News aus Baden-Württemberg
Tafel-Kunden leiden unter Folgen von Inflation

News aus Baden-Württemberg Tafel-Kunden leiden unter Folgen von Inflation

Quelle: Felix Kästle
dpa

Wegen Preissteigerungen sind immer mehr Menschen auf die Tafeln gegen Armut und Lebensmittelverschwendung angewiesen. Zugleich wird die Menge der angebotenen Waren geringer. Digitalisierung soll nun für eine effiziente Verteilung sorgen.

Inflation und gestiegene Energiepreise haben gravierende Einschnitte für die Kundschaft der Tafeln gegen Armut und Lebensmittelverschwendung zur Folge. Manche müssen ihren Gürtel noch enger schnallen, weil die Abgabemengen kleiner werden. Andere können das Angebot der überlaufenen Abgabestellen gar nicht erst wahrnehmen.

Rund ein Drittel der fast 970 Tafeln verfügte nach Zahlen vom Verein Tafel Deutschland aus dem Jahr 2022 einen Aufnahmestopp für neue Kunden. Nahezu zwei Drittel mussten die Lebensmittelmenge je Haushalt verringern. Zugleich zieht mit einer neuen Plattform für gleichmäßige Lebensmittelverteilung die Digitalisierung bei den Tafeln ein.

«Die Tafeln sind ein Seismograph für gesellschaftliche Veränderungen», sagte Sabine Werth, die vor 30 Jahren in Berlin die erste Tafel Deutschlands gründete und seitdem dort den Vorsitz der Tafel innehat. Bei ihrem Bundestreffen vom 6. bis zum 8. Juli in Mannheim wählen die Delegierten der Tafeln einen neuen Vorstand. Verbandschef Jochen Brühl tritt nicht mehr an.

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine und den Preissteigerungen erleben die sozialen Institutionen einen regelrechten Run: 40 Prozent der Tafeln verzeichnen nach einer Umfrage aus dem Jahr 2022 rund 50 Prozent mehr Kunden, jede Fünfte sogar bis zu 100 Prozent. Darunter sind immer mehr Kunden aus dem Mittelstand, die durch Corona ihren Job verloren haben, in Kurzarbeit sind oder ihre Selbstständigkeit aufgeben mussten, wie Werth beobachtet hat.

Angesichts eines fast 70-prozentigen Rückgangs der von ehrenamtlichen Helfern abgeholten Waren rückt deren Verteilung in den Fokus. Dafür haben das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim und Tafel Deutschland eine digitale Plattform entwickelt.

Ziel ist es, die derzeit jährlich etwa 237 000 Tonnen eingesammelten Lebensmittel gezielter an den Mann und die Frau zu bringen. «Bisher können einige Ausgabestellen den Konsumbedarf ihrer Kunden nicht decken, während die verfügbaren Spenden in anderen Ausgabestellen den Konsumbedarf übersteigen», erklärt Thilo Klein vom ZEW.

Die Plattform stellt alle Spendenströme in Echtzeit und zentral bereit. Der Bedarf der Ausgabestellen wird über einen Verteil-Algorithmus ermittelt. 44 Tafeln wenden laut ZEW diese digitale Lösung schon an, 75 bereiten sich darauf vor.

 

Weitere Nachrichten

Ungewöhnliche Aktion! Museen können sich bewerben: 1.500 Kunstwerke zu verschenken

Das passiert auch nicht alle Tage. Mehr als 1.500 Werke des verstorbenen Kunstsammlers Christoph Müller werden verschenkt. Öffentliche Museen können sich darum jetzt bewerben.

Laut Analyse: Deutsche Autobauer verlieren weiter an Boden

Während in der Autoindustrie Zehntausende Stellen wegfallen, wächst der Unmut: Die IG Metall will am Montag an mehr als 200 Orten protestieren. Eine Analyse zeigt, wie die Autobauer dastehen.

Klimakrise bedroht Existenz von seltenem Riesenregenwurm

Er ist ein verborgener Gigant. Der extrem seltene und nur im Südschwarzwald vorkommende Badische Riesenregenwurm wird zunehmend Opfer der Klimakrise. Wie lange gibt es das Tier noch?

Schwan auf Straße, Esel grast in Garten – tierische Einsätze

Esel «Emil» büxt aus und landet im Garten einer Anwohnerin. Zudem macht ein Schwan den Straßenverkehr unsicher.

Drahtesel im Rhein: Frau angelt nach Fahrrad und löst so Polizeieinsatz aus

Mit einer ungewöhnlichen Bergungsaktion löst eine Frau einen Polizeieinsatz aus. Mehrere Notrufe gehen ein.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 
















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.