News aus Baden-Württemberg
Wetterkapriolen sorgen für Ernteeinbußen in Baden-Württemberg

News aus Baden-Württemberg Wetterkapriolen sorgen für Ernteeinbußen in Baden-Württemberg

Quelle: Thomas Warnack/dpa
dpa

Wettertechnisch hatte das Jahr bislang viel zu bieten. Sonnenschein, Regen, Trockenheit – aus Sicht der Bauern in Baden-Württemberg aber meist zur falschen Jahreszeit. Insbesondere die Mähdrescher wurden durch immer neue Niederschläge ausgebremst. Das hat Folgen.

Regen hat die diesjährige Ernte in Baden-Württemberg ausgebremst – mit Folgen für Ertrag und Qualität. In einigen Regionen des Landes habe die Ernte häufig unterbrochen werden müssen, sagte Landesbauernpräsident Joachim Rukwied bei einer ersten Bilanz am Freitag. Die Folge: Es blieb oft Getreide auf den Feldern stehen, das schon längst hätte eingefahren werden müssen. Aber auch Kaufzurückhaltung bei regionalen Produkten macht den Landwirten zu schaffen.

Rukwied bezeichneten die Ernte in diesem Jahr als Zitterpartie. Aber nicht nur der Regen hat die Nerven der Bauern strapaziert. Bereits im Frühjahr gab es Probleme. Wegen der nassen Böden konnte das Getreide vielerorts später als geplant gesät werden. Insbesondere für das Sommergetreide wurde dann die Trockenheit von Mai bis Juli zum Problem. Diese störte die Entwicklung der Pflanzen.

Die Ertragsspanne zwischen den Regionen und Getreidearten ist daher sehr groß. «Das Wintergetreide und der Raps sind größtenteils gut durch den Winter und das Frühjahr gekommen», sagte Rukwied. Die Landwirte in den frühen Erntegebieten wie Nordbaden können sich daher freuen. Insgesamt geht Rukwied allerdings von einer durchschnittlichen Ernte aus.

Rückgang um drei Prozent

Ohne Körnermais rechnet das Statistische Landesamt in diesem Jahr mit einer Erntemenge von 2,77 Millionen Tonnen. Das ist zwar etwas mehr als im Juli angenommen. Die Menge liegt aber 3,7 Prozent unter der des Vorjahres. Im Vergleich zum sechsjährigen Mittel würde der Rückgang ungefähr drei Prozent betragen. Das zeigen die vorläufigen Ergebnisse der Ernte- und Qualitätsermittlung, die ebenfalls am Freitag veröffentlicht wurden.

Bei der wichtigsten Sorte im Land – dem Winterweizen – rechnen die Statistiker mit einer Erntemenge von 1,56 Millionen Tonnen. Das ist ein Minus von etwa 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Einbußen gibt es auch bei Winter- und Sommergerste, Winterraps, Hafer und Triticale, einer Kreuzung aus Weizen und Roggen. Eine deutlich größere Ernte gibt es beim Roggen: Die Menge stieg um etwa ein Drittel auf rund 55.000 Tonnen.

Auch die Statistiker haben mit den Folgen des Regens zu kämpfen: Bei den späten Getreidesorten liegen bisher nur wenige Ergebnisse vor. Ausfälle durch den Regen der vergangenen Wochen schlagen sich daher noch nicht in der Auswertung nieder. Auch größere Korrekturen könnten bis zum Abschluss der Erhebung nicht ausgeschlossen werden.

Bessere Nachrichten gibt es aus Sicht der Bauern für späte Sorten wie Mais, Zuckerrüben und Soja sowie das Grünland. Sie profitieren laut Rukwied enorm vom Regen der vergangenen Wochen. «Bei den Herbstkulturen erwarten wir aktuell eine gute Ernte», sagte der Bauernpräsident, dessen Verband im Südwesten rund 33.000 Landwirte vertritt.

Tierfutter statt Brot und Bier

Die Kapriolen haben wirtschaftliche Folgen für die Höfe: Vor allem die Qualität litt unter den Ernteunterbrechungen. Teile des Weizens und der Gerste können nicht zum Brotbacken oder Bierbrauen verwendet werden, sondern müssen mit Preisabschlägen als Tierfutter oder notfalls als Bioenergie-Material verkauft werden.

«Manches Erntegut, das dieses Jahr für den Teller geplant war, lässt sich nur noch über den Trog zu menschlicher Nahrung verwerten», sagte Rukwied. Auch für den hochwertigen Brotweizen sind die Preise zuletzt eingebrochen und belasten die Bilanzen der Bauern: Für die Tonne gibt es nach Rukwieds Angaben aus dieser Woche 220 bis 230 Euro – vor einem Jahr waren es 310 bis 350 Euro. Zugleich hätten viele Höfe mit gestiegenen Produktionskosten zu kämpfen.

Darüber hinaus ist die Weltlage auch in den Hofläden zu spüren: Die Verbraucherinnen und Verbraucher greifen demnach wegen der Inflation weniger zu den teureren Produkten aus der Region. Discounter-Produkte aus anderen Staaten gingen jedoch zulasten der regionalen Erzeugung, die auf diesem Preisniveau nicht produzieren könne, sagte Rukwied. Bei den Hofläden seien die Umsätze wieder auf das Niveau vor der Pandemie eingebrochen.

 

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