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KSC hat die Wahl ⎜ Wellenreuther oder Müller – wer wird Präsident?

meinKA-Interview KSC hat die Wahl ⎜ Wellenreuther oder Müller – wer wird Präsident?

Interview
Quelle: TMC-Fotografie.de

Weiter wie bisher oder Wandel? Diese Entscheidung wird am Samstag, 12. Oktober, bei der Mitgliederversammlung fallen. Ein neuer Präsident wird gewählt – Amtsinhaber Ingo Wellenreuther stellt sich Martin Müller. meinKA sprach mit beiden Konkurrenten.

Müller oder Wellenreuther – wer wird Präsident?

Die vergangenen Tage waren unruhig. Die große Frage rund um den KSC: Haben die Mitglieder am Samstag, 12. Oktober, eine echte Wahl? Herausforderer Martin Müller drohte nicht zur Wahl als Präsident zugelassen zu werden, da es geschäftliche Verknüpfungen zu Topsponsor CG-Gruppe gibt und diese auch bei Hertha BSC und RB Leipzig engagiert ist. Die Entscheidung des Wahlausschusses fiel am Dienstagmittag, 08. Oktober 2019: Müller darf antreten.

Jetzt liegt es an den Vereinsmitgliedern, wer den KSC in Zukunft anführen soll. Die Kandidaten könnten kaum unterschiedlicher sein: Wellenreuther, seit 2010 als Präsident aktiv ist Jurist und Bundestagsmitglied. Auf der anderen Seite steht der sechsfache Familienvater und Unternehmer Müller. Beide wollen sich für den KSC einsetzen, bauen dabei auf verschiedene Konzepte.

 

meinKA hat mit beiden Kandidaten im Vorfeld der Mitgliederversammlung  gesprochen und gefragt, warum die KSC-Mitglieder ihnen ihre Stimme geben und damit zum Präsidenten wählen sollten.

 

Ingo Wellenreuther und Martin Müller 2019 KSC

| Quelle: TMC-Fotografie.de

 

Ingo Wellenreuther – KSC-Präsident baut auf Kontinuität

 

Ingo Wellenreuther 2019 KSC

| Quelle: TMC-Fotografie.de

 

Es liegen bewegte Jahre mit vielen Aufs und Abs hinter ihnen und ihrem Präsidium. Was gibt den Antrieb zu einer weiteren Amtszeit?

Als ich mich im September 2010 als Notpräsident zur Verfügung gestellt habe, gab es weit und breit niemanden, der dieses Amt übernehmen wollte. Jeder weiß, dass der KSC damals führungslos am Abgrund stand. Ich denke, es ist uns im Präsidium in den letzten neun Jahren gelungen, den KSC wieder zu einer seriösen Adresse im deutschen Fußball zu machen. Trotz sportlichem Auf- und Ab konnten wir den KSC fit für die Zukunft machen.

Das Wichtigste: Nach 25 Jahren endloser Diskussion haben wir den Durchbruch in Sachen Stadion-Neubau erreicht und alle wichtigen notariellen Verträge mit der Stadt Karlsruhe unterschrieben. Das neue Stadion wird kommen. Es sichert die Existenzgrundlage des KSC. Außerdem wurde der Ausgliederung mit einer überwältigenden Mehrheit unserer Mitglieder erfolgreich beschlossen, ein weiterer Meilenstein in unserer stolzen Vereinsgeschichte. Damit besteht die Chance, Kapital für den KSC zu organisieren. Der Wiederaufstieg ist gelungen und unter unserer Führung hat der KSC mit 9.000 Mitgliedern einen Höchststand in der 125-jährigen Vereinsgeschichte erreicht.

 

Was spricht für Sie als Präsident, warum sollten die Mitglieder Ihnen am 12. Oktober die Stimme geben?

In unserer jetzigen Situation halten wir es für wichtig, dass der Verein mit Ruhe und Kontinuität weitergeführt wird. Wir haben eine klare Vision, wie wir den KSC weiterentwickeln und die Marke KSC stärken wollen. Wir haben viele Veränderungsprozesse in Gang gesetzt, die noch weitergeführt werden müssen.

Außerdem bin ich KSC’ler durch und durch, seit 38 Jahren Mitglied. 13 Jahre lang habe ich den Wahlausschuss ehrenamtlich geleitet und seit neun Jahren bin ich ehrenamtlich Präsident unseres Vereins. Mit großer Freude und mit einem großen Verantwortungsbewusstsein diene ich dem Verein, gerade in den letzten Jahren in schwierigster Zeit. Ich bin unabhängig und vertrete ausschließlich die Interessen des KSC und seiner Mitglieder. Ich unterstütze nur den KSC und keinen anderen Fußballclub – weder aktiv noch durch Sponsoring. Bei mir gibt es keine Interessenkollisionen.

 

Der Stadion-Streit hat zuletzt viele Emotionen aufkochen lassen und die Gerichte bemüht. Könnte diese Unruhe etwas sein, was der ein oder andere Fan Ihnen schlecht oder falsch auslegt?

