News aus Baden-Württemberg
Höchste Warnstufe ausgerufen: Risiko für Brände steigt

News aus Baden-Württemberg Höchste Warnstufe ausgerufen: Risiko für Brände steigt

Quelle: Thomas Riedel
dpa

Der Juni ist bislang zu warm und viel zu trocken. Deshalb steigt das Risiko für Brände nicht nur im Südwesten. Hier wird das Grillen verboten, dort die höchste Warnstufe ausgerufen. Dabei ist es alles andere als hochsommerlich heiß. Dennoch nehmen die Sorgen zu.

Es lodert im Stuttgarter Osten, es brennt in einem Tübinger Waldstück und auch eine Wiese in Gaggenau im badischen Murgtal geht in Flammen auf. Seit Wochen schon hat es in Baden-Württemberg nicht mehr anhaltend geregnet, auch in den kommenden Tagen ist mit Wasser von oben nicht zu rechnen und der Wind trocknet aus und kann Glutnester entfachen. Die Feuerwehren sind alarmiert, sie müssen zunehmend ausrücken. «Die Gefahr eines weiteren trocken-heißen Sommers besteht und damit steigt das Waldbrandrisiko», warnt auch der Landeswaldverband. «Erste kleinere Brände sind nur die Vorboten», sagt der Vorsitzende des Dachverbands, Dietmar Hellmann.

Regionale Unterschiede könnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Land wieder eine Phase akuten Niederschlagsmangels bevorstehe. Hellmann erwartet unter anderem, dass die Feuer zunehmend größer werden. Der Südwesten sei bislang von großflächigen Waldbränden verschont geblieben. «Das wird aber perspektivisch nicht so weitergehen. Mit dem Klimawandel steigt das Risiko für flächenhafte Waldbrände auch bei uns. Baden-Württemberg ist Waldbrand-Erwartungsland», sagt Hellmann.

Gefahren sieht er vor allem in den Lagen entlang des Rheins, aber auch im Odenwald. «Dort sind die Böden oft sandig und können nur wenig Wasser halten. Deswegen sind die Wälder trockener.» Weniger Risiko sieht Hellmann hingegen in der Ostalb, im Allgäu, in Oberschwaben und am Bodensee. Absehbar gilt die höchste Waldbrandwarnstufe des Deutschen Wetterdienstes nur im Umfeld der Messstation in Rheinau-Memprechtshofen, am Wochenende wird dies auch in Waghäusel-Kirrlach erwartet (Stand Donnerstag, 04.00 Uhr). In den meisten anderen Regionen wird das Risiko als hoch eingestuft.

Aber brennt es auch tatsächlich häufiger als früher? Öfter schon, aber nicht stärker. Denn während die Zahl vor allem kleinerer Brände gestiegen ist, ist ihr Ausmaß in Baden-Württemberg vergleichsweise überschaubar.

Laut Waldbrandstatistik wurden den Unteren Forstbehörden im Jahr 2022 insgesamt 123 Waldbrände gemeldet, so viele wie seit 1992 nicht mehr. 25 Hektar Wald standen im ganzen Land in Flammen, das entspricht ungefähr der Größe von 35 Fußballplätzen. Durchschnittlich sei ein einzelner Waldbrand nur etwa 2000 Quadratmeter groß gewesen. Während «echte» Waldbrände selten vorkamen, mussten nach Angaben des Innenministeriums «außergewöhnlich viele» Brände zum Beispiel auf Feldern, Wiesen und Böschungen gelöscht werden.

«Wir müssen aber feststellen: Viele Vegetationsbrände sind auch 2022 durch fahrlässiges Handeln oder gar Vorsatz entstanden», sagt Innenminister Thomas Strobl (CDU) der dpa. Auffallend sei zudem gewesen, dass zahlreiche Brände durch land- und forstwirtschaftliche Maschinen entfacht worden seien. Grund seien vermutlich die ungewöhnlich hohen Temperaturen und überhitzte Motoren.

Im Zuge der globalen Erwärmung steigt tatsächlich in vielen Regionen die Waldbrandgefahr, wie auch etwa der Weltklimarat IPCC festgestellt hat. Zwar kann ein wärmeres Klima dazu beitragen, dass mehr Wasser vom Himmel fällt, auch häufiger in Form von Starkregen. Die Zeiträume ohne Niederschläge werden aber teils länger. Gerade in ohnehin trockenen Gebieten wie im Nordosten Deutschlands steigt auch die Gefahr von Dürreperioden. In extrem trockener Vegetation können sich Waldbrände schneller ausbreiten.

«Das Risiko für Wald- und Vegetationsbrände steigt auch in Baden-Württemberg», sagt Strobl. Das Land müsse sich rüsten. «Zwar werden wir nicht «über Nacht» zum Waldbrandland. Aber in heißen Sommern, die durch den Klimawandel weiter zunehmen werden, steigt die Gefahr für größere Vegetationsbrände, also Flächen- und Waldbrände, in erheblichem Maße – auch bei uns in Baden-Württemberg.»

 

Weitere Nachrichten

Laut Verband: Mehr Ausbildungsverträge im Handwerk abgeschlossen

Maurer, Bäcker, Fleischerin: Das Handwerk lockt wieder mehr Nachwuchs. Welche Ausbildungsplätze haben 2025 besonders stark zugelegt?

140.000 Fahrzeuge pro Tag: Engelbergtunnel Richtung Karlsruhe nun einspurig befahrbar

Für die staugeplagten Orte rund um den wochenlang gesperrten Engelbergtunnel gibt es eine erste Entlastung: Der Verkehr auf der A81 läuft vorerst wieder auf einer Spur.

Nach dem Unglück in der Schweiz: Wie sicher sind eigentlich Seilbahnen?

Einen Tag nach dem Seilbahn-Unglück in der Schweiz ist die genaue Ursache unbekannt. Klar ist aber: Die Vorschriften sind sehr streng und solche Unglücke kommen nur selten vor.

Regierungsbildung in BW: Sondierungsgespräche zwischen Grünen und CDU deuten sich an

Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg ist nur eine Koalition zwischen Grünen und CDU realistisch. Bislang schweigen sich beide Parteien weiter aus. Nun scheint es Bewegung zu geben.

Bärlauch sammeln: Was erlaubt ist und wann Bußgelder drohen

Im Frühling lockt Bärlauch viele Sammler in die Natur. Wer aber zu gierig pflückt oder an den falschen Stellen zugreift, riskiert nicht nur Ärger mit der Natur, sondern auch ein saftiges Bußgeld.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 
















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.