Corona in Baden-Württemberg
Lehrer protestieren: Schul-Quarantäne vor Weihnachten möglich

Corona in Baden-Württemberg Lehrer protestieren: Schul-Quarantäne vor Weihnachten möglich

Quelle: Christoph Schmidt

Schüler könnten es als frühes Weihnachtsgeschenk missverstehen, die Kultusministerin sieht die angebotene freiwillige Schul-Quarantäne vor den Feiertagen dagegen als reine Vorsichtsmaßnahme. Für die Lehrerverbände ist es vor allem eines: Unsinn.

Geschlossen werden sollen die Schulen zwar nicht, das wiederholt Kultusministerin Theresa Schopper geradezu gebetsmühlenartig. Dennoch sollen sich Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg unmittelbar vor den Weihnachtsferien für mehrere Tage in eine selbstgewählte Quarantäne begeben. «Wir haben die Ausnahmeregelung für die halbe Woche vor den Weihnachtsferien getroffen, um den ganz vorsichtigen Eltern entgegenzukommen», erklärte die Grünen-Ministerin am Mittwoch in Stuttgart. «Nun können sich deren Kinder in selbst gewählte Quarantäne begeben, um ihre Kontakte vor den Feiertagen noch mehr zu reduzieren.»

Die Schulen waren am Dienstag in einem Brief über das Angebot an Schüler und Eltern informiert worden. Die Kritik der Lehrer an der Idee ließ allerdings nicht lange auf sich warten, sie war scharf und überaus deutlich: «Was soll denn dieser Unsinn jetzt?», kritisieren der Realschullehrer-, der Philologen- und der Berufsschullehrerverband. «Entweder sind die Schulen sicher, dann kann man Präsenzunterricht machen, oder sie sind es nicht, dann gehören alle Schüler nach Hause in den Fernunterricht.» Die neue Regelung sei halbgar und sorge für ein Durcheinander. Ein geregelter Unterricht sei so an den Tagen vor Weihnachten nicht mehr möglich.

Auch beim Vorsitzenden des Verbands für Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Brand, stehen nach seinen Angaben die Telefone nicht mehr still. «Das ist doch eine Schein-Quarantäne, das sind vorgezogene und unkontrollierbare Weihnachtsferien», ärgert er sich. Die Zeit vor den Ferien sei die stressigste im Jahr für die Lehrer, da gehe die Idee des Ministeriums «voll an der Realität vorbei». Die Politik dürfe zudem nicht einfach den Wünschen von Eltern folgen – sie müsse bei ihren Entscheidungen auch standhaft sein. Außerdem plane die Landesregierung ausgerechnet in den Tagen vor Weihnachten die wichtigen landesweiten Impfaktionen an den Schulen, für die Kinder und Jugendliche in Quarantäne nicht mehr in Frage kämen.

Nicht alle sehen das so: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nennt die Quarantäne-Entscheidung des Landes nachvollziehbar. Sie entspanne die Situation und sei für die Lehrkräfte vertretbar. «Das kann aber auch keine Dauerlösung sei», sagt GEW-Geschäftsführer Matthias Schneider.

Nach Angaben des Ministeriums muss die Beurlaubung vom Präsenzunterricht schriftlich beantragt werden. Schüler müssten in diesen Tagen aber die Aufgaben erledigen, die sie von der Schule als eine Art Hausaufgabe bekommen hätten, heißt es im Brief von Ministerialdirektor Daniel Hager-Mann weiter.

Ziel bleibe es aber weiterhin, Schulen und Kitas offen zu halten. «Und wir werden nach derzeitigem Stand auch den Beginn der Weihnachtsferien nicht vorziehen.» Es könne aber auch keine Maßnahme kategorisch ausgeschlossen werden.

 

Weitere Nachrichten

Technik zum Fledermaus-Schutz bremst Hesse-Bahn aus

Technische Probleme bei der Fledermaus-Vertreibung bremsen derzeit die Hermann-Hesse-Bahn aus. Wann es wieder läuft wie gewohnt, steht noch nicht fest.

Im Naturschutzgebiet: Unerlaubtes Campen auf Schwarzwaldgipfeln nimmt zu

Im Biosphärengebiet Schwarzwald ist Zelten verboten - dennoch versuchen viele Besucher, über Nacht zu bleiben. Es kam bereits zu zahlreichen Anzeigen.

Nabu kritisiert Bauern: Zu wenig Einsatz für Klimaschutz

Die Bauern kämpfen gegen die Dieselsteuer, Naturschützer vermissen den lauten Ruf nach Klimaschutz. Welche Maßnahmen könnten Ernteausfälle begrenzen?

Mehr Straftaten mit Drohnen - Wo sie häufig Probleme machen

Immer mehr Drohnen stören den Alltag: Von neugierigen Blicken in Wohnungen bis zu Problemen beim Luftverkehr – wie die Polizei darauf reagiert.

"Katastrophe für die Bienen": So wirkt sich der Hitzesommer auf die Honigernte aus

Bienen im Notbetrieb: Trockenheit und Hitze setzen den Tieren zu. Was das für Honig-Liebhaber und Imker bedeutet. Und wie die Fachleute ihre Völker über den Winter retten wollen.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 
















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.