Einzelhandel leidet unter der Corona-Verordnung
Karlsruher Geschäfte sind geschlossen – „Jetzt einen kühlen Kopf bewahren“

Einzelhandel leidet unter der Corona-Verordnung Karlsruher Geschäfte sind geschlossen – „Jetzt einen kühlen Kopf bewahren“

Quelle: tor

In Baden-Württemberg gilt ein umfangreicher Maßnahmenkatalog –alles zum Schutz vor COVID-19. Die Einzelhändler treffen die Maßnahmen hart, wie Karlsruhes Citymanager Frank Theurer berichtet. Er hofft auf schnelle Entschädigungen.

Die meisten Geschäfte in Karlsruhe sind zu

Die Regeln sind unmissverständlich: Seit Mittwoch, 18. März 2020, gilt die neue Verordnung über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus. Durch die Einschränkung der sozialen Kontakte soll das exponentielle Wachstum der Krankheitsfälle unterbrochen werden.

Ausgenommen sind nur Geschäfte, die Waren für das tägliche Leben verkaufen:

  • Einzelhandel für Lebensmittel,
  • Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste,
  • Getränkemärkte,
  • Apotheken,
  • Sanitätshäuser,
  • Drogerien,
  • Tankstellen,
  • Banken und Sparkassen,
  • Poststellen,
  • Frisöre, Reinigungen, Waschsalons,
  • der Zeitungsverkauf,
  • Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte sowie der Großhandel
  • Hofläden und Raiffeisenmärkte

Alles, was sich nicht in diese Liste einordnen lässt, ist geschlossen. Nicht nur für die Bürger ist das ein großer Einschnitt in den Alltag: Viele Einzelhändler fürchten nun um ihre Existenz – auch wenn die Bundesregierung bereits Hilfen zugesagt und Wirtschaftsminister Peter Altmaier Insolvenzen ausgeschlossen hat.

 

„Das Geld ist weg“

Frank Theurer ist der Karlsruher Citymanager und damit der offizielle Vertreter der Cityinitiative Karlsruhe. Sie ist die größte Dachorganisation von Handel, Dienstleistung, Medien, Hotellerie, Gastronomie sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen in Karlsruhe. In Summe werden so rund 6.100 Unternehmen, Kultur- und Freizeiteinrichtungen in der Region vertreten.

Im Gespräch mit meinKA berichtet er von der Sorge, welche die Karlsruher Einzelhändler aktuell umtreibt – und die ist groß. Für viele ist die Situation schon jetzt existenzbedrohend, denn bereits in den Tagen vor der Schließung ist der Umsatz massiv eingebrochen. Theurer spricht von Rückgängen von zum Teil 50 bis 80 Prozent. „Das Geld ist weg und keiner kann es zurückholen.“

 

Klare Ansagen und Wunsch nach klaren Ansagen der Regierung

Aktuell ist er damit beschäftigt, mit den vielen Betreibern der großen und kleinen Geschäfte zu sprechen, ihnen mit Rat zur Seite zu stehen. Derzeit übrigens nicht nur für Mitglieder: Theurer und die CIK wollen jetzt ganz offen für alle sein. „Und ich als Citymanager muss jetzt einen kühlen Kopf bewahren.“ Dazu gehören klare Ansagen – sowie der Wunsch nach klaren Ansagen von der Regierung, was auf den Einzelhandel zukommt und wie die Händler schnelle und unbürokratische Hilfe bekommen.

Doch entscheidend sei es nun, dass möglichst bald das normale Leben wieder aufgenommen werden kann. Das geht aber erst, wenn die Epidemie im Griff ist. Umso unverständlicher ist es für Theurer, dass sich viele Menschen noch immer nicht an die Regeln halten: „In der Günther-Klotz-Anlage treffen sich große Menschengruppen, reden, feiern und trinken dort. Aber so werden wir das nicht in den Griff bekommen!“

 

Geschäften helfen und an Regeln halten!

Theurer weiter: „Dann hätten wir nicht die Schulen und Kitas schließen müssen. Bitte reduzieren Sie Ihre sozialen Kontakte!“ Denn je länger es dauert, bis die Lage im Griff ist, desto gravierender wird die Situation für die Händler und Gastronomen. „Wir müssen diesen Eingriff in unseren Alltag jetzt alle aushalten“, so der Citymanager weiter.

In den vielen Geschäften wird derweil nach der Schließung nun in den Krisenmodus geschaltet: Die Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt oder freigestellt. Die Inhaber versuchen sich jetzt über ihre Hausbank staatliche Kredite zu sichern, doch hier sieht Theurer Herausforderungen: „Das Problem ist eher, dass die Kredite auch wieder zurückbezahlt werden müssen. Wie soll das gehen, wenn der Laden über viele Wochen einfach zu ist?“

 

Onlinehandel ist eine Möglichkeit der Geschäfte

Der Weg hin zum Onlinehandel sei dabei nur eine Alternative. Der Citymanager sieht die Geschäfte hier bereits sehr gut aufgestellt. Verhalten sei jedoch aktuell die allgemeine Nachfrage nach Produkten, die nicht für das Leben nötig seien. Wer jetzt aber dennoch Lust auf Shopping hat, dem rät Frank Theurer den Kontakt zum lokalen Händler: „Rufen Sie doch mal an, viele sind ohnehin in ihren Geschäften. Das sollte man nutzen, solange es möglich ist.“ Denkbar sei so auch eine einfache Bestellung der Produkte, die dann geliefert werden können.

Zusammenfassend richtet Theurer seinen Appell an die Regierung, aber auch an die Bevölkerung: „Es sollen nicht nur die großen Firmen gerettet werden, es muss auch an die kleinen Geschäfte gedacht werden.“ Gleichzeitig richtet er seine Bitte an die Karlsruher Bevölkerung: „Halten Sie sich an die Regeln! Je schneller man alles in den Griff kriegt, desto schneller ist es rum – und desto geringer ist dann auch der gesundheitliche und finanzielle Schaden!“

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