News aus Baden-Württemberg
KI an Schulen: Ministerin will mehr mündliche Prüfungen

News aus Baden-Württemberg KI an Schulen: Ministerin will mehr mündliche Prüfungen

Quelle: Bernd Weißbrod
dpa

Sprach-Apps, digitale Assistenten und Programme, die Gleichungen ohne Probleme lösen: Der Vormarsch der Künstlichen Intelligenz macht auch vor den Schulen nicht Halt. Aus Sicht der Kultusministerin muss sich Bildung deswegen verändern.

Künstliche Intelligenz (KI) wird die Art der Leistungsbeurteilung an Schulen aus Sicht von Kultusministerin Theresa Schopper verändern. «Wir werden voraussichtlich deutlich mehr zu mündlichen Prüfungen übergehen, weil man nur so herausfinden kann, ob etwas wirklich verstanden worden ist», sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Laut Kultusministerium könnten schriftliche Hausaufgaben und -arbeiten verstärkt mündlich überprüft werden. Grundsätzlich sei möglich, dass man mehr mündliche Prüfungen abhalte statt schriftliche Hausarbeiten aufzugeben, weil dabei nicht mit KI geschummelt werden könne.

Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg kann sich veränderte Prüfungsaufgaben in Schulen vorstellen, um ein Schummeln mit KI zu verhindern. «Indem wir zum Beispiel sagen: Künstliche Intelligenz ist Teil Deiner Aufgabe – und Du musst transparent machen, wie Du sie genutzt hast», sagte die Grünen-Politikerin in einem am Freitag veröffentlichten Sommerinterview des NDR. Das Land Hessen hat für die Schulen eine Handreichung für den Umgang mit KI wie den Textroboter ChatGPT erarbeitet. Dabei geht es um rechtliche und ethische Grenzen.

KI werde sich an den Schulen deutlich auswirken, sagte Schopper. «Unsere Schulwelt wird sich durch Künstliche Intelligenz verändern. Es ist absurd zu glauben, das macht an der Schultür Halt.» Auswendiglernen sei dagegen überholt. Sie selbst habe im Geschichtsunterricht noch Jahreszahlen wichtiger Ereignisse auswendig lernen müssen. «Heute macht schlichtes Auswendiglernen von Fakten kaum noch Sinn. Es ist wichtiger, dass man die grundlegenden Zusammenhänge versteht, dass man sich Kompetenzen erarbeiten kann und nicht, dass man sich ein bulimisches Wissen reinzieht», sagte Schopper. Unter «Bulimielernen» wird kurzfristiges Auswendiglernen etwa für eine Prüfung verstanden, wobei das Gelernte wenig später wieder vergessen wird.

Auch sonst müsse überprüft werden, ob in den Schulen noch der richtige Schwerpunkt gelegt werde. «Wir müssen schauen: Welche Kompetenzen brauchen die Schüler? Ich glaube, dass wir auf die Medienkompetenz deutlich mehr Gewicht legen müssen», sagte Schopper. Das werde vor allem mit Blick auf KI immer wichtiger. «Kinder und Jugendliche müssen in der Schule lernen, wie man Fake News erkennen kann, wie man Medien sinnvoll nutzen kann und wo die Grenzen liegen. Da haben wir in der Schule eine große Aufgabe.»

Schülerinnen und Schüler fordern seit Jahren, in den Schulen auch mehr Alltagswissen beigebracht zu bekommen. Erst Anfang des Jahres hatte der Landesschülerbeirat gefordert, dass Lehrer stärker unterrichten sollten, wie Steuererklärungen ausgefüllt, Versicherungen abgeschlossen und Mietverträge verhandelt werden. «Die Schule soll uns mit lebenswichtigen Kompetenzen ausstatten, aber wir lernen nur wenig über Dinge wie Steuerrecht und Investitionen, die für uns später wichtig sein könnten», sagte der Vorsitzende des Landesschülerbeirats, Berat Gürbüz, damals der Deutschen Presse-Agentur.

Dafür hat Schopper Verständnis. «Schüler äußern vielfach den Wunsch nach praxisnäherem Lernen. Sie wollen erkennen können, wenn sie abgezockt werden oder wo die Fallen bei einem Handyvertrag liegen. Das kann ich gut nachvollziehen», sagte sie. Man müsse immer wieder schauen, wie man Unterricht konkreter und näher an der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler gestalten könne.

«Fakten gegen Kompetenzen auszuspielen, ist schon grundverkehrt», betonte hingegen der bildungspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Rainer Balzer. «Und erst recht verkehrt ist die ebenso alte wie wohlfeile Forderung, den Schulunterricht mehr auf Alltagskompetenzen auszurichten.» Wer fordere, dass Lehrer ihren Schülern beibringen sollen, wie Steuererklärungen auszufüllen seien, der müsse auch sagen, welcher Stoff dafür gestrichen werde. Alltagskompetenzen sollten auch im Alltag vermittelt werden.

Erst kürzlich hatte auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann eine Bildungsdebatte ausgelöst. Aus Sicht des Grünen-Politikers könnten Technik und KI bald das mühsame Erlernen einer zweiten Fremdsprache wie Französisch ersetzen. Junge Leute müssten zwar gut Englisch können, sagte Kretschmann Anfang Juli. Mit Blick auf zweite Fremdsprachen wie Französisch sagte er aber, man müsse mehr Vertrauen in die Technik haben. «In zehn Jahren wird sich jeder einen Knopf ins Ohr setzen – und der übersetzt das simultan, was da gesprochen wird. Das wird so kommen.»

Auch Schopper glaubt, dass vor allem gute Englisch-Kenntnisse künftig wichtig sein werden. «Natürlich hat der Ministerpräsident Recht, wenn er sagt: In der Zukunft ist es notwendig, dass man Englisch als Verkehrssprache beherrscht.» Das sei schon heute selbstverständlich: «Wenn man heute gut Englisch kann, ist das kein Grund für Anerkennung mehr, sondern das ist die Voraussetzung für viele Jobs», sagte Schopper. Für einfache Übersetzungen gebe es in der Tat schon heute andere technische Hilfsmittel. Das werde auch die Schulen verändern.

 

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