Die Vergangenheit der Fächerstadt
Blick in die Geschichte: Die Kleine Kirche mitten in der Stadt

Die Vergangenheit der Fächerstadt Blick in die Geschichte: Die Kleine Kirche mitten in der Stadt

Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe 8/Bildstelle III 1335

Im Vergleich zu anderen Städten ist die Geschichte von Karlsruhe recht jung – aber dennoch nicht weniger interessant! In der Historie unserer Fächerstadt verstecken sich nämlich so manche abenteuerliche und wissenswerte Ereignisse und Erzählungen.

Karlsruhes „Kirche der Stille“

 

Zentral gelegen und von jedem Karlsruher zumindest schon von außen gesehen, ist die Kleine Kirche aus der Stadt nicht mehr wegzudenken. Direkt an der Kaiserstraße nahe des Marktplatzes ist das Gebäude zu finden, das inmitten des hektischen Trubels auch als „Kirche der Stille“ dienen soll.

meinKA wirft einen Blick zurück auf die Geschichte der Kleinen Kirche. 

 

Kleine Kirche | Quelle: Peter Eich

 

Die Entstehung der Kleinen Kirche

Die Kleine Kirche ist eines der ältesten Kirchengebäude in der Fächerstadt. Sie stammt noch aus der Gründungszeit der Stadt. Gebaut wurde sie von 1719 bis 1722 – damals aber komplett aus Holz. Ihr Bau war ein Geschenk des lutherischen Markgrafen an seine Schwiegertochter Prinzessin Amalie von Nassau. Diese gehörte der reformierten Kirche an. Das neue Gebäude war damit auch für die reformierte Gemeinde in Karlsruhe, die eine Minderheit darstellte. Das Pfarrhaus und eine kleine Schule fanden auf dem Nachbargrundstück Platz.

Aufgrund des Baumaterials war die Kleine Kirche aber rund 25 Jahre nach der Erbauung bereits in einem sehr schlechten Zustand. Es dauerte aber noch einmal über 25 Jahre, bis der Auftrag zum Bau einer neuen Kirche an Wilhelm Jeremias Müller, den markgräflichen Baumeister, vergeben wurde. Dieser entwarf eine Saalkirche mit spätbarocken Elementen. Die Bauzeit war in den Jahren 1773 bis 1776, das Gebäude im französischen Stil bestand aus rotem Grötzinger Sandstein. Am 2. Juli 1775 wurde in der Kleinen Kirche die erste Predigt gehalten.

Im Jahr 1780 wurde der Friedhof hinter der Konkordienkirche – die erste Kirche der Fächerstadt am Ort der heutigen Pyramide – in die östlich davon gelegenen Gärten erweitert. Gleichzeitig wurde der Friedhof hinter der Kleinen Kirche geschlossen. 1807 schenkten die in Karlsruhe ansässigen Katholiken der Kirche Glocken.

In den Jahren von 1823 bis 1833 diente die Kleine Kirche als Garnisonskirche. Zuvor hatte sie aufgrund der Vereinigung von lutherischer und reformierter Kirche (1821) an Bedeutung verloren.

 

Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg

Während der Bombenangriffe über Karlsruhe im Zweiten Weltkrieg wurde die Kleine Kirche Ende September 1944 schwer beschädigt.

 

Kleine Kirche 1946

Die Kleine Kirche im Jahr 1946 nach der Zerstörung | Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVc 186

 

Doch bereits am Anfang des Wiederaufbaus wurde auch die Kirche originalgetreu wiederhergestellt und am 27. November 1949 eingeweiht. Der Wiederaufbau des Kirchengebäudes war nur möglich durch das große finanzielle Engagement der Bürger Karlsruhes. Da die Kleine Kirche eine der ersten war, die in der Fächerstadt wieder aufgebaut war, diente sie im Anschluss neun Jahre als Ersatz für die Evangelische Stadtkirche.

 

Kleine Kirche Karlsruhe 1948

Wiederaufbau der kriegsbeschädigten Kirche 1948 | Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVc 54

 

Nachdem in den Jahren 1995 und 1996 der Innenraum der Kirche umfassend renoviert wurde, ging es 2014 bis 2015 an die Außenrenovierung.

Heute soll die Kleine Kirche im Zentrum der lebendigen Stadt den Menschen als Ort der Ruhe dienen. Wöchentlich findet hier am Sonntagabend ein Gottesdienst statt, außerdem Trauungen und Taufen, Familiengottesdienste der „Kinderstadtkirche“, Mittagskonzerte der Studierenden der Hochschule für Musik Karlsruhe sowie weitere Konzerte und Veranstaltungen.

 

Die Orgeln in der Kleinen Kirche

Nachdem die Orgel, die nach der Fertigstellung in der Kirche zu finden war, unbrauchbar geworden war, erhielt das Gebäude 1839 eine neue. 1950 gab es wieder eine neue Orgel, dieses Mal der Firma Steinmeyer mit zwei Manualen und 20 Registern. 2013 entschied die Gemeinde, die in die Jahre gekommene Steinmeyer-Orgel zu ersetzen. Das 70 Jahre alte Instrument aus Karlsruhe ging im Oktober 2019 als Geschenk an eine Gemeinde in Brasilien. Zuvor war sie in einer ehrenamtlichen Aktion abgebaut und mit dem Schiff in das südamerikanische Land gebracht worden.

Unter dem Motto „Kleine Kirche – Großer Klang!“ sammelte die Evangelische Alt- und Mittelstadtgemeinde über 350.000 Euro für eine neue Orgel. Am 22. März 2019 war es so weit: Die Orgel der Firma Lenter wurde feierlich eingeweiht. Die neue Orgel, die sich über dem Altar befindet, entspricht technisch und klanglich dem klassizistischen Innenraum. Das Instrument hat 22 Register auf zwei Manualwerken und Pedal.

 

Kleine Kirche 1976

Festakt zum 200-jährigen Jubiläum 1976: In der Bildmitte Oberbürgermeister Otto Dullenkopf am Mikrofon während seiner Ansprache. | Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger 1976 A31/151/1/23

 

5 Fakten über die Kleine Kirche

  • Nur 200 Sitzplätze bietet die Kleine Kirche – und macht somit ihrem Namen alle Ehre.
  • 1952 erhielt die Kirche ein „neues“ vierstimmiges Geläut – darunter eine historische Glocke aus dem Jahr 1767, die gerettet werden konnte.
  • Bereits bei deren Einweihung war eine Orgel vorhanden. Sie war damit, nach der Orgel der Schlosskirche, die erste „öffentliche“ Kirchenorgel der Stadt Karlsruhe.
  • Aufgrund des fächerförmigen Grundrisses der Stadt besteht bis heute freier Blick zwischen dem Karlsruher Schloss und der Kleinen Kirche.
  • Auf der Turmspitze der Kirche befindet sich der „Fürstenhut“ – als ein Zeichen der Verbundenheit des Markgrafen Karl Friedrich von Baden mit der reformierten Kirche.

 

Kleine Kirche 1948

Turmkrone vor der Montage 1948 | Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIVc 57

 

Mehr zum Thema: Kirchen & Moscheen – die Religionen in Karlsruhe

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