14°/25°
Boxprofi aus Karlsruhe im Interview
Vincent Feigenbutz: „Für mich gibt es keine Grenzen“

Boxprofi aus Karlsruhe im Interview Vincent Feigenbutz: „Für mich gibt es keine Grenzen“

Interview
Quelle: TMC-Fotografie | Tim Carmele

Vincent Feigenbutz hat sich schon früh einen Namen in der internationalen Boxszene gemacht. Mit meinKA sprach der aus Karlsruhe stammende Boxprofi über seinen nächsten Kampf, die Liebe zum Boxsport und die tägliche Motivation eines Profi-Sportlers.

Video – Vincent Feigenbutz im Profil

 


 

Vincent Feigenbutz – Boxer & Mensch

Vincent Feigenbutz ist mehr als ein Profiboxer, er ist insbesondere ein Mensch, der sich nicht nur auf seine eigene Karriere fokussiert, sondern auch durch soziales Engagement hervorsticht und gerne einen Blick über den Tellerrand der Gesellschaft wirft. Wichtige Themen wie Klimaschutz und Politik beschäftigen den jungen Karlsruher neben dem Sport und er versucht auch anderen Menschen die Augen dafür zu öffnen, für das, was viele nicht sehen.

Dass man alleine nur wenig Großes bewegen kann, weiß auch Feigenbutz – sich dem Thema verschließen kann er dennoch nicht. Oft ist Feigenbutz daher bei Benefizveranstaltungen zu sehen, schreibt Autogramme und ist sogar Teil des sozialen Projektes Scharinger and Friends, welches von Ex-KSC-Spieler Rainer Scharinger für wohltätige Zwecke ins Leben gerufen wurde.

 

Vincent Feigenbutz | Quelle: TMC-Fotografie | Tim Carmele

 

Vincent Feigenbutz, der seine Berufsausbildung zum Feinmechaniker bei den Stadtwerken Karlsruhe abschloss, bezeichnet sich selbst übrigens als „oldschool“, jemand der dem Wandel der Generation mit Skepsis gegenübersteht und gegen Oberflächlichkeit ankämpft, sowie Ehrlichkeit und Respekt sehr schätzt – beim Boxen sowie im Privaten.

 

Das oberste Karriereziel

Trotz seines sozialen Engagements bestimmt in erster Linie das Boxen das Leben von Vincent Feigenbutz, denn „Weltmeister in allen Boxverbänden“ lautet das oberste Karriereziel. Die Voraussetzungen hat Feigenbutz bereits vor wenigen Jahren gelegt, als er als jüngster deutscher Box-Weltmeister in die Geschichtsbücher einging – bereits mit 20 Jahren trug er den Titel des WBA- und GBU-Weltmeisters. Auch wenn die Zeiten des Boxsports schon rosiger aussahen, als noch die Klitschkos, Regina Halmich und Co. im Ring für Furore sorgten, hohe TV-Gelder den Sport unterstützen und sich nicht nur Nischensender um eine Live-Übertragung bemühten, so sind die Kämpfe von Vincent Feigenbutz auf Top-Niveau, welches international für Aufsehen sorgt.

Es bleibt zu hoffen und auch abzuwarten, ob die Euphorie-Welle in Deutschland in puncto Boxsport vielleicht wieder höher schwappt, wenn Feigenbutz weiterhin auf solch einem hohen Niveau boxt. Doch spätestens wenn er sein Karriereziel, und damit Weltmeister in allen Boxverbänden, erreicht hat, wird der Boxsport in Deutschland vielleicht auch wieder populärer werden, wie derzeit in den USA oder England. Hier werden Kämpfe, wie die von Feigenbutz, nämlich mit Gagen in Millionenhöhe zelebriert.

 

Vincent Feigenbutz | Quelle: TMC-Fotografie | Tim Carmele

 

Schlüssel zum Erfolg – Manager Rainer Gottwald

Auch wenn ein Boxer im Ring als Einzelkämpfer gilt, so gehört ein stabiles Team hinter den Sportlern zum Erfolg dazu! Rainer Gottwald ist seit Jahren, nicht nur ein Gesicht des Boxsports und Sportdirektor der TS Fight-Sportmanagement GmbH in Eggenstein-Leopoldshafen sondern auch der Manager von Vincent Feigenbutz. Er gilt als Türöffner für den großen Erfolg des Boxers. Gottwald übernimmt den wohl größten Part rund um die Boxkarriere des Karlsruhers und organisiert von Autogrammterminen, über Sponsoren und Sportausrüstung, bis zu den Kämpfen einfach alles. Neben Feigenbutz, ist Gottwald, auch für weitere Boxerstars wie beispielsweise Ahmad Ali und Sarah Bormann als Manager tätig. Unter Vertrag steht Feigenbutz übrigens bei Deutschlands größtem Promoter Team Sauerland.