Das mag vielleicht sein. Es liegt aber daran, dass Vieles noch nicht deutlich wurde: Das Verhalten der Stadt dem KSC gegenüber war nicht zu begreifen. Der KSC war in einer Notwehrsituation und musste deshalb das Gericht um Hilfe bitten. In weiten Teilen hat das Landgericht Karlsruhe dem KSC Recht gegeben. Im Urteil wurde wörtlich festgestellt:

1. Die Stadt Karlsruhe hat völlig verkannt, dass nicht der KSC, sondern sie selbst durch ihr Verhalten in nicht nachvollziehbarer Weise die sich aus dem Entwicklungsvertrag ergebenden Rechte des KSC behindert hat.

2. Es besteht eine umfassende Verpflichtung der Stadt Karlsruhe, dem KSC sämtliche Informationen zukommen zu lassen, damit der KSC überhaupt in die Lage versetzt wird, seine Mitwirkungsrechte ausüben zu können.

3. Es bedurfte einer einstweiligen Verfügung, um die Ansprüche des KSC durchzusetzen, nämlich das vertragsverletzende Verhalten der Stadt in Zukunft zu unterlassen.

Nachdem das jetzt durch eine neutrale Instanz geklärt ist, hat sich die Zusammenarbeit bereits merklich verbessert. Wir hoffen, dass die Unterlagen schnellstmöglich herausgegeben werden und die Stadt mit dem KSC vertrauensvoller zusammenarbeitet. Der KSC ist dazu, wie schon seit Langem, bereit.

 

KSC-Präsident Ingo Wellenreuther und Sportdirektor Oliver Kreuzer.

KSC-Präsident Ingo Wellenreuther und KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer (v.li.) | Quelle: Thomas Riedel

 

Neben ihnen und Martin Müller als Kandidaten für das Amt des Präsidenten gibt es in Günter Pilarsky, Holger Siegmund-Schultze, Edgar Schmitt und Kai Gruber (Darts-Abteilung) vier Kandidaten für Ämter als Vizepräsident.

Gibt es ein Wunsch-Team wie in der Vergangenheit?

Zunächst einmal: Ich habe Respekt vor der Entscheidung unserer Mitglieder. Das Votum der Mitgliederversammlung entscheidet. Das jetzige Präsidium mit Günter Pilarsky, Holger Siegmund-Schultze und mir hat hervorragend zusammengearbeitet und unsere Leistungsbilanz kann sich trotz schwerer Zeiten sehen lassen: Stadion-Neubau erkämpft, Ausgliederung beschlossen, Wiederaufstieg gelungen, Höchststand an Mitgliedern erreicht, neuer Slogan kreiert, „Vision Wildpark“ mit neuem NLZ geplant und Fananlage erfolgreich aufgelegt.

Mein Wunsch wäre es, diese Veränderungsprozesse im bewährten Team im Interesse des KSC weiterzuführen.

 

Wohin soll es mit dem KSC in den kommenden Jahren gehen? Welche Visionen oder Ziele gibt es?

Sportlich möchten wir uns in der 2. Bundesliga konsolidieren und dort wieder etablieren. Hier ist nach den letzten Jahren wirklich Demut angesagt, aber Alois Schwartz und Oliver Kreuzer sind mit der Mannschaft auf einem guten Weg. Sobald das neue Stadion steht, werden wir mehr Möglichkeiten haben und dann den Blick auch wieder weiter nach oben richten. Daneben werden uns die Projekte Stadion-Neubau und „Vision Wildpark“, also die Entwicklung eines neuen Nachwuchsleistungszentrums und zeitgemäßer Trainingsbedingungen im Wildpark, weiter fordern.

Zusammen mit der Geschäftsführung wollen wir unsere Organisationsstruktur nach modernen Managementbedürfnissen ausrichten. Die ersten Beschlüsse in der neuen Unternehmensstruktur sind bereits auf den Weg gebracht. Außerdem wollen wir die finanziellen Verpflichtungen aus dem Vertrag mit Michael Kölmel, mit dem wir eine gute Gesprächskultur aufgebaut haben, ablösen. Dies wäre durch Einnahmen aus Aktienverkäufen möglich.

 


 

Martin Müller – Präsidenten-Kandidat mit kommunikativem Stil

 

Martin Mueller KSC 2019

| Quelle: TMC-Fotografie.de

Warum haben Sie sich jetzt für eine Kandidatur entschieden?

Gedanken dazu gibt es schon länger. Vor drei Jahren hätte ich es mir aber noch nicht zugetraut. Es war gut, erst einmal Erfahrungen im Verwaltungsrat zu sammeln und die Mechanismen kennenzulernen. Wichtig ist mir zu betonen, dass es mir auch nicht um Ämter geht, sondern vielmehr darum, etwas zu bewegen. Die Planungen laufen bereits seit Jahresanfang. Hier passt ein guter Vergleich aus meinem Beruf als Wirtschaftsingenieur: Wir haben mit dem KSC ein wunderbares Denkmal, das fit gemacht werden muss für die Neuzeit.

