News aus Baden-Württemberg
Freie Fahrt in Bussen: Walldorf und St. Leon-Rot Vorreiter

News aus Baden-Württemberg Freie Fahrt in Bussen: Walldorf und St. Leon-Rot Vorreiter

Quelle: Uwe Anspach

Zwei Kommunen im Südwesten schlagen neue Wege bei klimagerechtem Nahverkehr ein. Walldorf und St. Leon-Rot stellen ihr Verkehrsangebot vollständig auf Gratisnutzung um. Ob die Bürger wirklich ihr Auto stehen lassen?

Sie wollen zur Luftreinhaltung beitragen, den Parksuchverkehr reduzieren und die Innenstadt beleben – nur wenige Gemeinden in Deutschland versuchen, diese Ziele mit kostenlosem Nahverkehr zu erreichen. Im neuen Jahr betreten zwei Kommunen im Rhein-Neckar-Kreis – Walldorf und St. Leon-Rot – verkehrspolitisches Neuland. In beiden Gemeinden können Bürger und Besucher ab dem 1. Januar zum Nulltarif Bus fahren. Bundesweite Vorreiter sind die Städte Pfaffenhofen an der Ilm und Augsburg in Bayern. In der 26.000-Einwohner-Stadt gibt es bereits seit 2018 einen kostenlosen Stadtbus, in Augsburg sind Bürger seit Januar 2020 kostenlos im Nahverkehr unterwegs. In Monheim in Nordrhein-Westfalen genießen Menschen seit April 2020 das gleiche Angebot.

Der Walldorfer Bürgermeister Matthias Renschler (FDP) erläutert: «Mit dem kostenlosen Angebot wollen wir die Bürger zum Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr bewegen.» Auch der etwas außerhalb liegende Bahnhof kann gratis angefahren werden. Die Nachbargemeinde St. Leon-Rot mit 13.900 Einwohnern hat sich ebenfalls für diese Lösung entscheiden. Dort sparen die Fahrgäste maximal 1,70 Euro pro Fahrt. Ein Ausbau der Anzeigetafeln mit Angaben zu den nächsten Fahrmöglichkeiten in Echtzeit soll die Schwelle zum Einstieg in den Nahverkehr reduzieren.

Die Neuerung kostet die Gemeinde St. Leon-Rot jährlich etwa 20 000 Euro. «Ich hoffe, dass die Bürger das Angebot fleißig nutzen und ihren Pkw mal stehen lassen», sagt Bürgermeister Alexander Eger (parteilos). Sie müssen aber noch einen Fahrschein lösen, damit die Gemeinde Daten über die Nutzung sammeln kann.

In Walldorf mit rund 16.000 Einwohnern wird das neue Angebot ein Loch von 60.000 bis 70.000 Euro in den Haushalt reißen. Bürgermeister Renschler sieht das gelassen. Als Kommune mit hohem Gewerbesteueraufkommen könne man sich das leisten. Auf der Gemarkung hat der Softwaredienstleister SAP seinen Unternehmenssitz. Außerdem sei der Busverkehr bezogen auf die Fläche der verhältnismäßig kleinen Gemeinde ohne Teilorte überschaubar. Renschlers Ziel ist, auch eine kostenlose Busverbindung zu den Nachbargemeinden zu etablieren.

Versuche, Bürger für den öffentlichen Nahverkehr mit zeitlich begrenzten Angeboten zu gewinnen, gibt es bereits im Südwesten, etwa in Tübingen mit einem kostenlosen Busangebot an Samstagen. Auch die Landeshauptstadt Stuttgart experimentierte mit Gratisfahrten an Wochenenden, nachdem der Stuttgarter Nahverkehr in der Pandemie deutlich an Beliebtheit verloren hatte. In Ulm und Neu-Ulm konnte man seit April 2019 jeden Samstag zum Nulltarif Busse und Straßenbahnen nutzen. Im neuen Jahr müssen die Fahrgäste dort allerdings auch am Samstag wieder zahlen.

 

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