 

Manager Rainer Gottwald mit Vincent Feigenbutz und Team-Kollege Ahmad Ali. | Quelle: Thomas Riedel

 

Der nächste Schritt auf der Karriereleiter

Durchschnittlich zwei bis drei Mal im Jahr steht für einen Boxer auf Feigenbutz‘ Niveau ein Kampf an. Vincent Feigenbutz wird seinen nächsten Fight am Samstag, den 17. August 2019, bestreiten. Gegner wird der 34-jährige Spanier Cesar Nunez sein. Den ungeschlagenen Boxer bezeichnet Feigenbutz als „ernstzunehmenden Gegner, der nichts zu verlieren hat, aber auch noch keinen namhaften Gegner boxte“.  Daher geht der Karlsruher Boxer bei diesem Kampf als Favorit ins Rennen.  Neben dem GBU-Weltmeistertitel, den Feigenbutz aktuell innehat, duellieren sich der Karlsruher und der spanische Herausforderer auch um den IBO-International-Gürtel.

Schauplatz der internationalen Boxgala, welche vom Boxstall und Boxveranstalter Team Sauerland ausgetragen wird, ist die Friedrich-Ebert-Halle in Ludwigshafen. Die größte Stadt in der Pfalz liegt rund 70 Kilometer entfernt von der Fächerstadt. Wer die Anreise nicht scheut bekommt seine Tickets für das Event sind im Online-Ticketshop oder über feigenbutz@online.de. Wer sich die Boxgala im Fernsehen anschauen möchte, kann das live über den frei empfangbaren TV-Sender Sport1.

 

Kaum einer traut sich gegen Feigenbutz

Seinen letzten Kampf meisterte Feigenbutz im Januar 2019, als er beim Battle of Karlsruhe gegen Przemyslaw Opalach durch technischen K.o. in der fünften Runde als Sieger feststand. Damit erlangte Feigenbutz den GBU-Weltmeistertitel im Supermittelgewicht. Insgesamt war es der 30. Sieg des 1995 geborenen Karlsruher Profi-Boxers.

„Nach intensiver Suche, haben wir in Cesar Nunez einen Gegner gefunden, der sich traut gegen Vincent zu boxen. Alle anderen der weltweiten Top-15-Boxer, die Zeit gehabt hätten, haben Vincent Feigenbutz als „Risiko-Gegner“ abgelehnt“, erklärt Rainer Gottwald gegenüber meinKA. Dazu gehört selbst der amtierende WBA-Weltmeister im Supermittelgewicht und Gewinner des Turniers World Boxing Super Series 2018 Callum John Smith. Sollte Feigenbutz den Kampf gegen Nunez für sich entscheiden, so stehe als nächstes allerdings ein „richtig großer Kampf“ an, kündigte Gottwald bereits an. Zudem stehe eine mögliche Olympia-Teilnahme im Jahr 2020 noch aus.

 

Vorbereitung – Zauberwort ist „Sparring“

Sobald klar ist, mit welchem Gegner man es als nächstes zu tun hat, beginnt für Boxer die sogenannte Sparring-Phase. Sparring ist eine Trainingsform, bei der der sich auf einen Kampf vorbereitende Boxer sich mit seinem Gegner ähnlichen Sportlern messen kann. Die Kämpfe dienen zwar dem Training, ähneln allerdings einem Wettkampf, jedoch mit geänderten Regeln, welche Verletzungen verhindern sollen. Auch für Vincent Feigenbutz steht diese Art des Trainings vor Kämpfen an, knapp vier Wochen vor dem nächsten Fight gegen Cesar Nunez, startete der Boxer, gemeinsam mit seinem Trainer Zoltan Lunka, in eine Sparring-Phase.

 

| Quelle: TMC-Fotografie | Tim Carmele

 

„Habe meine beste Zeit noch vor mir“

Die ausgewählten Sparringpartner ähneln Nunez in Gewicht und Größe, teils auch im Boxstil. „Ich stellt mich auf den bevorstehenden Boxkampf ein, indem ich eben gegen diese ähnlichen Boxtypen kämpfe“, erklärt Vincent Feigenbutz. Dass Nunez rund zehn Jahre älter ist als Feigenbutz, allerdings kaum die Hälfte an Kämpfen aufweisen kann, sieht Vincent Feigenbutz nicht unbedingt als Nachteil:

„Die meisten Boxer sind am stärksten zwischen 25 und 35 Jahren, daher wird Nunez sehr fit sein – allerdings zeigt mir das auch, dass es auch für mich keine Grenzen nach oben gibt, man kann immer stärker werden und ich habe meine beste Zeit noch vor mir.“

 

Beim Boxen gewinnt immer nur einer

Auf die Frage, ob er sich jemals dazu überwinden musste, jemanden zu boxen, antwortet Feigenbutz mit einem klaren „Nein“ – aber vielleicht macht gerade das, zusammen mit einem unbändigen Siegeswillen, einen sehr guten Boxer auch aus. Anders als beispielsweise beim Fußball gibt es beim Boxen keine Liga, die Kämpfe der Sportler werden durch Management und Promoter initiiert. Es ist also nicht ganz so einfach, Weltmeister zu werden, wenn der amtierende Weltmeister nicht mit dem Herausforderer in den Ring steigt.

