News aus der Fächerstadt
Tierschützer kritisieren Fütterungsverbot für Tauben in Städten

News aus der Fächerstadt Tierschützer kritisieren Fütterungsverbot für Tauben in Städten

Quelle: Sebastian Gollnow

Das Füttern von Tauben steht in vielen Städten unter Strafe. Die Tierrechtsorganisation Peta kritisiert das. Gerade in der Pandemie falle zu wenig Nahrung für die Tiere ab

In Zeiten des Corona-Lockdowns sorgen sich Tierschützer um den Fortbestand der Stadttauben. Deshalb hat die Tierrechtsorganisation Peta die Stadt Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) dazu aufgefordert, das dort geltende Fütterungsverbot zu kippen. Denn während des Lockdowns fielen für die Vögel nicht mehr genügend Essensreste etwa vor Imbissbuden oder Restaurants ab.

«In einer Ausnahmesituation wie dieser wird daraus innerhalb kürzester Zeit eine akute Lebensgefahr für die Tiere», heißt es in einer Mitteilung von Peta Deutschland. Die Stadt solle daher Fütterungen zulassen. Kommunen seien aufgrund des Staatsziels Tierschutz in Deutschland rechtlich dazu verpflichtet, die Tauben vor dem Hungertod zu bewahren.

Unterstützung erhält Peta in dieser Frage vom Deutschen Tierschutzbund Baden-Württemberg. «Tatsächlich besteht die Gefahr, dass gerade Tauben unter den ohnehin schwierigen Bedingungen im Winter und aufgrund der zusätzlichen Einschränkungen durch den aktuellen Lockdown leiden», sagte eine Sprecherin. Insofern sei es in diesen Tagen geboten, dass etwa Tierschützer die Vögel kontrolliert und an speziellen Futterstellen versorgen dürfen.

Die Stadt Bietigheim-Bissingen weist darauf hin, dass ein Fütterungsverbot bereits seit Jahrzehnten besteht. «Wir haben eine umfangreiche Taubenpopulation, die aufgrund des Taubenkots für zahlreiche Verunreinigungen und Beschädigungen an Gebäuden sorgt», teilte eine Sprecherin mit. Dennoch würden die Tauben noch immer sehr viel Futter finden – und auch immer wieder Brotreste oder Körner von Passanten.

Wer gegen das Fütterungsverbot verstößt, muss mit einer kostenpflichtigen Verwarnung rechnen. Der Bußgeldrahmen dafür liegt zwischen fünf und 500 Euro. Nach Angaben der Sprecherin ist nicht beabsichtigt, an dieser Praxis etwas zu ändern.

Auch in Stuttgart, Karlsruhe und anderen Städten dürfen Tauben nicht auf Straßen, Wegen oder in Parks gefüttert werden. «Eine Lockerung des bestehenden Fütterungsverbotes würde zu einer unkontrollierbaren Zunahme der Populationen führen und ist aus Sicht der Verwaltung abzulehnen», heißt es bei der Stadt Karlsruhe.

Das Verwaltungsgericht Stuttgart etwa habe 2014 die Rechtmäßigkeit kommunaler Fütterungsverbote in einem Urteil gestützt. Außerdem werden in Karlsruhe und etwa auch in Tübingen Stadttauben in Taubentürmen und Taubenschlägen mit artgerechtem Futter versorgt.

Auch Peta fordert als «einzige nachhaltige Lösung» Taubenschläge in den Innenstädten, in denen artgerechte Nahrung und Wasser sowie geeignete Brutplätze zur Verfügung stehen. Durch den Austausch der Taubeneier mit Gipseiern lasse sich die Population außerdem tierschutzgerecht und nachhaltig kontrollieren.

In der Landeshauptstadt werden Tauben in Taubenschlägen von ehrenamtlichen Mitarbeitern gefüttert. Doch auch in Stuttgart kann dies eher als Ausnahme betrachtet werden. «Die Tauben sind nicht wegen des Lockdowns in Gefahr geraten. Sie dürfen ohnehin nicht gefüttert werden – mit Ausnahme der betreuten Schläge», teilte ein Sprecher der Stadt mit.

Solche Vorrichtungen gibt es in Bietingen-Bissingen nicht. Für solche oder ähnliche Projekte fehle es der Stadt an Personal, heißt es aus dem Rathaus. Gespräche mit möglichen ehrenamtlichen Helfern hätten bisher nicht zum gewünschten Erfolg geführt.

 

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