News aus Baden-Württemberg
Bodensee Top, Stuttgart Flop: Tourismus erholt sich langsam

News aus Baden-Württemberg Bodensee Top, Stuttgart Flop: Tourismus erholt sich langsam

Quelle: Christoph Schmidt/dpa/Symbolbild
dpa

Die vielzitierte «Corona-Delle» hat der Tourismus im Südwesten inzwischen weitestgehend überwunden. In einigen Urlaubsregionen dürfte es im Sommer wieder voll werden. Andernorts sieht es aber noch alles andere als rosig aus.

Volle Häuser und Campingplätze am Bodensee, mühsames Heranrobben an das Vorkrisenniveau in Stuttgart und andernorts: Der Tourismus im Südwesten hat sich nur teilweise vom Corona-Einbruch erholt. Bei den Übernachtungszahlen lag die Branche im Land vergangenes Jahr erst wieder auf dem Stand von 2016, wie das Statistische Landesamt am Donnerstag mitteilte. In den beliebten Urlaubsregionen könnte es aber auch dieses Jahr wieder voll werden, Branchenvertreter hoffen sogar auf ein Rekordjahr 2023.

Vor allem rund um den Bodensee und in Oberschwaben waren die Übernachtungen wieder annähernd auf dem Niveau von 2019. Im Schwarzwald kamen hingegen noch nicht alle Gäste zurück. Und die Region Stuttgart hing den Übernachtungszahlen vor der Pandemie noch um satte 19 Prozent hinterher. Insgesamt wurden 2022 rund 52 Millionen Übernachtungen in Baden-Württemberg gezählt. Das waren neun Prozent weniger als 2019, aber 47 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Trend zu Individualreisen zeichnete sich in den Zahlen ab: So wurde in Ferienhäusern oder -wohnungen im vergangenen Jahr rund 16 Prozent häufiger genächtigt als noch 2019, bei Campingplätzen betrug das Plus 8 Prozent. Hotels, die nach wie vor die mit Abstand meisten Übernachtungsgäste zählen, lagen hingegen noch 15 Prozent unter Vorkrisenniveau. Schon vor der Pandemie habe es einen Trend weg von den Pauschalreisen und hin zum autarken Reisen gegeben, sagte Tourismusstaatssekretär Patrick Rapp (CDU).

Vor allem die Auslandstouristen sind aber noch nicht zurückgekommen: Die Zahl der Übernachtungen von ausländischen Gästen lag im vergangenen Jahr noch 19 Prozent unter dem Wert von 2019. Wichtigstes Herkunftsland ist die Schweiz. Bei Gästen aus Deutschland, die den Großteil der Übernachtungen ausmachen, betrug das Minus noch rund sechs Prozent. Die Zurückhaltung aus dem Ausland könne auch mit der Berichterstattung über Zugausfälle oder den vergangenen Flughafenstreiks zu tun haben, so Rapp.

Für das Jahr 2023 erwarteten einige Regionen dennoch neue Besucherrekorde, sagte Jochen Alber, Geschäftsführer beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Baden-Württemberg. Er empfehle, rechtzeitig zu buchen. Der Trend zu immer kurzfristigeren Buchungen halte aber an. Früher habe der Vorlauf in der Regel vier Wochen betragen, heute sei es eher eine Woche. «Die Entscheidungen sind aus Verbrauchersicht kurzfristiger geworden. Man lässt sich Zeit, um notfalls ohne Stornokosten noch mal abspringen zu können.»

Für die Betriebe bedeute, dass zusätzliche Planungsunsicherheit, die vor allem kleineren Häusern zu schaffen mache. Ein Hotelier habe ihm zuletzt berichtet, dass er wisse, dass er in den kommenden Wochen ausgebucht sein werde – richtig sicher sei das aber immer erst ein paar Tage vorher. «Das war früher anders.»

Abseits der klassischen Tourismusregionen sehe es mit der Erholung von der Corona-Pandemie noch nicht ganz so rosig aus, sagte Alber. Bei Geschäftsreisen, aber auch im Zuge von Messen oder Veranstaltungen sei das Niveau von 2019 noch nicht erreicht – und könnte künftig eventuell auch nicht mehr erreicht werden. Es brauche daher neue Vermarktung. Da seien in der Vergangenheit Potenziale nicht ausgeschöpft worden – Stuttgart etwa könne seine Volksfeste oder Automobilmuseen noch mehr ins Schaufenster stellen.

Im Laufe der Corona-Jahre sind im Tourismus Rapp zufolge Zehntausende Arbeitsplätze verloren gegangen. Die Zahl der rechnerischen Vollzeitstellen reduzierte sich demnach von 380 000 im Jahr 2019 auf 250.000 im Jahr 2021. Derzeit sei aber bemerkbar, dass viele verloren geglaubte Fachkräfte zurückkehrten, berichtete etwa Dehoga-Mann Alber. Hintergrund ist seiner Einschätzung nach auch, dass mit dem neuen Tarifvertrag für die Gastronomie nun auch höhere Löhne winken.

 

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