„Boxen ist eine Sportart, bei der von Kampf zu Kampf geplant wird. Sicher hat man das Gesamtziel im Kopf, doch das kann nur erreicht werden, wenn man sich immer weiter nach oben boxt. Es stehen sich nun einmal nur zwei Männer gegenüber, aber nur einer wird als Sieger aus dem Ring steigen“, so Feigenbutz.

 

| Quelle: TMC-Fotografie | Tim Carmele

 

Was ist wichtiger: Härte oder Präzision?

Für seine harten Schläge ist Vincent Feigenbutz bekannt. Doch verhelfen allein diese einem Boxer auch zum Sieg? Oder lautet Feigenbutz‘ Strategie weniger hart, dafür aber präzise auf den Punkt zu treffen, um seinen Gegner auszuschalten? „In erster Linie musst du hart zuschlagen – wenn man dann noch gut trifft ist das natürlich von Vorteil, um zu gewinnen. Harte Schläge schwächen den Gegner und hauen ihn letztendlich komplett um“, erklärt der Boxer. Damit seine Schlagkraft nicht an Kraft verliert, steht für Vincent Feigenbutz ein tägliches Training auf dem Programm.

Neben dem Credo immer besser zu werden, motiviert sich Feigenbutz mit Abwechslung im Sportalltag und einen Blick auf seine Mitmenschen: „Schaut euch die Menschen um euch herum an. Schlechte Haltung, zu dicke Körper, die auf eine ungesunde Ernährung und zu wenig Sport zurückzuführen sind. Viel Motivation braucht man da nicht, wenn man täglich schlechte Beispiele sieht – auch darum trainiere ich täglich. Ein guter und gesunder Körper ist wichtig, für jeden Menschen nicht nur für den Profisport.“

 

Leidenschaft oder Job – warum Boxen?

Wladimir Klitschko hat in einem Interview vor wenigen Jahren gesagt, er sei nicht als Profiboxer geboren worden und habe den Erfolg im Sport eher als Mittel zum Zweck für Reisen und das seine eigene Prominenz gesehen –  sein Bruder Vitali dagegen, liebte den Boxsport und hatte mehr Leidenschaft darin.

„Bei mir ist das eine Mischung würde ich sagen. Mir wurde das Boxen nicht in die Wiege gelegt, aber ich habe auch eine gewisse Begabung in diesem Sport. Das hat ja irgendwie jeder – dass er in manchen Dingen einfach gut ist. Dennoch muss ich natürlich ständig trainieren, besser werden und baue meine Fähigkeiten aus. Mir macht der Boxsport großen Spaß, ich glaube das ist der ausschlaggebende Grund, weshalb ich das Ganze mache.“ Feigenbutz sieht sich grundsätzlich in diesem Vergleich eher auf der Vitali-Seite.

 

| Quelle: TMC-Fotografie | Tim Carmele

 

Über die Stunden vor dem Kampf

Am 17. August 2019 steht der nächste Kampf für Vincent Feigenbutz an – doch wie verbringt man die letzten Stunden vor dem großen Aufeinandertreffen mit dem Gegner? Nach rund 30 Kämpfen hat Feigenbutz hat bereits Erfahrung, auch vor einem großen Kampf die Ruhe zu bewahren.

„Es ist wie mit allem im Leben – ist man für sich alleine schweifen einem viele Gedanken und Probleme im Kopf umher, doch wird man abgelenkt, unterhält sich beispielsweise mit Menschen, dann beschäftigt man sich nicht konkret mit der Herausforderung die vor einem liegt. An einem Kampftag verfolge ich kein bestimmtes Ritual, sondern verbringe den Tag zwar fokussiert, aber mache mich nicht verrückt, wegen des Kampfes am Abend.“

 

Fotogalerie – Vorbereitung gegen Cesar Nunez

Vincent Feigenbutz - Vorbereitung gegen Cesar Nunez | Juli 2019

Auch interessant


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Daumen hoch, wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, oder zeigen Sie uns, dass wir uns verbessern können.

92%
8%

Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.