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Handy, Navi, Risiko – Die Gefahr der Ablenkung am Steuer

News Handy, Navi, Risiko – Die Gefahr der Ablenkung am Steuer

Quelle: Bernd Weißbrod/dpa
dpa

Viele tun es, keiner gibt es zu, die Dunkelziffer ist hoch: Handy und andere elektronische Ablenkung am Steuer ist hochriskant. Und doch unterschätzt. Das Verkehrsministerium will gegensteuern.

Ganz kurz am Steuer Whatsapp checken, mal eben an der Ampel durch Insta scrollen, Radiosender suchen auf der Autobahn oder das Navi neu ausrichten – bitte nicht! Ablenkung am Steuer ist ein ganz erhebliches Unfallrisiko. «Inhaltlich treibt uns das Thema so sehr um, dass wir es zum Kernthema unserer Verkehrssicherheitskampagne machen», heißt es aus dem Verkehrsministerium. «Das Handy am Steuer ist heute gefährlicher denn je, weil es längst nicht mehr nur ums Telefonieren geht. Nachrichten, soziale Medien, Navigation und sogar Videostreaming – all das läuft inzwischen über ein einziges Gerät», sagte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne).

Bedenkliche Zahlen

Nach Zahlen des Innenministeriums wurden im vergangenen Jahr im Südwesten fast 90.000 Fahrerinnen und Fahrer mit Handy am Steuer erwischt. Fast 4.000 Unfälle geschahen wegen Ablenkung am Steuer. Das sind fast 700 mehr als im Jahr davor. In rund 2.000 Fällen kamen dabei Menschen zu Schaden, 47 starben. Im Jahr davor waren dabei 43 Menschen gestorben. Betrachtet man die tödlichen Unfälle insgesamt, so machten die durch abgelenkte Fahrerinnen und Fahrer verursachten Unfälle im vergangenen Jahr mehr als 13 Prozent aus. «Jede Sekunde, in der die Augen nicht auf der Straße sind, erhöht das Risiko für schwere Unfälle», betonte Hermann.

Dunkelziffer hoch

Erst seit einigen Jahren wird «Ablenkung» im Straßenverkehr überhaupt als Unfallursache erfasst – und das Thema gewinnt immer mehr an Bedeutung, wie ein Sprecher des Ulmer Polizeipräsidiums sagt. Laut einer Allianzstudie aus dem Jahr 2023 wird das Risiko für Unfälle dadurch um durchschnittlich 50 Prozent erhöht.

Die Dunkelziffer ist enorm. Die Allianz schätzte in ihrer Studie die Zahl der Verstöße auf – «defensiv geschätzt» – mindestens eine Milliarde pro Jahr, erfasst wird nur ein sehr kleiner Bruchteil. Weitere Schätzungen gibt es dazu laut den Unfallforschern des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nicht. Jedoch einige Ideen, wie man Ablenkungen minimieren, Autofahrer warnen oder Ablenkungssünder schlicht besser ertappen könnte.

Mehr Kontrollen, mehr Punkte in Flensburg, Ablenkungswarner

Mehr Kontrollen bei Regelverstößen seien vonnöten, sagte Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung im GDV. «Wenn es ein gesetzliches Handyverbot am Steuer gibt, dann muss der Gesetzgeber das auch kontrollieren.» Sie spricht sich zudem für eine saftigere Bestrafung aus: Bisher bekommen Handysünder 100 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg aufgebrummt, die Unfallforscherin ist für zwei Punkte. «Das ist unabhängig vom Geldbeutel und hat außerdem einen stärkeren erzieherischen Effekt. Denn der Führerschein wäre dann schneller weg.»

Polizeipräsidien im Land macht jedoch zu schaffen, dass Ablenkung am Steuer durch Handy, Touchscreen-Bedienung, Bordcomputer und Co. schwer nachzuweisen ist. Ohne eindeutige Zeugenaussagen sei das sehr schwierig, sagt ein Sprecher der Polizei Offenburg. Bei schweren Unfällen sollte es der Polizei erlaubt werden, das Handy standardmäßig zu kontrollieren, schlägt daher Unfallforscherin Zeidler vor. Eine gute Möglichkeit könnten auch Ablenkungswarner sein, die ein Signal geben, wenn der Fahrer seine Augen zulange vom Steuer abwendet.

Auch ein Projekt in Rheinland-Pfalz sei vielversprechend: Kameras beobachten dort an einigen Stellen den Verkehrsfluss und erkennen, ob ein Autofahrer am Handy ist. «Das ist nur zu begrüßen», betont Zeidler. Für solche sogenannten Monocams lägen im Südwesten jedoch die rechtlichen Grundlagen nicht vor, wie eine Sprecherin des Innenministeriums sagt. Man beobachte die Entwicklung im benachbarten Bundesland aber genau.

Nicht immer Einsicht bei Handysündern

Diejenigen, die erwischt werden, reagieren durchaus unterschiedlich: «Einsicht, Verärgerung, Leugnung, Gleichgültigkeit», sagt ein Sprecher der Polizei Offenburg, alles sei dabei. Laut Allianzstudie wird der Griff zum Handy vielfach als eine Art Gewohnheitsrecht betrachtet. Oder man redet sich fantasievoll heraus, sagt eine Sprecherin des Pforzheimer Polizeipräsidiums und nennt als Beispiel die Ausrede eines Mannes, der demnach sagte: «Bei dem Smartphone handelte es sich um den Geldbeutel meiner Frau und mit diesem musste man die Wange wärmen.»

 

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