 

Warum sollten die Mitglieder am 12. Oktober für sie stimmen?

Wir, also ich und mein Experten-Team, treten mit einem klaren Plan an, der die Punkte Sport, Wirtschaftlichkeit, Fans und Marketing umfasst. Unser Konzept umfasst bereits jetzt rund 100 Seiten. Wir sind auf jeden Fall heiß und wollen etwas bewegen. Für die Mitglieder bietet sich bei der Wahl eine einfache Entscheidung, denn Ingo Wellenreuther und ich sind zwei komplett verschiedene Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Hintergründen. Die Mitglieder können sich entscheiden, ob sie einen Juristen und Politiker an der Spitze des KSC wollen – oder mich, der aus der Wirtschaft kommt.

Es gibt ja immer wieder den Vorwurf, dass ich mich in ein gemachtes Nest setzen würde. Wenn am 12. Oktober die Zahlen für das letzte Geschäftsjahr veröffentlicht werden, dann wird man sehen, dass ein solches dezent anders aussieht. Auch gibt es den Vorwurf, dass ich SPD-Mitglied bin. Dazu kann ich nur sagen: Ja, ich bin Mitglied einer demokratischen Partie und dazu stehe ich. Aber wir müssen die Politik aus dem Verein raushalten und das werde ich auf jeden Fall versuchen.

 

Könnte der jüngste Stadionstreit eine Rolle bei der Entscheidung den Mitgliedern spielen – Stichwort Protestwähler?

Natürlich möchte ich nicht ausschließen, dass auch unter meiner Führung einmal rechtlich vorgegangen werde muss. Aber ich habe einen anderen Führungsstil und auf andere Lösungen. Wir möchten den konstruktiven Dialog suchen. Schon jetzt kann ich versprechen, dass wir unsere Karten gut sortiert und Lösungen im Köcher haben. Dazu müssen wir mehr Transparenz im Verein schaffen.

Ich hoffe einfach, dass ich gewählt werde, weil ich mit meinem Konzept überzeuge. Dazu hole ich mir auch Kompetenzen aus anderen Bereichen und von anderen Leuten. Denn ich weiß vor allem was ich nicht kann und da sollte man dann Fachleute einbinden. Solche Fachleute haben wir auch im Verein, wie Oliver Kreuzer im sportlichen Bereich und Michael Becker als Geschäftsführer. Hier würde ich auf einen unterstützenden Dialog setzen.

 

Martin Mueller KSC 2019

| Quelle: TMC-Fotografie.de

 

Wohin soll es mit dem KSC in den kommenden Jahren gehen?

Wir wollen den KSC auf eine gesunde Basis stellen und weiterentwickeln. Denn es gibt kein Vermögen, das zu klein ist, um es zu vernichten. Die Stadt und das Umland bietet eigentlich keine Chance für Ausreden. Wir haben hier einen breiten Mittelstand, auf den wir setzen sollten. Dafür ist es wichtig, auf die Leute zuzugehen und Vertrauen schaffen. Der KSC muss ein Verein zum Anfassen sein. Wir müssen in Zukunft nicht mehr noch mehr sparen, sondern mehr einnehmen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Nachwuchs und die Förderung. Dafür braucht es auch ein neues Nachwuchsleistungszentrum und Internatsplätze. Für mich hat das eine ähnliche Wichtigkeit wie das neue Stadion.

Natürlich wollen wir in die 1. Liga – alles andere wäre unwahr. Aber wir wollen dieses Ziel nicht um jeden Preis erreichen und nicht gegen unsere DNA.

 

Weltmeisterliche Unterstützung – Feigenbutz stellt sich hinter Müller

Martin Müller bekommt vor den Wahlen prominente Unterstützung von Karlsruhes Boxweltmeister Vincent Feigenbutz und dessen Team rund um Manager Rainer Gottwald und die TS Fight Sportmanagement GmbH, welche sich öffentlich sowohl für Müller als KSC-Präsidenten, als auch Edgar Schmitt als möglichen Vizepräsidenten des Karlsruher SC aussprach.

 

Edgar Schmitt, Vincent Feigenbutz und Martin Müller (v.l.) | Quelle: TS Fight Sportmanagement GmbH

 

Man verfolge die gemeinsame Idee den Karlsruher Sport weiter zu fördern und innovativ Ideen zu verwirklichen – hier stehe auch eine Kooperation zwischen der GEM Ingenieurgesellschaft/ CG Gruppe mit der TS Fight Sportmanagement GmbH im Raum, welche ein zukünftiges Engagement im Karlsruher Boxsport und die Unterstützung von Athleten wie Vincent Feigenbutz sowie sportliche Events umfassen könne.

 

Fotogalerie | Diskussionsrunde zur Präsidentschaftswahl beim KSC

KSC-Supporters - Diskussionsrunde zur KSC-Präsidenten-Wahl

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