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Warum in Baden-Württemberg so wenige gegen Grippe geimpft sind

Nachrichten Warum in Baden-Württemberg so wenige gegen Grippe geimpft sind

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
dpa

Immer weniger Menschen im Südwesten lassen sich gegen Grippe impfen. Fachleute warnen: Die Impfmüdigkeit könnte in diesem Winter tödliche Folgen haben.

In Baden-Württemberg sind nach Daten von Krankenkassen so wenige Menschen gegen Grippe geimpft wie in keinem anderen Bundesland. Die Impfmüdigkeit nimmt zu, obwohl der Schutz besonders für Ältere wichtig bleibt. Warum ist das so? Und was hat das für Folgen?

 

Wie steht Baden-Württemberg bei den Grippe-Impfungen da?

Beim Grippeschutz hat Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern die rote Laterne. Das hat eine Auswertung der Techniker Krankenkasse ergeben. Demnach haben sich in der vergangenen Saison im Südwesten nur 24 Prozent der TK-Versicherten über 60 Jahre gegen Grippe impfen lassen. Die Quote sei im Vergleich zum Jahr zuvor sogar noch um vier Prozentpunkte zurückgegangen und liege deutlich niedriger als in den anderen Bundesländern.

Nach Daten der Barmer haben sich im vergangenen Jahr altersübergreifend nur rund 710.000 gesetzlich Krankenversicherte oder zwölf Prozent aus Baden-Württemberg in einer Arztpraxis gegen Grippe impfen lassen – das sind zwölf Prozent weniger als im Jahr zuvor und fast 39 Prozent weniger als im Jahr 2020.

 

Und wie sieht es bundesweit aus?

Im Bundesdurchschnitt bekamen im vergangenen Herbst und Winter 38 Prozent der TK-Versicherten über 60 Jahre den Piks gegen Grippe – das ist meilenweit entfernt von der angestrebten und empfohlenen Impfquote der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Europäischen Kommission (EU) von 75 Prozent für Risikogruppen.

 

Warum ist die Impfquote im Südwesten so niedrig?

Fachleute beobachten im Land eine wachsende Impfmüdigkeit vor allem in der sensiblen Gruppe der älteren Menschen. Viele halten die Grippe für harmlos oder verwechseln sie mit einer Erkältung. Andere sagen, sie hätten noch nie Grippe gehabt – und unterschätzen das Risiko. Dazu kommt: Nach dem Push durch die Corona-Impfkampagnen ist die allgemeine Bereitschaft gesunken, auch das Vertrauen in den Nutzen von Vorsorgeimpfungen ist nach Einschätzung von Ärzten zurückgegangen​.

«Vor fünf Jahren hatte die Coronapandemie die Impfbereitschaft in der Bevölkerung erhöht, aber leider nur kurzfristig», sagt auch Barmer-Landesgeschäftsführer Winfried Plötze. Die Impfung sei die beste Präventionsmaßnahme. «Dass so wenig Menschen davon Gebrauch machen, um sich und auch andere vor schweren Krankheitsverläufen und Komplikationen zu schützen, ist für mich nicht nachvollziehbar», sagt Plötze.

 

Wie ist die Grippe-Lage derzeit?

Die Saison hat erst begonnen, der Höhepunkt wird erst zur Jahreswende oder danach erwartet. Bislang gibt es keine Hinweise auf eine ungewöhnliche Influenza-Aktivität in Baden-Württemberg sowie deutschlandweit, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Sie ergänzte, es handele sich um ein «typisches Bild für den üblichen Verlauf zu Beginn der Influenza-Saison».

«Es ist möglich, dass, wie in den vergangenen Jahren, die Grippewelle erst nach Weihnachten einsetzt», sagte die Vorsitzende des Hausärzteverbands, Susanne Bublitz. Umso wichtiger sei es, sich bereits jetzt impfen zu lassen.

 

Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Grippeimpfung unter anderem für Menschen ab 60 Jahren, Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel sowie für Menschen, deren Gesundheit gefährdet ist. Auch Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und medizinisches Personal gehören zu den Risikogruppen. Neu ist auch die Empfehlung für Menschen, die privat oder arbeitsbedingt regelmäßig mit Tieren etwa in Nutztierhaltung, Zoos, Tierheimen, Tierarztpraxen oder Schlachthöfen Kontakt haben.

Bei gesunden Kindern und Erwachsenen unter 60 Jahren verläuft eine Influenza in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen. Deshalb gibt es für sie auch keine Impfempfehlung – ihnen wird aber auch nicht davon abgeraten.

 

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Impfung?

Am besten lässt man sich zwischen Oktober und Mitte Dezember impfen, weil sich eine Grippewelle meist Anfang des Jahres aufbaut. Der Schutz baut sich innerhalb von etwa zwei Wochen auf und hält in den meisten Fällen über die ganze Saison an.​

 

Wie gefährlich ist die Grippe im Vergleich zu einer Erkältung?

«Influenza ist keine harmlose Erkältung», warnt Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung in Stuttgart. Laut Robert Koch-Institut (RKI) wurden in der vergangenen Grippe-Saison 2024/25 rund 390.000 Grippefälle erfasst, davon knapp 34.600 in Baden-Württemberg.

Insgesamt starben 1.754 Menschen mit Influenza, davon 90 Prozent im Alter von 60 Jahren und mehr. Die Zahl der Toten kann bei Grippewellen aber auch stark schwanken – von mehreren Hundert bis über 20.000.

Nach Einschätzung des baden-württembergischen Gesundheitsministeriums gehört die Grippe zu den weltweit unterschätzten Erkrankungen. «Eine Grippeschutzimpfung kann etwa bei Älteren bis zu 80 Prozent der Todesfälle verhindern, die durch die Komplikation einer Grippe-Erkrankung verursacht werden», erklärt das Ministerium.

 

Wo kann man sich impfen lassen – und wer bezahlt das?

Impfungen bieten natürlich die Haus- und Betriebsärzte an, oft gibt es den Piks auch in Apotheken. Krankenkassen übernehmen die Kosten für alle empfohlenen Gruppen. Viele Kassen zahlen die Impfung auch für andere Versicherte auf freiwilliger Basis.​

 

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