Doch er ist sich dessen bewusst, dass damit auch nicht alle Menschen angesprochen werden können – sei es beispielsweise, weil sie aus Sprachgründen oder aufgrund mangelnder Motivation nicht für eine Qualifizierung in Frage kommen. Hier sollen Teil-Qualifizierungen helfen, also das modulare Aufteilen des gesamten Prozesses, um den Einstieg zu erleichtern und „Geschmack auf mehr zu machen“.

 

Intensivere Beratung auch für Berufstätige geplant

Neu ist der Ansatz einer Beratung für Berufstätige. Doch warum das Ganze? „Wir wollen auch an die Beschäftigten denken, die durch die Transformation zur Digitalisierung betroffen sind. Sie müssen ebenfalls qualifiziert werden“, erklärt Zenkner. Das Ziel: Entlassungen zu verhindern, indem freie Stellen nicht durch Neueinstellungen, sondern durch bestehende Kräfte besetzt werden. Für solche innerbetrieblichen Qualifizierungen sollen die Betriebe auch eine finanzielle Unterstützung erhalten. Für diese Beratungen sollen auch in der Karlsruher Arbeitsagentur neue Stellen geschaffen werden.

„Die folgenden Jahre werden turbulent“, ist sich Ingo Zenkner sicher. Auch weil noch völlig unklar ist, wie sich die Megatrends in der Gesellschaft entwickeln werden. „Egal wie alt die Leute sind und welcher Hintergrund: Wir müssen alle Leute mitnehmen, anders geht das gar nicht“, betont er im Bezug auf die Menschen im beruflichen Umfeld. Fest steht für den Chef der Karlsruher Arbeitsagentur zudem, dass er sich und sein Team schon jetzt für die Herausforderungen am Arbeitsmarkt vorbereiten möchte.

Auch interessant


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Daumen hoch, wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, oder zeigen Sie uns, dass wir uns verbessern können.

0%
0%

Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.