News aus Baden-Württemberg
Kultusministerin: Es spricht viel gegen Schulschließungen

News aus Baden-Württemberg Kultusministerin: Es spricht viel gegen Schulschließungen

Quelle: Bernd Weißbrod

Vor einem Jahr wurden coronabedingt die Schulen dichtgemacht. Viele Kinder und Jugendliche kehrten erst an Pfingsten wieder zurück ins Klassenzimmer. Die Ministerin will sich «in die Tür hängen», um so etwas diesmal zu verhindern.

Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper hält landesweite Schulschließungen wie in der dritten Corona-Welle diesen Winter für äußerst unwahrscheinlich. «Zum jetzigen Zeitpunkt spricht viel dafür, dass die Schulen offenbleiben», sagte die Grünen-Politikerin im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Das Infektionsgeschehen in den Schulen sei derzeit beherrschbar, viele Menschen hätten den Ernst der Lage begriffen und ließen ihre Impfung auffrischen. Schopper schränkte allerdings mit Blick auf die Virusmutation ein: «Ich bin aber keine Hellseherin und wir wissen zum Beispiel noch nicht genau, welche Auswirkungen Omikron haben wird.»

Darum sei eine erneute Schließung von Schulen und Kitas nicht völlig vom Tisch. «Wenn wir jetzt in eine echte dramatische Notlage kämen, dann kann man das nicht ausschließen.» Es dürfe nur nicht sein wie in der dritten Welle, dass vor allem Schulen und Kitas betroffen sind. «Ich will nicht, dass man nur Schulen schließt, sondern dann müssen andere auch ihren Beitrag dazu leisten.» Dann müssten auch Handel und Betriebe deutlich heruntergefahren werden, forderte die Ministerin.

Gegen solche einseitigen Schließungen werde sie sich zur Wehr setzen. «Da hänge ich mich auch richtig in die Tür, damit man das Recht auf Bildung nicht so einfach auf die Seite räumt, nur weil Schulen oder Einrichtungen, die staatlicherseits reguliert werden, wesentlich einfacher zu schließen sind als die Wirtschaft mit Ausgleichszahlungen.» Es sei zwar auf den ersten Blick leicht, eine Schule zu schließen, weil es zunächst nichts koste. «Aber für die Kinder muss ich einen richtigen Ausgleich zahlen, weil die Kinder einfach darunter leiden.»

Die Kultusministerin verwies darauf, dass in der vierten Welle bisher in der Spitze von 4500 Schulen höchstens 6 gleichzeitig geschlossen werden mussten. «Das ist ein sehr geringer Anteil.» Das liege auch an den klaren Quarantäne-Richtlinien. «Zwar ist Corona virulent, aber es ist nicht so, dass da komplett die Schule auf den Kopf gestellt wird. Es ist viel Arbeit für die Lehrkräfte und für die Schulleitungen jenseits von Stoff auch noch die ganzen Maßnahmen mit zu managen. Aber es ist so, dass ich das Gefühl habe, wir kommen da mit unseren Maßnahmen gut hin, und die Schulen machen das gut.»

Lehrerverbände werfen dem Land immer wieder vor, nicht genug zum Schutz von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften zu tun. So gebe es nicht genug Luftfiltergeräte und auch keine FFP2-Masken für die Pädagogen. Es sei fahrlässig, hier zu sparen, hielten etwa die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Philologenverband der Ministerin vor.

Schopper erklärte nun, positiv stimme sie, dass es eine Verhaltensänderung in der Bevölkerung mit Blick auf die Pandemie gebe. «Ich glaube, man ist im Sommer so ein bisschen lässig rausgekommen. Man war schon in Italien am Strand und hat auch schon den Biergarten wieder genossen, und man hat das in den Herbst getragen.» Aber seit wenigen Wochen gebe es in den Köpfen eine Änderung. «Wir erleben die Änderung noch nicht in den Betten, auf den Intensivstationen, weil sich das erst später niederschlägt.» Hinzu komme, dass man – anders als in der dritten Welle – dagegen animpfen können. «Dreieinhalb Millionen Impfungen bis Jahresende, das ist schon ein Wort», sagte sie mit Blick auf die Pläne des Landes.

Im vergangenen Jahr wurde für die Schulen im Südwesten eine Woche vor Weihnachten ein Corona-Lockdown verhängt, der für viele Schülerinnen und Schüler erst im Mai endete.

 

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