News aus Baden-Württemberg
GEW sorgt sich um Abwanderung von Lehrkräften an Grundschulen

News aus Baden-Württemberg GEW sorgt sich um Abwanderung von Lehrkräften an Grundschulen

Quelle: Bernd Weißbrod/dpa
dpa

Schon jetzt ist der Mangel an Grundschullehrkräften in Baden-Württemberg deutlich zu spüren. Bayern hat nun eine Prämie für umzugswillige Lehrer ausgelobt, zudem soll es mehr Geld geben. Die Gewerkschaft GEW befürchtet eine Abwanderungswelle.

Die Koffer sind gepackt, die Reiseziele sind vielfältig: Der kleine Hase Felix auf dem Koffer von Corinna Blume will beispielsweise nach Schleswig-Holstein. Auf den anderen Koffern weisen bunte Pfeile nach Niedersachsen, Hamburg oder Bayern. Der Grund: Dort werden Grundschullehrkräfte bereits jetzt oder künftig nach der Besoldungsstufe A13 bezahlt. In Baden-Württemberg dagegen bekommen die Lehrerinnen und Lehrer nur A12, das kann einen Unterschied von bis zu 500 Euro im Monat ausmachen. Blume, die selbst an einer Grundschule in Karlsruhe unterrichtet, kann das nicht nachvollziehen. «Wir haben mit 28 Stunden pro Woche das höchste Deputat und die größte Heterogenität in den Klassen», sagt Blume.

Der Druck im Kessel sei inzwischen hoch, die Anforderungen würden immer schwieriger. «Uns fehlt zunehmend die Zeit für die in der Grundschule so wichtige Beziehungsarbeit», sagt die Lehrerin. In vielen Klassen säßen Schülerinnen und Schüler, die so gut wie kein Deutsch sprächen. Sie demonstriert deswegen gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen in Sichtweite des Landtags. Zwar löse eine höhere Besoldung der Lehrkräfte nicht die Probleme der Grundschulen, gibt sie zu. «Es geht uns aber um Wertschätzung.»

Das kann auch Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) nachvollziehen. Sie könne die Forderungen der Lehrerinnen und Lehrer gut verstehen. Einzig viel Hoffnung auf eine Umsetzung macht sie nicht: «Wir haben im Haushalt momentan nicht die entsprechenden Gelder für eine A13-Regelung», sagte Schopper bei der Übergabe eines Forderungskatalogs durch die GEW.

Die Gewerkschaft befürchtet wegen der aus ihrer Sicht zu niedrigen Besoldung eine Abwanderungswelle von Lehrerinnen und Lehrern in andere Bundesländer. «Warum soll eine Grundschullehrerin in Ulm unterrichten, wenn sie dafür in Neu-Ulm bis zu 500 Euro pro Monat mehr bekommt?», sagte die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein. Die bayerische Landesregierung hatte angekündigt, schrittweise auch Grundschullehrkräften ein Gehalt nach A13 zu bezahlen. Nur Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland halten nach Angaben der GEW an A12 fest.

Die Kultusministerin teilt die Abwanderungsbefürchtungen nicht. So könnte etwa bayerische Hauptschullehrkräfte in Baden-Württemberg A13 verdienen, in Bayern bislang noch A12. «Da sind bei uns auch nicht die Umzugswagen prozessartig vorgefahren», sagte sie. So seien etwa im vergangenen Schuljahr nur 14 Hauptschullehrkräfte aus Bayern nach Baden-Württemberg gekommen.

Unterstützung bekommen die Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer von der SPD im Landtag. «Die grün-schwarze Landesregierung zeigt einmal mehr ihre mangelnde Wertschätzung gegenüber unseren Lehrkräften und ignoriert wie so oft die Alarmsignale aus den Schulen», kritisierte die schulpolitische Sprecherin Katrin Steinhülb-Joos. Die FDP fordert eine Überprüfung der derzeitigen Besoldung. «Mit Nichtstun macht Grün-Schwarz jedenfalls den Beruf der Grundschullehrkraft nicht attraktiver», sagte der bildungspolitische Sprecher Timm Kern. Man könne es sich nicht leisten, Lehrkräfte zu verprellen. Diese Sorge teilt der Grünen-Abgeordnete Thomas Poreski nicht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) liefere mehr Stimmung als Substanz. «Die Verträge mit den höheren Besoldungen sind noch gar nicht geschrieben.»

Der Konkurrenzkampf unter den Bundesländern um Lehrkräfte wird härter. Am Mittwoch löste die bayerische Initiative, Lehrer mit Geld und Umzugshilfen in den Freistaat zu locken, bundesweiten Ärger aus. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hatte am Mittwoch eine Prämie in Höhe von 3000 Euro für Lehrkräfte angekündigt, die in bayerische Regionen mit besonders großem Bedarf ziehen. Das Angebot richtet sich auch an Lehrer aus anderen Bundesländern.

Die Regionalprämie, die versteuert werden muss, könnten alle Personen erhalten, die ab dem kommenden Schuljahr als Lehrkräfte beim Freistaat Bayern in ein Beamten- oder unbefristetes Angestelltenverhältnis neu eingestellt würden. Im Gegenzug müssen die Lehrer mindestens zwei Jahre in der Prämienregion tätig sein.

Nach Angaben des Kultusministeriums in Baden-Württemberg waren am 30. September vergangenen Jahres 225 Stellen an Grundschulen in Baden-Württemberg nicht besetzt. Aktuellere Zahlen gibt es nicht. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Studienplätze für Grundschullehrkräfte deutlich ausgebaut worden, heißt es aus dem Ministerium. Diese Erhöhungen machten sich jetzt bemerkbar, heißt es aus dem Kultusministerium.

Lehrerin Blume macht sich Sorgen um ihre Kolleginnen und Kollegen, sie fürchtet eine weitere Verdichtung der Arbeit, wenn noch Abwanderungen in andere Bundesländer hinzukämen. «Gerade in Nordbaden kenne ich viele Lehrkräfte, die jetzt in Hessen unterrichten», sagt sie. Sie selbst plane keinen Umzug in ein anderes Bundesland mehr, sagt Corinna Blume. Im Sommer geht sie in den Ruhestand.

 

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