News aus Baden-Württemberg
Schulen: Kretschmann gegen mehr Mitbestimmung der Eltern

News aus Baden-Württemberg Schulen: Kretschmann gegen mehr Mitbestimmung der Eltern

Quelle: Bernd Weißbrod/dpa
dpa

Wie weit sollen Eltern mitreden dürfen, wenn es um Schulangelegenheiten geht? Der Landeselternbeirat hatte zuletzt mehr Mitbestimmung in der Schulpolitik gefordert. Ministerpräsident Kretschmann, selbst einst Lehrer, hält davon nichts. Er sieht ein anderes Problem.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält mehr Mitbestimmung der Elternschaft in der Schulpolitik für nicht notwendig. «Wir brauchen keine stärkere formalisierte Mitbestimmung der Elternverbände über das hinaus, was wir schon haben», sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. «Zudem ist die Rolle der Eltern schon verfassungsrechtlich eine sehr starke.» Entscheidend sei vielmehr, dass Elternhaus und Lehrerschaft am gleichen Strang zögen. «Es mangelt teilweise an Kooperation», kritisierte Kretschmann.

Das Hauptproblem für den Regierungschef, der selbst einst Lehrer war: «Wir erreichen viele bildungsferne Eltern gar nicht.» In Deutschland hänge der Bildungserfolg zu sehr vom Elternhaus ab. «Wir müssen uns darüber den Kopf zerbrechen, wie wir besser an Eltern aus bildungsfernen Schichten rankommen – das ist unser Hauptproblem.» Manchen Kindern werde zuhause vorgelesen, anderen nicht – das sei in der Schule kaum einholbar, sagte er. Die Kooperation von Eltern und Schule sei enorm wichtig.

Der Ministerpräsident sprach in dem Zusammenhang auch von hohen verfassungsrechtlichen Schranken. Im Grundgesetz stehe, die Erziehung sei das natürliche Recht der Eltern. Die Landesverfassung hingegen definiere die Erziehung als gemeinsame Aufgabe unter anderem von Eltern und Staat.

Es sei sicherlich nicht sinnvoll, dass die Eltern, die sowieso schon überengagiert seien und ihre Kinder bis ins Klassenzimmer begleiteten, dann noch präsenter seien – und die anderen, die eigentlich kommen sollten, nach wie vor nicht zum Elternabend kämen. Damit sei nichts erreicht, so Kretschmann.

Der Landeselternbeirat (LEB) hatte zuvor moniert, dass Eltern in der Schulpolitik zu wenig gehört würden und Lehrerverbände die dominanten Meinungsmacher seien. «Als Eltern wird man nicht in dem Maße gehört, wie es für einen Kunden angemessen wäre», hatte der LEB-Vorsitzende Michael Mittelstaedt der «Schwäbischen Zeitung» gesagt. «Auch jemand, der wenig Geld hat, vielleicht kein Deutsch kann oder einfach unsympathisch ist, muss sein Kind in der Schule abgeben können und sicher sein, dass es genauso gefördert wird wie das Akademikerkind.»

Die Uraufgabe eines Landeselternbeirats sollte beratend sein, sagte Mittelstaedt. «Frühzeitig eingebunden werden wir allerdings nie. Wir haben keinen wirklichen Einfluss darauf, was im Bildungssystem passiert.» Es werde viel zu wenig auf die Kinder geschaut.

Der «Südwest Presse» sagte der LEB-Vorsitzende zudem kurz vor Weihnachten, dass Eltern in grundlegenden Fragen der Bildungspolitik ein «Veto-Recht» haben sollten. Wenn ein Elternbeirat eine Initiative einer Schulleitung oder der LEB eine Initiative des Kultusministeriums ablehne, passiere nichts, kritisierte er. Der Landeselternbeirat sei wie der Landesschul- und der Landesschülerbeirat auch nur ein «schmückendes Beiwerk, das in vollkommen unerheblichen Fragen mitwirken darf, indem es angehört wird». Gemessen am Ausmaß der Probleme erreiche der LEB seit Jahrzehnten viel zu wenig. «In den vergangenen zehn Jahren ist nichts über die Tische der Eltern gelaufen, das handfeste Relevanz für eine Verbesserung der Qualität im Bildungssystem gehabt hätte.»

 

Weitere Nachrichten

Geld Münzen

"Weniger als befürchtet": Land gibt 9,3 Milliarden Euro für Coronakrise aus

Baden-Württemberg hat für die Überwindung der Coronakrise bisher 9,3 Milliarden Euro ausgegeben - und damit weniger als von der grün-schwarzen Landesregierung zunächst befürchtet.

Tausende Ehrenamtliche werden für Schöffenwahl gesucht

Schöffen entscheiden wie Berufsrichter über Schuld und Strafe bei Gerichten. Dabei haben sie kein juristisches Fachwissen. Tausende Laienrichter werden in diesem Jahr in Baden-Württemberg neu gewählt.

Gesundheitsministerrunde: Entfernung zum Krankenhaus nicht entscheidend

Marode, teuer, unwirtschaftlich? Mit einer Krankenhausreform wollen Bund und Länder den Kollaps der Klinikversorgung verhindern. Der Weg zum nächsten Hospital ist da gar nicht so wichtig, findet der neue Chef der Gesundheitsministerrunde.

Wettervorhersage: Glätte und Sturmböen in Teilen Baden-Württembergs

Vorsicht Rutschgefahr: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat vor Glätte und Sturm in Teilen des Landes gewarnt.

Landesschülerbeirat: Schule muss auch Steuerrecht beibringen

Vor Jahren beschwerte sich eine Schülerin darüber, dass sie Gedichtinterpretation lernen muss, aber zu wenig praktisches Finanzwissen beigebracht bekommt. Das löste eine Bildungsdebatte aus. Viel bewegt hat sich seitdem nicht, sagt der Landesschülerbeirat.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 













Auch interessant


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Daumen hoch, wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, oder zeigen Sie uns, dass wir uns verbessern können.

0%
0%

Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.