Nachrichten
Verurteilte Gewalttäter: Fünf Afghanen aus Baden-Württemberg im Abschiebeflug

Nachrichten Verurteilte Gewalttäter: Fünf Afghanen aus Baden-Württemberg im Abschiebeflug

Quelle: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
dpa

Seit Juli 2021 sind Afghanen aus Baden-Württemberg wegen der Machtübernahme der Taliban nicht mehr in ihr Heimatland abgeschoben worden. Das hat sich nun geändert.

In dem Abschiebeflug nach Afghanistan sitzen nach Angaben des Migrationsministeriums in Stuttgart fünf Männer, die sich zuletzt in Baden-Württemberg aufgehalten haben. Es handele sich bei allen um «schwere Straftäter», die das Land nun abgeschoben habe.

Einer von ihnen hatte Ende Oktober 2019 mit drei weiteren Tätern in einer Flüchtlingsunterkunft in Illerkirchberg (Alb-Donau-Kreis) eine damals 14-Jährige über mehrere Stunden vergewaltigt, wie es aus dem Ministerium hieß. Das Mädchen sei zuvor unter Alkohol- und Drogeneinfluss gesetzt worden. Der heute 31 Jahre alte Mann hatte seine Haftstrafe schon abgesessen und wurde von der Polizei zur Abschiebung festgenommen.

Vier der Männer aus der Haft abgeschoben

Die vier anderen Afghanen saßen wegen diverser Straftaten in Haft und seien von dort aus an den Flughafen Leipzig/Halle gebracht worden, sagte ein Ministeriumssprecher. Ein 25-Jähriger war zuvor im Landkreis Ravensburg gemeldet gewesen, ein 34-Jähriger in Biberach, ein 35-Jähriger in Ludwigsburg und ein 45-Jähriger im Stadtkreis Stuttgart.

Erstmals seit der Machtübernahme der Taliban vor drei Jahren schob Deutschland wieder afghanische Staatsangehörige in ihr Herkunftsland ab. Das Flugzeug war am Morgen vom Flughafen Leipzig/Halle abgehoben. In dem Charterjet von Qatar Airways sitzen 28 afghanische Straftäter aus verschiedenen Bundesländern. Organisiert worden war die Aktion federführend vom Bundesinnenministerium.

Staatssekretär: «Gewinn für die Sicherheit in unserem Land»

Baden-Württembergs Migrations-Staatssekretär Siegfried Lorek (CDU) bezeichnete die Abschiebung als «Gewinn für die Sicherheit in unserem Land». Ob und wann weitere ausreisepflichtige Afghanen aus dem Südwesten abgeschoben werden, dazu äußerte sich sein Ministerium zunächst nicht. Lorek forderte aber erneut vom Bund, weitere Abschiebungen nach Afghanistan und auch nach Syrien zu ermöglichen.

Die fünf Straftäter dürfen nicht mehr nach Deutschland oder sonstige Länder der Europäischen Union einreisen. Gegen sie wurde ein Einreiseverbot ausgesprochen, hieß es aus dem Stuttgarter Migrationsministerium.

Abschiebeflug wohl mit längerem Vorlauf

Deutschland unterhält zu den Taliban-Machthabern in der afghanischen Hauptstadt Kabul keine diplomatischen Beziehungen. Nach dem tödlichen Messerangriff von Mannheim Ende Mai hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) angekündigt, die Abschiebung von Schwerstkriminellen und terroristischen Gefährdern nach Afghanistan und auch Syrien wieder zu ermöglichen.

Der Abschiebeflug startete nun zwar nur wenige Tage nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten tödlichen Messerattentat von Solingen, habe aber einen deutlich längeren Vorlauf gehabt, hieß es aus Behördenkreisen. Der «Spiegel» schrieb von zwei Monaten.

Kritiker bemängeln Menschenrechtslage in Afghanistan

Seit August 2021 sind in Afghanistan wieder die islamistischen Taliban an der Macht, die international vor allem wegen ihrer massiven Beschneidung von Frauenrechten in der Kritik stehen. Insgesamt ist es seit der erneuten Machtübernahme der Taliban zu einem deutlichen Rückgang der bewaffneten Auseinandersetzungen in dem Land gekommen, auch wenn es nach wie vor zu Anschlägen kommt. Die meisten reklamiert die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für sich, die mit den Taliban trotz ideologischer Nähe verfeindet ist.

Kritiker bemängeln unter der Taliban-Herrschaft ein hartes Vorgehen gegen Menschenrechtler, Demonstranten oder Journalisten, denen laut Menschenrechtsorganisationen Verhaftung, Verschwinden oder Folter drohen.

 

Weitere Nachrichten

Regierungsbildung: Die Koalition steht - Grün-Schwarz unterzeichnet Vertrag

Mehr als 160 Seiten ist das Vertragswerk dick, mehrere Wochen dauerte seine Entstehung. Jetzt ist der Koalitionsvertrag von Grünen und CDU unterschrieben - und auch das Personal bekannt.

Laut Statistik: Mehr Pflegeazubis im Südwesten tätig

Die Zahl der Pflegeazubis in Baden-Württemberg ist zuletzt gestiegen. Männer bleiben weiter deutlich in der Unterzahl. Das duale Pflegestudium bleibt eine Nische.

Steuerschätzung: Krise der Kommunen verschärft sich

Es geht um Schulen, um Straßen, öffentliche Angebote - den Kommunen fehlen Gewerbesteuer-Einnahmen in Milliardenhöhe. Der Finanzminister warnt vor wirtschaftlichen Verwerfungen.

Betrunkener fährt gegen Straßenlaterne in Karlsruhe und flüchtet zu Fuß

Mit Alkohol im Blut verliert ein 34-Jähriger die Kontrolle über sein Auto und kracht gegen eine Laterne. Welche Konsequenzen drohen dem Mann?

Immer mehr Deutsche wohnen in der Schweiz

Rund 330.000 Deutsche leben Anfang 2025 in der Schweiz – mehr als in jedem anderen europäischen Land. Aber auch ein anderes Nachbarland ist im Ranking weit vorn.



















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.