Entwicklungskonzept wird gestartet
Zukunft des Landratsamts – zwischen Denkmalschutz & Neubau

Entwicklungskonzept wird gestartet Zukunft des Landratsamts – zwischen Denkmalschutz & Neubau

Quelle: Isabel Ruf

Das Landratsamt gilt als Kulturdenkmal – doch eine umfangreiche Sanierung ist unumgänglich! Ob ein Abriss die bessere Lösung wäre, wird geprüft. Fakt ist aber: Die Planungen, wie das Gebäudeensemble künftig aussehen soll, starten – mit zwei Szenarien.

Aktuelle Situation – Neubau oder Sanierung?

Das in den 1960er Jahren erbaute Gebäude des Landratsamtes auf der Südwestseite des Ettlinger Tors gilt als Kulturdenkmal. Allerdings entspricht das Gebäude nicht mehr dem aktuellen Standard. „Bezüglich Schadstoffen und auch beim Brandschutz sind Mängel vorhanden, die nur mit erheblichen Sanierungsmaßnahmen bis auf den Rohbau zu beheben wären“, so Landrat Christoph Schaudigel in einem Pressegespräch mit Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup und Baubürgermeister Daniel Fluhrer zur baulichen Neukonzeption des Areals am Mittwoch, den 06. November 2019.

Um einen Neubau an gleicher Stelle zu verwirklichen, hat der Landkreis daher einen denkmalschutzrechtlichen Antrag gestellt. Diesen bearbeitet derzeit die Denkmalschutzbehörde, deren Ergebnis dann über eine weitreichende Sanierung oder einen Abriss des Gebäudes entscheidet. Wann diese Entscheidung fallen wird, ist derzeit unklar. Ebenfalls prüft der Landtag Baden-Württemberg aktuell ein Petitionsverfahren, welches den Erhalt des Gebäudeensembles verfolgt.

 

Landrat Dr. Christoph Schnaudigel, Baubürgermeister Daniel Fluhrer und Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup

Landrat Dr. Christoph Schnaudigel, Baubürgermeister Daniel Fluhrer und Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup | Quelle: Isabel Ruf

 

Entwicklungskonzept startet ohne Urteil

Trotz der ausstehenden Entscheidung der Denkmalschutzbehörde wollen die Stadt Karlsruhe und das Landratsamt nun mit einem städtebaulichen Entwicklungskonzept, welches beide Szenarien – Abriss und Neubau – umfasst, beginnen. „Wir wollen nicht länger warten, sondern uns mit und ohne den Erhalt beschäftigen und dies in einem Werkstattverfahren optimieren“, so Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup. Denn mit der Fertigstellung der Kombilösung sowie der Neugestaltung des Theatervorplatzes des Badischen Staatstheaters und einer neuen baulichen Entwicklung des Post-Bank-Gebäudes wird sich der Bereich optisch verändern und die Kriegsstraße nicht länger als Trennung zur Innenstadt fungieren, sondern eine Vernetzung entstehen. Aus diesen Gründen müsse man sich nun mit der Situation des Landratsamtes „intensiv städtebaulich beschäftigen“, so Mentrup weiter.

Zum aktuellen Zeitpunkt besteht allerdings weder eine städtebauliche Entwicklungsidee, noch ein Bebauungsplan für das Areal des Landratsamtes – doch das ist genau so gewünscht! Denn vor dem Hintergrund der Planungen des Landkreises Karlsruhe, einen neuen Verwaltungsbau an der selben Stelle nach Abriss des alten Gebäudes zu bauen, wird die Stadt nun ein offenes und transparentes Werkstattverfahren zur Neukonzeption durchführen.

 

Landratsamt Karlsruhe

| Quelle: Isabel Ruf

 

So läuft das Werkstattverfahren ab

An dem Werkstattverfahren werden die vier Architektenbüros berchtoldkrass space&options aus Karlsruhe, COBE Berlin/Kopenhagen, Max Dudler Architekten aus Zürich und MVRDV/Winy Maas aus Rotterdam teilnehmen. „In vier Terminen werden diese Büros sich als Konkurrenten gegenüberstehen und in Debatten fachlich streiten, um so die beste Lösung für Karlsruhe zu finden“, erklärt Daniel Fluhrer das von Januar bis Juli 2020 terminierte Werkstattverfahren, welches transparent und teilweise öffentlich stattfindet sowie videotechnisch festgehalten und publiziert wird.

Aufgrund des noch nicht entschiedenen denkmalrechtlichen Verfahrens arbeiten die Planungsbüros in zwei unterschiedlichen Szenarien. Ein Begleitgremium, welches mit seinem fachlichen und örtlichen Wissen beraten soll, wird aus Vertretern des Landkreises, Stadt und Gemeinderat, dem Land Baden-Württemberg und externen Fachleuten sowie Vertretern bürgerschaftlicher Gruppieren zusammensetzen.

 

Werkstatttermine im Überblick

Der erste Werkstatttermin wird in Form einer Auftaktveranstaltung am Mittwoch, den 15. Januar 2020, stattfinden und allen Beteiligten im Rahmen eines öffentlichen Bürgerforums die Aufgabenstellung, die Rahmenbedingungen des Ortes sowie der Umgebung vermitteln. Der zweite Termin findet am Mittwoch, den 11. März 2020, statt – hier erläutern die Büros ihre Analyse der Aufgabenstellung und diskutieren mit dem Begleitgremium eine möglichst große Bandbreite unterschiedlicher Ansätze. Beim dritten Werkstatttermin am Mittwoch, den 06. Mai 2020, stellen die Büros in Diskussion mit dem Begleitgremium die Weiterentwicklung und Verdichtung der Konzepte vor.

Der letzte Termin ist eine Abschlussveranstaltung am Freitag, den 03. Juli 2020, und wieder als öffentliches Bürgerforum angelegt. Hier präsentieren die Planungsbüros ihre finalen Szenarien und die aus ihrer Sicht beste Entwicklungsoption für das Areal. Aus diesen Szenarien wählt das Begleitgremium dann eine Empfehlung für den Gemeinderat aus, welche als Grundlage des Bebauungsplanverfahrens dient.

 

Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup

Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup | Quelle: Isabel Ruf

 

„Verfahren ist für Karlsruhe ein Novum“

„Ein derartiges Werkstattverfahren ist für Karlsruhe ein Novum und genau das Gegenteil von dem, was wir sonst machen – es ist kein komplexer Prozess festgelegt, sondern alles offen“, erklärt Oberbürgermeister Mentrup. Im Hauptausschuss wurde bereits am Dienstag, den 05. November 2019, über das Vorgehen geurteilt und der Gesamtaufwand in Höhe von 600.000 Euro mit großer Mehrheit beschlossen.

Dieser Betrag setzt sich aus dem Honorar der Architektenbüros, Aufwandsentschädigungen für das Begleitgremium, Raumkosten, Verpflegung, Moderation sowie die Prozessbegleitung von Externen zusammen. Der Landkreis hat hier zugesagt, über eine jeweils hälftige Kostentragung im Kreistag zu beraten.

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